Schaffhauser Nachrichten, Regionale Wirtschaft
Alexander Joho
Die momentane Weltwirtschaftskrise verstört und fasziniert gleichermassen. In ihrem spektakulären Ausmass stellt sie Experten vor ein Rätsel und ist gleichzeitig ein ansprechendes Anschauungsbeispiel. Der spannende Vortrag von Dr. oec. publ. Erich Spörndli, dem ehemaligen stellvertretenden Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), stiess beim Scaphusia-Bund, welcher den Anlass organisiert hatte, auf offene Ohren.
**Leichtfertig Kredite vergeben**
Zu Beginn führte Spörndli das Publikum zwei Jahre zurück in die Vergangenheit: Mit den sogenannten Subprimes wurden in den USA leichtfertig Kredite en gros vergeben; die Risiken vermeintlich sicher auf Investmentbanken verteilt, die diese Instrumente vorrangig anboten. Doch bereits im Frühjahr 2007 zeigten sich erste Verluste: Zinssätze stiegen, der Anstieg der Hypotheken wurde zunächst gestoppt, und drehte in einen Rückgang, als sich die Preise, nach mehr als zehn Jahren des Wachstums, als zu überhöht herausstellten. Aus Eigenkapitalbedenken hatten die regulären Banken in den USA das Risiko ausgelagert, die zahlreichen und teilweise sehr undurchsichtigen Finanzinstrumente nahmen numerisch aber derart überhand, dass schlichtweg der Überblick verloren ging und die Kontrolle versagte, wie Spörndli ausführte. Zunächst traf es die Investmentbanken wie Fannie Mae oder Freddie Mac, der Wert ihrer Aktien fiel ins Bodenlose. Damit zusammenhängend der anschliessende Aktienkursverfall von Grossbanken wie UBS, Crédit Suisse oder der Citigroup. Und hier setzte Spörndli mit der Rolle der SNB ein. Anfang 2008 wurde bereits ein wenig Optimismus gestreut und der Markt sollte sich leicht erholen, doch womit niemand in der Finanzbranche so richtig gerechnet hatte, war das Misstrauen der Anleger. Die Börsenwerte fielen noch weiter. Die Schweizerische Nationalbank hielt sich zuerst mit Devisenaustauschen mit anderen Notenbanken über Wasser, um den landeseigenen Banken mit zusätzlichem Geld unter die Arme zu greifen. Was der SNB wie auch der gesamten Finanzwelt schwer zu schaffen machte, war der enorme Kredit über zunächst 60 Milliarden Franken an die UBS im Oktober 2008. Da der Handel mit Subprimes durch die Krise in den USA ausgesetzt wurde, konnten dementsprechend kein Preis und keine Bewertung erzielt werden, wodurch vor allem die UBS auf ihren Krediten festsass, was die ungewohnt hohe Abschreibung zur Konsequenz hatte.
**Zinssenkungen ab Oktober**
Der Welthandel taumelte, staatliche Konjunkturprogramme wurden hastig geschnürt. Die schlimmste Rezession seit über 70 Jahren führte zu einem Rückgang beim Häuserbau, die Exportindustrie verzeichnete und verzeichnet noch immer einen Auftragseinbruch von 20 bis 50 Prozent. Die SNB versuchte daher, mit Zinssenkungen ab Oktober 2008, Deviseneinkäufen und der Vergrösserung der Geldmenge im Inland des Konjunkturproblems Herr zu werden. Nun günstigere Kredite ermöglichten eine Zunahme in der Bautätigkeit, Investitionen in Maschinen stiegen, und der Konsum konnte wieder angekurbelt werden. Der vergleichsweise schwächere Schweizer Franken machte Schweizer Produkte wieder interessanter. Spörndli konnte zum Abschluss seines Referates konstatieren, dass diese Finanzkrise schwere Schäden hinterlassen habe, die Notenbanken sowie Grossbanken diese jedoch gut verdaut und gekontert hätten. Die Talsohle sei jedoch erreicht, und obschon die Mehrzahl der Grossbanken noch «an Krücken» gingen und die Arbeitslosigkeit weiter leicht ansteigen werde, sei vorsichtiger Optimismus angebracht. Eine wirkliche Erholung, so Spörndli, könne für 2010/2011 erwartet werden.
