Porträts zu den Ständeratswahien (II) Florian Keller, Alternative Liste. «Auf Weichspüler machen liegt mir gar nicht»

Schaffhauser Nachrichten Wahl ’07
Robin Blanck

Kurz weiss er nicht, ob jetzt aufstehen soll bei der Begrüssung, lässt es dann aber sein. Florian Keller, 23, Student, Kantonsrat und Ständeratskandidat der Altenativen Liste, streicht die blonden Locken hinter die Ohren und wirkt fast etwas scheu. Dieser Eindruck verschwindet, wenn er über Politik redet: «Ich glaube, dass jemand wie ich dem Parlament gut anstehen würde.» Wieso das? «Ich bin sehr aktiv und habe einen guten Einblick in die nationale Politik», sagt er, der beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund fast sämtliche Vernehmlassungen im Bereich Finanz- und Wirtschaftspolitik schreibt. Ausserdem wirkt er im Vorstand des Gewerkschaftsbundes Schaffhausen und des Schweizerischen Verbandes des Personales öffentlicher Dienst (VPOD) mit, ist Mitglied im Bürgerrat der Stadt Schaffhausen und koordiniert die nationalen Themen des Linksbündnisses «A Gauche Toute». Und wenn er zwischen all diesen vielen Dingen und seinem Jurastudium an der Universität Bern noch Zeit findet, geht er mit einer Band auf Tour, verkauft CDs und T-Shirts. Oder er unternimmt mit dem Weidling einen Ausflug. Florian Keller, 23, Student, Allrounder. «Wie schon vor vier Jahren wollen wir auch etwas Spass in diesen Wahlkampf bringen», sagt er, doch das Wort «Spass» darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Keller seine politischen Anliegen durchaus ernst nimmt und sie zu vertreten weiss. Gewerkschaftsanliegen, aber auch die Bereiche Berufsbildung, Umsetzung der flankierenden Massnahmen und die Wirtschafts- und Finanzpolitik zählt er zu seinen Schwerpunktthemen.
«Und ich will mich dafür einsetzen, dass die aufklärerischen Werte wieder hochgehalten werden», sagt er. Im Ständerat findet er, dass es kaum «prägnant linke Stimmen» gibt: «Die Linken, die gewählt werden, sind die Pragmatischen, die Konzessionen in alle Richtungen eingehen», sagt er. Nicht so einer – findet Keller – sei Aschi Leuenberger, der Solothurner Ständerat, der bis 2005 Vizepräsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes war. Und da sind sie schon wieder: die Gewerkschaften. Bereits im Kindesalter wurde Keller zu den SP-Parteiversammlungen mitgenommen, auch der 1. Mai gehörte immer dazu.
Doch zurück zu den Kompromissen: «Auf Weichspüler machen liegt mir gar nicht.» Keller sucht die Auseinandersetzung, «denn das bringt am Schluss mehr», sagt der Jungpolitiker. Er nickt, dass die Locken wackeln, ja, er streite gern, «das ist nichts Schlechtes: Dabei muss man einfach gelassen bleiben», sagt er. Differenzen zur SP gibt es – neben gemeinsamen Positionen – auch, etwa in der Gesellschaftspolitik: Rauchverbote, präventive Überwachung der Bürger, aber auch Ermittlungsmethoden, welche die persönlichen Freiheitsrechte verletzten: «Das finde ich beunruhigend, und ich wehre mich gegen solche Eingriffe», Sagt Keller. Hingegen befürwortet er Interventionen des Staates, wo private Initiativen nicht funktionieren «oder Leute durch die Maschen fallen», sagt er.
Seine Wahlchancen sieht er realistisch – auch wenn es nicht reichen sollte, freut er sich über den Wahlkampf, der nicht zuletzt auch eine Präsentation für die anstehenden Gesamterneuerungswahlen ist. Und wenn Keller auch seinen Sitz im Kantonsparlament verlieren sollte, dann würde Plan B aktuell: «Ich würde nach Hanoi gehen eine Bar aufmachen», sagt er und lächelt das Lächeln eines 23-Jährigen, der noch einiges vorhat.

**Zur Person Florian Keller**
Alter: 23 Jahre
Zivilstand: ledig
Ausbildung: Student
Beruf: Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund
Politik: Kantonsrat, Co-Präsident der Alternativen Liste Schaffhausen, seit 2004 Bürgerrat


Bild: Selvyn Hofmann