Späthistorismus und nicht Jugendstil

Schaffhauser Nachrichten, Meinungen

Unter dem Titel «Umstrittener Lift in Kantonsschule: «Massiver Eingrifft» wurde publiziert: «Gegen diesen massiven Eingriff in das Jugendstilgebäude erhob sich daraufhin Widerstand …»
Es geht mir nachstehend nicht um den Lift, sondern um den angeblichen Jugendstil. Im ganzen Hauptgebäude, errichtet 1900-1902, ist nämlich kein einziges Jugendstilelement zu finden. Der Bau ist vielmehr ein Zeuge des Späthistorismus, «ein altdeutsches ‹Schloss› mit Treppengiebeln, florentinischen Aula-Fenstern und einem Erker mit Zwiebeldach» und ein «Schulschloss in ‹altdeutscher Renaissance›, mit steilen Treppengiebeln, in dominanter Lage oberhalb der Altstadt … mit langem Süd- und kurzem Westflügel. Im ersteren unter anderem die nach Süden orientierten Unterrichtsräume, im letzteren Haupteingang … und Treppenhaus sowie repräsentative Aula mit Rundbogenfenstern.» Soweit INSA, Inventar der neueren Schweizer Architektur, Bd. 8, S. 314/388.
1962 hatte ich jedoch selbst in einer Produktion im Rahmen der Scaphusia! gereimt: «Schon winkt von hohem Bergesrücken / Der Jugendstilbau seinen Blicken …», dies aktenkundig im Gärtli des Scaphusia!-Archivs.
Heute weiss ich es besser.

Michael E Dreher
Küsnacht