Leistung und Motivation sind nötig

Schaffhauser Nachrichten, Inland
(wic.)

Stimmen schon im Gymnasium die Leistungen und fallen die Noten entsprechend aus, so stehen die Chancen gut, im ETH-Grundstudium den nötigen Notendurchschnitt zu erreichen, um das gewählte Fach erfolgreich zu absolvieren. Dieses Ergebnis zeigt eine Untersuchung bei 5216 ETH-Studierenden. Die Studie beschränkte sich jedoch nicht auf die Ergebnisse der ersten Basisprüfung – früher das Vordiplom –, sondern die ETH wertete auch die Maturanoten der Studierenden aus.
Die Basisprüfung gilt als eine der ersten wichtigen Hürden in der akademischen Laufbahn. Wie Professor Heidi Wunderli-Allenspach, derzeit Rektorin der ETH, gestern den «Schaffhauser Nachrichten» sagte, schaffen in der Regel bis zu 75 Prozent die Prüfung, wenn auch viele erst im zweiten Anlauf. Danach sind es nur noch etwa sechs Prozent, die nicht bis zum Schluss durchhalten. Sie ist sich jedoch bewusst, dass zahlreiche Maturi schon gar nicht zur Basisprüfung antreten, sondern sich in der Zeit anders orientieren, was für sie aber ebenfalls eine wichtige Erfahrung darstelle.

**Schaffhausen steht gut da**
Untersucht während vier Jahren wurden Mittelschulen, aus denen sich mindestens 30 Maturi für ein ETH-Studium eingeschrieben hatten; zu den 60 Gymnasien gehört auch die Kantonsschule Schaffhausen. Spitzen- reiter ist die Winterthurer Kantonsschule Rychenberg vor dem Gymnasium Liestal BL. Das Ende der Liste bilden das Gymnasium Immensee SZ und die Kantonsschule von Bellinzona. Schaffhausen klassierte sich hier auf Platz 18. Doch Wunderli-Allenspach will aus der Aufstellung explizit kein Ranking der Schweizer Mittelschulen ableiten. Zu gross seien die Unterschiede, etwa Kurz- oder Langzeitgymnasium, Maturandenquoten in den Kantonen oder Sprachregionen. Sie lobt vielmehr die Vielfalt im Rahmen des Maturitätsanerkennungsreglements (MAR). Dennoch gebe die Aufstellung den Schulen Hinweise zur Schärfung ihrer Profile.

**Griechisch/Latein kein Hindernis**
Laut Wunderli-Allenspach bietet eine gute Maturanote signifikant bessere Chancen, die erste grosse Prüfungshürde an der ETH zu bewältigen. Bei den Maturatypen kommt die Studie zu einem überraschenden Fazit: Wenn Studierende in der Mittelschule als Schwerpunktfächer Latein/Griechisch gewählt hatten, standen sie jenen, die eine mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Matur abgelegt hatten, bei den ETH-Basisprüfungen in nichts nach und erreichten mit ihnen gar die besten Noten. Dagegen fielen Maturanden mit Schwerpunktfächern Wirtschaft/ Recht klar ab. Wunderli-Allenspach schliesst daraus: «Wer als Altsprachler ein ETH-Studium absolvieren will, ist diszipliniert und motiviert.» Zu- dem schafften sie es, allfällige Wissenslücken im mathematischen Bereich nach Studienbeginn schnell zu schliessen.

**Möglichst früh studieren**
Es gebe also keinen Königsweg für ein erfolgreiches ETH-Studium. Das Resultat der Studie zeigt laut Wunderli-Allenspach vielmehr, dass man mit unterschiedlichen Maturatypen zum Erfolg kommt. Ein erstaunliches Ergebnis förderte die Expertise jedoch zutage, nämlich, dass die besten Leistungen 18- bis 20-Jährige zeigten. Deutlich schwächere ETH-Noten erzielten hingegen Studienanfänger, die sich mit 21 Jahren einschrieben. Für die ETH-Rektorin ist dies ein Hinweis darauf, dass erfolgreicher ist, wer das Studium nach der Matur schnell in Angriff nimmt.

**Nachgefragt**

**«Wir sind auf dem richtigen Weg»**

Für Urs Saxer, den Rektor der Kantonsschule Schaffhausen, liefern die Resultate der ETH-Untersuchung eine Bestätigung der guten Arbeit, die an der Kanti geleistet wird. Dennoch ortet er Verbesserungsmöglichkeiten.

*Im Vergleich der durchschnittlichen Basisnoten belegt die Kantonsschule Schaffhausen den 18. Platz von 62 untersuchten Gymnasien. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?*
Urs Saxer: Im Grundsatz ja. Die Resultate bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Man muss aber bedenken, dass es in der Untersuchung nicht darum ging, ein Ranking unter den Schulen zu erstellen. Stattdessen wurde aufgezeigt, wo die Mittelschulen gewisse Kompetenzen noch stärker fördern können.

*Wo sehen Sie Verbesserungspotential?*
Die Studie der ETH zeigt, dass auch im naturwissenschaftlichen Bereich die Sprachbeherrschung äusserst wichtig ist. Darum werden wir auch in Zukunft in allen Schwerpunkt- und Ergänzungsfächern ein grosses Augenmerk auf die Sprache legen. Zudem suchen wir den Kontakt zu den Hochschulen, um unser Ausbildungsangebot verstärkt auf die Anforderungen der Universitäten auszurichten. Aus diesem Grund rekrutieren wir derzeit rund die Hälfte unserer Maturitätsexperten unter den Hochschuldozenten.

Adrian Schumacher