Ein Schaffhauser im «Fadenkreuz» – Wer ist eigentlich Finma-Präsident Eugen Haltiner?

Schaffhauser Bock
(lts)

Eugen Haltiner ist Präsident der neuen Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Früher war er bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (später UBS), wo er 2005 vorzeitig pensioniert wurde. Trotz Staatshilfe erlaubte er seinem ehemaligen Arbeitgeber, Boni von knapp zwei Milliarden Franken auszuzahlen. Dies, obwohl die angeschlagene Grossbank vertraglich bindend «nur» zu 1,3 Milliarden Franken verpflichtet ist.
Finma-Chef Eugen Haltiner liess seinerseits verlauten, dass «gute Leute» nur mit sehr hohen Salären und entsprechenden Boni für das Topmanagement «angeheuert» werden können. Bürgerinnen und Bürger interpretieren das so: Je katastrophaler die Leistungen, je unverschämter die Ansprüche.
Doch für Haltiner sind die Medien der «böse Feind». Denn für die emotionale Boni-Debatte machte der ehemalige UBS-Banker vollumfänglich die Medien verantwortlich. «Sie heizen mit ihrer Berichterstattung über das UBS-Hilfspaket seit letztem Herbst die Stimmung im Volk einseitig an,» sagte er dem Sonntagsblick. Dies sei unverantwortlich. Als Beispiel erwähnt er die Sendung «Club», die zum Thema «Boni» im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. (Sendung vom 27.Januar kann im Internet angesehen werden unter http://www.sf.tv/sf1/club).
Haltiner moniert, Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer hätte in der Sendung unwidersprochen behaupten können, die UBS wäre ohne Hilfspaket pleitegegangen. Dies sei eine Fehlinformation und grenze an Volksverhetzung. Haltiner bekam daraufhin eingeschriebene Post von Frau Leutenegger. Volksverhetzung, also die Aufwiegelung mit irreführenden Behauptungen, sei ein hässlicher Vorwurf, ja gar ein Straftatbestand. Sollte Haltiner diese Unterstellung nicht zurücknehmen, werde er sich von einem Richter über die Ehrenrührigkeit belehren lassen müssen.
Eugen Haltiner ist Schaffhauser. Genauer gesagt Herblinger. In einer Sonderpublikation zur Herblinger-Chilbi wurde er im Jahr 2006 portraitiert: «Offenheit, Wertschätzung, aufmerksames Zuhören und echter Dialog sind notwendige Voraussetzungen. Das damit zu erreichende Resultat ist nicht ein verordnetes Gehorchen, sondern ein bewusstes, auch beherztes Engagement,» liess sich Haltiner zitieren, in welcher er sich, damals 2006 grad frisch im neuen Amt als Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission, zu seinen Aufgaben äussert: «Von meinen vielfältigen Kontakten, auch zu ausländischen Aufsichtsbehörden, weiss ich, dass der Finanzplatz Schweiz dank Leistung und Wettbewerbsfähigkeit eine hohe Wertschätzung geniesst. Eine kompetente und starke Aufsicht kann helfen, diese Reputation zu wahren oder, besser noch, weiter auszubauen, denn Konkurrenz etwa in London oder in Singapur schläft nicht.»
Eugen Haltiner ist im Herblinger Kronenacker und an der Jägerstrasse aufgewachsen. Den Kindergarten besuchte er bei «Schwester Elise». Die ersten Schuljahre im Trüllenbuck. Ab der dritten Klasse ging er im damals neu erbauten «Kreuzgut» zur Schule. Nach dem Besuch der Kantonsschule Schaffhausen, wo Haltiner der Verbindung «Scaphusia» angehörte» absolvierte er eine B-Matura (Lateinmatura) und schrieb sich zusammen mit einem Freund und Kantikollegen an der Uni Genf zum Wirtschaftsstudium ein. Weil sein Französisch derart schlecht gewesen sei, habe er es im Welschland gleich mit einem Sprung ins kalte Wasser aufbessern wollen, wird Haltiner zitiert.
Seine berufliche Karriere startete er bei der SBG in Zürich im Rechnungswesen. Nach mehrjährigem Aufenthalt in New York übernahm er die Leitung der SBG-Traditionsfiliale «Römerhof» in Zürich und wurde anschliessend Filialdirektor der Winterthurer SBG. Von 1993 bis 1998 hatte der Herblinger die Verantwortung für den Geschäftsbereich Retailprodukte und Privatkunden. Die Fusion der SBG mit dem Schweizerischen Bankverein zur UBS unterstützte er an vorderster Front als Projektleiter bei der Zusammenführung der beiden Banken. 1998 wurde er Mitglied des Group Managing Board der UBS. Ab 2002 stand er dem Bereich Business Banking vor, welcher das schweizerische Privat- und Firmenkundengeschäft umfasst und 2006 schloss er seine Bankkarriere als Vice Chairman dieses Geschäftsbereichs, für Grosskunden zuständig, ab.
Parallel zum beruflichen Aufstieg vollzog sich auch Haltiners militärische Laufbahn. Diese begann im Schaffhauser Füs Bat 61, wo er es bis zum Hauptmann der Kompanie II/61 brachte. Weitere Kommandanten neben ihm waren Hans Felix Vögeli, späterer CEO der Zürcher Kantonalbank (ZKB), und Urs Oberholzer, Präsident des Bankrates der ZKB. Haltiners Militärkarriere führte weiter über das Kommando des Zürcher Füsilier-Batallions 66 bis in den Generalstab, wo er als Oberst im Stab des vormaligen Feldarmeekorps 4 diente. Als Mitglied der ausserparlamentarischen Rüstungskommission des VBS ist er der Armee weiterhin verbunden.
Nebst Beruf und Militär sei sein drittes Standbein die Familie: «Denn, was auf drei Beinen steht, ist stabil.» Seit mehr als dreissig Jahren ist er mit der Schaffhauserin Jacqueline Benesch verheiratet und hat praktisch täglich telefonischen Kontakt mit seinen Kindern Kathrin und Christoph.
Im August 2005 wurde Haltiner zum Präsidenten der Eidgenössischen Bankenkommission gewählt. Er war der Wunschkandidat von Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Die beiden Finanzfachleute kennen sich schon seit Jahrzehnten.
Wie in der Beilage zur Herblinger-Chilbi 2006 weiter steht, sei Haltiner gefordert, seine Unabhängigkeit vom ehemaligen Arbeitgeber UBS und jene gegenüber Bundesrat Merz unter Beweis zu stellen: «Das bereitet mir keine Sorge, schliesslich habe ich meine berufliche Karriere beendet. Bin somit und fühle mich unabhängig, auch gegenüber meinem früheren Arbeitgeber.»
Als einen seinen Führungsgrundsätze gibt Haltiner an:«Leadership ist für mich nicht an Titel oder hierarchische Stufen gebunden. Es ist die Fähigkeit, Gewohntes immer wieder zu hinterfragen, Grenzen zu sprengen und damit neue Einsichten und Erfahrungen zu vermitteln.»