Kurt Bächtold feiert heute seinen 90. Geburtstag

Schaffhauser Nachrichten, Region
Eduard Joos

«Meinem Vater und der Heimat» widmete der junge Kurt Bächtold seine umfangreiche Doktorarbeit über die Verwaltung des Stadtstaates Schaffhausen, die so umfangreich war, dass nur ein Teil gedruckt wurde. Alles ist in der Arbeit und Widmung bereits enthalten, was Kurt Bächtolds Wirken und seine Bedeutung ausmachen sollte: Die Liebe zu Stadt und Landschaft Schaffhausen, die unbestechliche historische Neugier und die Verpflichtung, der nächsten Generation echte Werte zu erhalten.

**Der Redaktor**
Historiker, welche Geschichte nicht nur als Liebe zur Vergangenheit verstehen, sondern als Auftrag zur Zukunftsbewältigung, suchen ein Publikum: Sie werden Lehrer oder Journalisten. Kurt Bächtold trat nach dem Studium, das von Aktivdiensteinsätzen unterbrochen war, 1948 in die Redaktion der «Schaffhauser Nachrichten» ein, die noch vom freisinnigen Geist Ernst Uhlmanns stark geprägt war. Bis Bächtold 1968 die Redaktion verliess, um die Leitung der Stadtbibliothek zu übernehmen, wirkte er in der berühmten «Viererbande» mit Heinz Bollinger, Heinz Dutli und Erwin Waldvogel in dieser Tradition an der Spitze des freisinnigen Lokalblattes, das sich aber bereits ab 1952 einem von der FDP unabhängigen Kurs verpflichtet fühlte.

**Der Politiker**
Als nämlich 1952 der Jungliberale SN-Redaktionskollege Hans Moser von der FDP zum Regierungsratskandidaten erkoren wurde, setzte sich die Redaktion unter Kurt Bächtold von ihm ab und unterstützte nach dem unpopulären Bau des Flusskraftwerks Rheinau («Rheinauskandal») andere Kandidaten, um die Schaffhauser Regierung aus den Angeln zu heben. Der Kampf gegen «Rheinau» hatte mit einem Zeitungsartikel von Kurt Bächtold unter dem Titel «Kulturschande» begonnen. Auch wenn «Rheinau» letztlich doch gebaut wurde, Bächtold hatte die grünen Tendenzen der Schaffhauser entdeckt, genutzt und mit Gesinnungskollegen zum Rheinaubund geformt, die den Natur- und Heimatschutz in der Bundesverfassung verankerten und gegen zerstörerische Neuerungen des technischen Zeitalters zu Felde zogen. Damit war Kurt Bächtold ein Grüner der ersten Stunde, Grün war damals noch eine Farbe der FDP. 1961 wurde Kurt Bächtold glanzvoll in den Ständerat gewählt, in dem er den Kanton Schaffhausen bis 1979 vertrat. Dank seiner offenen, umgänglichen Art wurde er für 1971 zum Präsidenten der kleinen Kammer gewählt. 1973–1979 vertrat Kurt Bächtold die Schweiz im Europarat in Strassburg.

**Der Historiker**
Bächtold hat mit einer historischen Doktorarbeit begonnen und als Redaktor immer auch die geschichtliche Dimension der Politik berücksichtigt. Er nahm sich die Zeit, daneben auch geschichtliche Artikel und Aufsätze zu publizieren. Als Leiter der Stadtbibliothek sass er ab 1968 inmitten der Quellen und intensivierte seine publizistische Tätigkeit. Es gibt heute kaum ein kulturgeschichtliches Schaffhauser Thema, zu dem sich Kurt Bächtold nicht geäussert hat, die Broschüren und Medienartikel gehen in die Hunderte. Wir verdanken Bächtold die fundiert geschriebenen Ortsgeschichten von Beggingen, Büttenhardt, seinem Heimatort Osterfingen und Wilchingen; 1989 ernannte ihn Wilchingen darum zum Ehrenbürger. Als letztes grosses Œuvre verfasste Kurt Bächtold für die neue Kantonsgeschichte das Kapitel Kultur im 19. Jahrhundert. Da er alles wusste, musste er selbst die Quellen oft gar nicht mehr angeben, er war die Quelle. Kurt Bächtold ist darum der Schaffhauser Universalhistoriker schlechthin, dem wir für sein umfassendes Wirken zu grossem Dank verpflichtet sind.