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Papst und Sultan

Text

  1. Der Papst lebt herrlich in der Welt, er lebt von seinem Ablassgeld, [: er trinkt vom allerbesten Wein; drum möcht ich auch der Papst wohl sein. :]
  2. Doch nein, er ist ein armer Wicht, ein holdes Mädchen küsst ihn nicht, er schläft in seinem Bett allein; ich möchte doch der Papst nicht sein.
  3. Der Sultan lebt in Saus und Braus, er wohnt in einem grossen Haus voll wunderschöner Mägdelein; drum möcht ich wohl der Sultan sein.
  4. Doch nein, er ist ein armer Mann, denn folgt er seinem Alkoran, so trinkt er keinen Tropfen Wein; ich möchte doch nicht Sultan sein.
  5. Geteilt veracht ich beider Glück und kehr in meinen Stand zurück, doch das geh ich mit Freunden ein: bald Papst, bald Sultan möcht ich sein.
  6. Drum, Mädchen, gib mir einen Kuss, denn jetzt bin ich der Sultanus. Ihr trauten Brüder, schenket ein, damit ich auch der Papst kann sein.

Nach C. G. L. Noack, 1789