Bedeutet «konkrete Kunst» tatsächlich nur sich selbst?

Schaffhauser Bock
Jurga Ruesch

Wenn konkrete Kunst nur sich selbst behauptet, hat sie überhaupt das «Recht» sich eine Kunst zu nennen? Wo fängt Kunst an und wo hört Kunst auf? Man sagt: Kunst ist, wenn sie sich auf die Substanz reduziert. Was ist Substanz? Noch dazu derart vergrössert? Ist konkrete Kunst vielleicht in Wirklichkeit eine verborgene stoisch-emotionale Geradlinigkeit des Künstlers? Kennen Sie ein paar mögliche Antworten? August Scherrer aus Stein am Rhein, Chemie-Laborant und später Ofenbauer im eigenen Betrieb, hat eine. Er präsentierte am vergangenen Freitag seine Bilder der konkreten Kunst unter dem Titel «Konkret» in der Galerie Kraftwerk Schaffhausen. Er sagte lächelnd: «Konkrete Kunst ist nicht zeitgemäss, sozusagen altmodisch und sagt nichts tief Verborgenes aus.» So schlicht wie der Titel, so schlicht auch seine ausgestellten Bilder. Die Symbolik ist einfach: Kreise, Rechtecke, Quadrate, Linien. Seine Bilder schaffen Freiräume für ein kreatives Sehen. Sie sind «nur» das, was man sieht. Ein Kreis ist ein Kreis, eine Linie ist eine Linie ohne Anspruch auf eine mühsame Interpretation. Perfektion und Zusammenspiel der Formen und Farbe im Dienste der harmonischen Komposition. Ein solches Bild kann man nicht korrigieren, beim kleinsten Fehler ist es «zum Tode» verurteilt. Mit Trocknungsprozess dauert es eine Woche, bis so ein Werk fertig ist. August Scherrer hat von 1990 bis 2004 als Kurator des Museums «Lindwurm» in Stein am Rhein und als Kunstförderer agiert. Nur wenige wissen, dass er selber bereits seit der Schulzeit malt. Sein Wunsch ist es, Ästhetik und Präzision zu erzeugen. Er liess sich von Künstlern wie Max Bill, Paul Lohse und Victor Vasarely inspirieren. Ein Liebhaber und Kenner der konkreten Kunst würde zuerst mit der Lupe ein Bild auf Perfektion untersuchen, bis er eins kaufen würde. «Alexander E. Rubli ist mein erster Fan und hat bereits fünf Bilder von mir», so Kunstmaler August Scherrer über den Laudator, der sich in seiner Rede als Kenner erwiesen hat: «Man muss sich in seine Bilder nicht einfühlen. Entweder mag man es, oder nicht», sagte Rubli und zitierte anschliessend den vielfältigen Künstler Christian Emil Marie Küpper, der sich später Theo van Doesburg nannte: «Nichts ist konkreter, nichts ist wirklicher als eine Linie, als eine Farbe, als eine Fläche. Es ist das «Konkretwerden» des menschlichen Geistes».

Für August Scherrer ist dies seine zehnte Ausstellung. «Weil ich nicht schreiben und nicht musizieren kann, male ich», so August Scherrer über seinen Werdegang als Kunstmaler. Annerkennung war allgegenwärtig. Nebst den zahlreichen Gästen ehrte den Künstler auch der Schriftsteller Pirmin Meier mit seiner Anwesenheit.
Ausstellungsdauer in der Galerie im Kraftwerk vom 3. bis 26. April.

Wenn nicht emotional, dann geistig auf jeden Fall anspruchsvoll; als ein karges geometrisches Vokabular der Ästhetik und der Harmonie.