«Anfangs wurde ich teilweise kritisch beäugt»

Schaffhauser Nachrichten, Sport
(bsi)

Wenn Hans Stamm heute zum Vereinspräsidenten des FC Schaffhausen gewählt wird wird er an der Präsidentenversammlung auch auf diese drei Kollegen treffen: Matthias Sallenbach, Christian Signer und Marc Winzeler. Sie sind die jüngsten Vorsteher eines regionalen Fussballclubs. Ein Gespräch über Herausforderungen, Probleme und Anerkennung.

*Sie sind alle unter 30 Jahre alt und bereits Präsidenten. Welche Rolle spielt die Jugend, auf Ihr Amt bezogen?*
Marc Winzeler: Anfangs wurde ich wegen meines Alters teilweise kritisch beäugt. Die Anerkennung habe ich mir aber mittlerweile erarbeitet. Es gab frischen Wind in den Verein. Da ist es ein Vorteil, dass ich jung bin. Christian Signer: Bei mir war es etwas anders, da einen die Leute in einem kleinen Dorf wie Ramsen sowieso kennen. Matthias Sallenbach: Ein älterer Vereinspräsident hat sicher einen Vorteil, wenn es um das Suchen von Sponsoren geht. Da hilft das in der Regel grössere Beziehungsnetz. Auch finde ich es nicht immer einfach, als Junger einem 40-jährigen Clubmitglied Anweisungen zu erteilen … Winzeler: … die Erfahrung im Sponsoring habe ich auch gemacht. Ein potentieller Geldgeber möchte natürlich gerne ein Gegengeschäft abschliessen. Als Junger ist es nicht immer einfach, darauf einzugehen.

*Oft wird geklagt, die Jungen würden lieber konsumieren, statt im Verein mitzuwirken. Sind Sie eine Ausnahme?*
Sallenbach: Das glaube ich nicht. Wir haben einen jungen Vorstand. Pauschal kann man nicht sagen, die Jungen machen zu wenig. Leute für eine Vorstandsarbeit zu gewinnen ist unabhängig vom Alter schwierig. Signer: Auch unser Vorstand ist altersmässig gut durchmischt. Wir versuchen, die Mitarbeit im Verein so attraktiv wie möglich zu gestalten. Die Juniorentrainer verwalten zum Beispiel ein eigenes Budget, und wir sind bestrebt, pro Juniorenteam stets zwei Personen zu finden. So reduziert sich die Belastung, und man findet eher Funktionäre. Egal, ob alt oder jung.

*Wie sehr suchen Sie als junge Club- vertreter die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen der Region?*
Signer: Von der geographischen Lage Ramsens her ist es schwierig, die Zusammenarbeit mit anderen Clubs zu intensivieren. Die Hauptaufgabe gilt also dem eigenen Verein. Sallenbach: Was sich in Feuerthalen entspannt hat, ist das Verhältnis zum FC Flurlingen. Mit Präsident Uwe Maier pflege ich ein enges Verhältnis, im Juniorenbereich treten wir gemeinsam als Cholfirst United auf. Da haben die neuen Leute in den beiden Vorständen die alte Rivalität überwunden. Winzeler: Zusammenarbeit hat meist mit persönlichen Kontakten zu tun, unabhängig vom Alter. In meinem Fall trifft das auf den FC Lohn und auf Präsident René Seiler zu.

*Als Präsident ist man Anlaufstelle für alle. Wo liegen die Reize dieses Amtes? Was nervt Sie auf der anderen Seite?*
Sallenbach: Die Pflege von Kontakten und das Organisieren des Vereins liegen mir. Reklamationen nachzugehen oder Leuten, die ihre Aufgaben nicht erledigen, ist bei mir wenig beliebt. Signer: Natürlich sind Beschwerden unliebsam. Dafür gefällt es mir, am Sonntag auf dem Platz zu stehen und zu sehen: Im Verein läuft es gut. Dann hat sich die Arbeit im Hintergrund gelohnt. Winzeler: Gemeinsam etwas zu erreichen ist meine Motivation für das Präsidentenamt. Gewöhnen musste ich mich an die Tatsache, dass viele Spieler die Arbeit hinter den Kulissen nicht interessiert und dass ich mich im Doppelamt als Präsident und als Spieler manchmal unbeliebt machen muss. Signer: Stimmt. Als Spieler und als Präsident muss ich auch aufpassen, was ich sage. Es hat verbindlichen Charakter. Es ist beruhigend zu sehen, dass meine Amtskollegen mit den gleichen Problemen kämpfen (lacht).


**Kurzportraits Der Bezug zum Verein, die Ziele und Anliegen der drei jungen Vereinspräsidenten**

Matthias Sallenbach ist am 14. Juni 1986 geboren. Seit nunmehr fünf Jahren gehört Sallenbach dem Vorstand des FC Feuerthalen an, seit Sommer 2007 ist er der Präsident. Der 24-Jährige hat die Juniorenabteilung beim Viert- ligisten durchlaufen, spielte im Fanionteam und ist derzeit noch in der 5.-Liga-Mannschaft aktiv. Die Verbesserung der Infrastruktur ist ein Ziel von ihm, genauso wie das Erhalten und Ausbauen der Juniorenabteilung inklusive qualifizierten Trainern. Eher als Vision bezeichnet Sallenbach die Errichtung eines Clubhauses.

Christian Signer wird am 13. Juli 29 Jahre alt. Er ist seit knapp einem Jahr Präsident des FC Ramsen und spielt seit Jahren als Verteidiger im 3.-Liga-Team. Vor seiner Wahl zum Vereinsober-haupt sammelte Signer Erfahrungen als Juniorentrainer und half beim Organisieren diverser Clubanlässe. Christian Signer setzt auf die Juniorenförderung und will, dass der FCR weiterhin zwei Aktivmannschaften stellt. Die Erweiterung des Clubhauses steht ebenfalls an.

Marc Winzeler steht dem Sporting Club Schaffhausen seit Oktober 2007 vor. Der langjährige Fanionspieler des 4.-Liga-Vereins feierte am 5. März seinen 29. Geburtstag und hat vor, den Club mittelfristig zurück in die 3. Liga zu führen. Eine von den F- bis zu den A-Junioren durchgehende Nachwuchsabteilung ist ein weiteres Anliegen Winzelers.