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Anliegen der Jungen ernst nehmen

Dienstag, 16. Januar 2018

Der ehemalige Kantonsschullehrer Rainer Schmidig von der EVP ist 2018 der höchste Stadt-Schaffhauser

Schaffhauser Bock
Marcel Tresch

An seiner vergangenen Sitzung wählte der Grosse Stadtrat Rainer Schmidig zum neuen Präsidenten. Ein Interview über sein politisches Engagement.

«Bock»: Herr Schmidig, was bedeutet es für Sie, höchster Stadt-Schaffhauser zu sein und den Grossen Stadtrat zu präsidieren?
Rainer Schmidig: Die Übernahme dieses Amtes ist für mich eine grosse Ehre, auch wenn ich nicht der Mensch bin, der solche Ämter anstrebt. Dennoch übe ich diese Tätigkeit mit viel Freude aus.

Hegen Sie weitere politische Ambitionen?
Keineswegs. In wenigen Tagen werde ich 69 Jahre alt. Ich bin nicht am Aufbauen, sondern eher am Abbauen.

Das heisst, dass Sie in Kürze von Ihren politischen Ämtern zurücktreten werden?
Nein. Als gewählter EVP-Politiker werde ich meine Pflichten in beiden Räten erfüllen. Aber ich bin auf den nächsten Wahllisten nicht mehr vertreten.

Warum ist es für Sie von Vorteil, sowohl im Kantonsrat wie auch im Grossen Stadtrat Schaffhausen vertreten zu sein?
Die Räte haben unterschiedliche Aufgaben. Das Kantonsparlament ist die gesetzgebende Behörde und der Gros- se Stadtrat kümmert sich um städtische Angelegenheiten. Der Vorteil als Mitglied des Grossen Stadtrates liegt darin, dass bei einem Wissensvorsprung im Kantonsrat bei bestimmten Geschäften vorgängig Einfluss genommen werden kann.

Wie hoch ist Ihr Aufwand für die Politik?
Der Zeitaufwand mit den entsprechenden Vorbereitungen ist recht gross. Der langjährigen Tradition entsprechend finden die Sitzungen des Kantonsrates ja tagsüber und diejenigen des Gros- sen Stadtrates am Abend statt. Für meine politische Tätigkeit beläuft sich der Zeitaufwand auf rund zwei Tage pro Woche.

Die Kontakte zwischen Stadt und Kanton, so wird von aussen behauptet, sind verbesserungswürdig. Wie sieht das Ganze aus Ihrer Sicht aus?
Die Kommunikation unterein­ander war sicher schon schlechter, hat sich inzwischen aber verbessert. Das ist mit ein Grund dafür, dass ich als EVP-Mitglied für viele überraschend die SVP-Politikerin und Stadt-Schaffhauserin Cornelia Stamm Hurter in die Regierung gewählt habe.

Was muss aus Ihrer Sicht in den nächsten Monaten unbedingt angepackt werden?
Im Bereich des öffentlichen Verkehrs gibt es zahlreiche Baustellen, die zu bereinigen sind. Im Weiteren darf die Bautätigkeit, zum Beispiel beim Kammgarnareal oder Stadthausgeviert, nicht aus- ser Acht gelassen werden. Ein zusätzliches Anliegen von mir ist, dass wir als Stadt für private und unternehmerische Ansiedlungen weiterhin interessant bleiben. Uns fehlen nämlich die Familien und damit der Nachwuchs. Um sie nach Schaffhausen zu bringen, müssen wir genügend Arbeitsplätze anbieten können.

Wie leiten Sie als Präsident den Rat?
Ich betrachte es als meine Aufgabe, das Parlament so zu leiten, dass, unter Einhaltung der Effizienz, genügend Raum für Diskussionen entsteht. Für mich ist bei den zu erledigenden Geschäften die Schnelligkeit zweitrangig. Beim zu schnellen Reagieren und Entscheiden passiert es oft, dass allfällige Probleme übersehen und nicht angesprochen werden. Da der Präsident eine beschränkte Einflussmöglichkeit hat, ist eine gute Vorbereitung der Sitzungen dringend notwendig.

Als ehemaliger Kantonsschullehrer sind Sie den Umgang mit der nachfolgenden Generation gewohnt. Wie kann man die Jungen für die Politik interessieren und gewinnen?
Als alter und abgeklärter Politiker kann man nicht sehr viel ausrichten. Sehr wichtig ist aber, dass man die Jugendlichen in ihren Anliegen ernst nimmt und dass sie dort eingesetzt werden, wo es für sie auch interessant ist. Sie sind für die Politik nicht speziell zu motivieren. Ich stelle immer wieder fest, dass sie am politischen Geschehen grundsätzlich interessiert sind.

Sie sind seit Jahren überzeugter EVP-Politiker. Wie wichtig ist dabei der Glaube?
Ohne alles auf irgendeine Religion abstützen zu wollen, sind mir die christlichen Grundwerte sehr wichtig. Ich bin der Überzeugung, dass die positiven Betrachtungswerte durchaus einen Einfluss auf die Politik haben dürfen.

Worüber reden Sie zu Hause, wenn nicht über die tägliche Politik?
Die familiäre Situation als Vater von sechs Kindern und Grossvater von 14 Enkelkindern bringt es mit sich, dass die Familie mein absoluter Mittelpunkt ist. Das ist fantastisch schön und erfüllend.

Was wünschen Sie der Stadt Schaffhausen für die kommenden zwölf Monate?
Dass wir durch unsere politische Arbeit immer gute und zukunftsweisende Lösungen finden. Die Stadt Schaffhausen ist äusserst lebens- und liebenswert. Dazu gehört aber auch, dass wir stets wertschätzen, was wir haben.



Rainer Schmidig persönlich

Geboren
20. Januar 1949

Wohnort
Schaffhausen

Beruf
alt Kantonsschullehrer

Familie
verheiratet, 6 Kinder, 14 Enkel

Hobbys
Schreinern und Gärtnern, Lesen von Krimis (Edgar Wallace, Agatha Christie und Georges Simenon)

Politik
Mitglied Grosser Stadtrat und Kantonsrat seit 2001
Mitglied der EVP seit rund 20 Jahren




Rainer Schmidig sind die christlichen Grundwerte, sowohl in der Familie wie auch in der Politik, sehr wichtig.
Bild: Marcel Tresch

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