«Beim Laufen werde ich ans Ziel denken»

Schaffhauser Nachrichten, Neuhausen / Schaffhausen
Karin Lüthi

In voller Trainingsmontur steht Yves Keller da, bereit, sein Laufprogramm zu beginnen. Anlässlich der Weihnachtsaktion von Radio Munot hatte er gewettet, dass er zwölf Stunden durch den Kanton Schaffhausen rennen würde, falls die angestrebte Summe tatsächlich zusammenkäme. Sie ist bekanntlich zusammengekommen, und deswegen beisst Keller am kommenden Samstag in den sauren Apfel. «Eigentlich bin ich ja das, was man einen Sofakönig nennt, und somit ziemlich unsportlich», gesteht er. «Da bin ich etwas naiv in ein Unternehmen hineingerutscht, das ich gar nicht abschätzen konnte.»

**Rennen für einen guten Zweck**
Obwohl für den Sofakönig Keller nun eine Leidenszeit begann, nahm er das Training mit grossem Enthusiasmus, und unerschütterlicher Zuversicht in Angriff. Bereits im Januar machte er sich an die Vorbereitung. Pro Woche trainierte Keller vier- bis sechsmal. Entweder betrieb er Krafttraining im Eurofit oder übte sich im Dauerlauf. Zudem hat er sich entschieden, seinen Lauf für einen guten Zweck zu unternehmen. Pro gerannten Kilometer kann man sich für eine Spende für zwei von Schweizerinnen geführte Waisenheime in Peru eintragen. Seine Route beginnt in Stein am Rhein, wo Stadtpräsident Franz Hostettmann den Startschuss geben wird, geht über Diessenhofen nach Schaffhausen und von dort über Neuhausen und Beringen ins Klettgau und schliesslich wieder zurück nach Schaffhausen. Hier will er etwa um 20.00 Uhr auf dem Fronwagplatz eintreffen.

**Trainlngspause wegen Knien**
Es erwies sich, dass die Zeit von Januar bis September fast zu knapp bemessen war, um ein seriöses Vorbereitungstraining aufzubauen, denn es kamen noch zwei Monate krankheitsbedingten Trainingsausfalls dazu. Er bekam Probleme mit seinen laufungewohnten Knien. Erst vor gut zwei Monaten konnte Keller wieder mit dem Training beginnen. Gewisse. Dinge würdee er heute anders machen, ganz besonders würde er mehr Zeit für die Vorbereitung einplanen. Zudem sei es gemäss Keller sehr schwierig, einen Vollzeitjob und das anstrengende Training unter einen Hut zu bringen. Doch als unerschütterlicher Optimist vertraut Keller seinen Betreuern, die ihm verschiedene Mittel angegeben haben, die ihm über die schlimmsten Phasen helfen sollen. Rat hat er sich auch von einem geholt, der es wissen muss. «Der Duathlon-Europameister Andy Sutz empfahl mir, immer ans nächste Ziel zu denken, wenn ich unterwegs bin», erzählt er. Da er aber nur ein Ziel habe, werde er halt an dieses denken, so Keller zuversichtlich.

**Eigene Grenzen kennenlernen**
Die Vorbereitungszeit war ein Prozess der Selbsterkenntnis. Dass ein Teil seines Körpers einfach in Streik gehen kann wie etwa die Knie, war eine erschütternde Erfahrung für den jungen Mann, der sich bisher auf seinen funktionierenden Körper verlassen konnte. Verschiedenes hat er auch ausprobiert, damit er am Samstag weniger zu leiden haben wird. So hat er sich kürzlich die Haare an den Beinen abrasiert, um zu vermeiden, dass er den «Wolf» bekommt. Dabei musste er aber feststellen, dass ihn die nachwachsenden Härchen so schrecklich pieksten, dass das noch fast schlimmer war als der gefürchtete «Wolf».
Für den inzwischen durchtrainierten Sofakönig Keller ist aber eines klar: «Einen ganzen Tag zu laufen hängt nicht nur von der körperlichen Fähigkeit ab, sondern ist vor allem eine Frage der mentalen Stärke.» Keller ist sich im klaren darüber, wie sehr er sich selbst unter Druck gesetzt hat. Schliesslich steht er unter den Augen der Öffentlichkeit. Da er aber einen starken Willen besitzt, traut er sich zu, den Nonstoplauf durch den Kanton zu bewältigen.