Schlechtere Schüler trinken tendenziell mehr

Schaffhauser Nachrichten, Region
Jan Hudec

«Die Diskussion in den Medien hat mich aufgeschreckt», erklärt Florian Theiler. Immer wieder sei von Komasaufen die Rede gewesen und von einer Generation von Rauschtrinkern. Das habe sein Interesse am Thema geweckt, «ich wollte etwas über den Alkoholkonsum von Jugendlichen in Erfahrung bringen». Er selbst sei passionierter Ausgänger und trinke auch gerne einmal etwas. Insofern wolle er auch nicht den Moralapostel spielen, vielmehr habe ihn interessiert, wie die Situation tatsächlich sei.
Um dies herauszufinden, hat er bereits in den Sommerferien 2007 einen Fragebogen entworfen, den er an alle Kantonsschüler verteilt hat. Von den rund 650 ausgeilten Fragebögen kamen 322 auswertbare zurück, die er dann «in sehr aufwendiger Arbeit» ausgewertet hat. Besonders interessiert hätten ihn die Fragen, wie das Trinkverhalten den Kantonsschülerinnen und -schüler generell aussehe, wann, wo und weshalb sie konsumierten und wie es sich mit dem exzessiven Konsum verhalte.
Ein zu erwartender Zusammenhang habe sich zwischen Alter und Trinkverhalten gezeigt. «Ältere Schüler trinken häufiger und mehr.» Dabei gebe es einen markanten Anstieg vom 16. zum 17. Lebensjahr, die Frage der Legalität des Trinkens scheine für den Konsum eine Rolle zu spielen. «Ausserdem gehen die Älteren auch mehr in den Ausgang, wodurch der Konsum ebenfalls ansteigt.» Denn für immerhin 50 Prozent der Befragten gehört Alkohol nach eigenen Aussagen zum Ausgang dazu. Eine interessante Korrelation konnte Theiler zwischen der schulischen Leistung und dem Alkoholkonsum aufzeigen: «Je schlechter die Schulnoten sind, desto mehr und häufiger trinken die Schüler.»
Generell habe sich in seiner Untersuchung gezeigt, dass der Grossteil der Kantonsschüler nicht in übertriebenem Masse zur Flasche greife. Einige Ergebnisse seien aber schon erschreckend gewesen. «Ich finde es krass, dass 29 Prozent der Befragten angegeben haben, sie würden bisweilen trinken, um den Alltag zu vergessen.» Auch in Bezug auf die Trinkhäufigkeit fördert Theilers Arbeit Bemerkenswertes zutage. So sagten 17 Prozent der Schüler, sie würden zwei- bis dreimal pro Woche Alkohol konsumieren. Unter den männlichen Jugendlichen sind es sogar 26 Prozent. Und immerhin 3 Prozent gaben an, sich zwei- bis dreimal pro Woche einen Rausch anzutrinken.
Insgesamt habe ihm das Verfassen einer eigenen Arbeit trotz des Aufwands viel Spass gemacht, «schade ist nur, dass sie nicht für die Maturnote zählt».

**Zur Person**

Florian Theiler
Alter: 18
Wohnort: Buchthalen
Nach der Matura:
Zwischenjahr mit Sprachaufenthalt, danach geisteswissenschaftliches Studium.
Titel der Maturaarbeit:
Jugend und Alkohol. Eine Analyse des Trinkverhaltens der Kantonsschülerinnen und -schüler.
Fachbereich: Deutsch