#Allgemeines

26. März 2019 | Jubiläum 150 Jahre Rhetorika St. Gallen

Vom 24. bis am 26 Mai 2019 feiert unsere Kartellverbindung Rhetorika ihr 150. Jubiläum in St. Gallen.
Unter folgendem Link findet man die Programmpunkte:
http://www.rhetorika.ch/jubilaeum
Die Scaphusia wird voraussichtlich mit einer Dreierdelegation der Aktivitas und einer Delegation des AH-Vorstands am Jubiläumskommers teilnehmen.

#Allgemeines

12. März 2019 | Neue Inhalte zu Wanderung Andelfingen – Humlikon

Zum Anlass Wanderung Andelfingen – Humlikon wurden das Protokoll aktualisiert.

#Notizen zu Namen

6. März 2019 | Matthias Sallenbach wird Partner bei Götz & Rufer

Schaffhauser Nachrichten (Publireportage), 06. März 2019

Die Götz & Rufer Treuhand AG hat die Ernennung von Matthias Sallenbach zum Partner und Mitinhaber bekannt gegeben. Mit diesem Schritt stellt das Treuhand- und Revisionsunternehmen aus Stein am Rhein die Weichen für die Zukunft.

Matthias Sallenbach ist 2017 als diplomierter Wirtschaftsprüfer und Ökonom in das Unternehmen eingetreten. Er bringt aus früheren Tätigkeiten bei der Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sowie als CFO fundierte und breit abgestützte Fachpraxis mit. Die Inhaber Oliver Götz und Beni Rufer kommentieren die Ernennung wie folgt: «Wir freuen uns, Matthias Sallenbach in die Partnerschaft aufzunehmen. Durch seine umfangreiche Erfahrung aus früheren Positionen, sein Interesse an digitalen Prozessen und sein unternehmerisches Flair bereichert und ergänzt er unsere bestehenden Kompetenzen optimal.»

1. Was hat dich bewogen, bei G & R als Partner einzusteigen?

MS: Bei Götz & Rufer kann ich mein fachliches Wissen und meine offene und unkomplizierte Persönlichkeit zum Vorteil unserer Kunden einsetzen. Der hervorragende Teamspirit, der kollegiale Austausch unter den Partnern, die Abwechslung bei der Arbeit und nicht zuletzt die modernen und sehr ansprechenden Büroräumlichkeiten haben mich überzeugt.

2. Wo ist generell der Reiz, als Treuhänder bzw. Wirtschaftsprüfer tätig zu sein?

MS: Eine Grundfaszination für Zahlen und wirtschaftliche Zusammenhänge muss vorhanden sein. Schon während meiner Schul- und Studienzeit habe ich mich in Vereinen gern um die Finanzen gekümmert. Was mich heute vor allem fasziniert, ist der Austausch mit Unternehmern aus den verschiedensten Branchen. Als Treuhänder und Prüfer hat man das Privileg, an vielen spannenden Lebens- und Firmengeschichten teilzuhaben.

3. Wo siehst du die zukünftigen Herausforderungen von G & R?

MS: Fachkräftemangel und Digitalisierung sind Themen, die branchenübergreifend in aller Munde sind und auch uns betreffen. Ein perfektes Arbeitsumfeld und die stetige Aus und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden helfen uns, Ersterem entgegenzuwirken. Im Bereich der digitalen Transformation investieren wir aktuell viel Geld und Zeit. Wir nehmen das Thema sehr ernst, weil wir überzeugt sind, dass sich diesbezüglich in Zukunft die Kundenbedürfnisse stark verändern werden.

4. Wie würdest du dich als Menschen beschreiben?

MS: In der Mittelschulverbindung haben mir meine Verbindungskollegen den Cerevis Plus vergeben, was mich meines Erachtens zutreffend beschreibt: positiv, empathisch, motiviert, wissbegierig und mit Flair für wirtschaftliche Themen.

5. Was sind deine bzw. eure Ziele für die Zukunft?

MS: Wir werden in Zukunft viel digitaler denken und arbeiten. Wir müssen aber nicht nur per se digital werden, sondern die Prozesse dahinter optimal auf die Bedürfnisse unserer Kunden und unserer Mitarbeitenden abstimmen. Das oberste Credo ist und bleibt, für unsere Kunden hochstehende Dienstleistungen zu erbringen. Dies wollen wir auch in Zukunft sicherstellen, indem wir uns mit dem Durchschnitt nicht zufriedengeben.

Zur Person:

  • lic. oec. publ., eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer
  • bei Götz & Rufer seit 2017, Partner seit 2019
  • verheiratet, ein Kind
  • wohnhaft in Stein am Rhein, aufgewachsen in Feuerthalen
  • interessierter Sportler, insbesondere Fussball, Handball, Joggen und Langlauf
  • gerne im Garten und auf dem Rhein
#Allgemeines

28. Februar 2019 | Neue Inhalte zu Wanderungen

#Alt-Scaphusia

21. Januar 2019 | Todesanzeige Alet

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres Ehrenmitglieds und lieben Farbenbruders

Werner Arnold Knecht olim Alet
Dr. iur.
Fürsprecher
1938-2019
Generation 1955

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier wird am 24. Januar 2019, um 14.00 Uhr in der reformierten Kirche Spiez stattfinden.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 13. Februar 2019, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Allgemeines

11. Januar 2019 | Wandergruppe: Protokoll zur Wanderung Hemmental – Beggingen

Zum Anlass Wanderung Hemmental – Beggingen wurde das Protokoll aktualisiert.

#Notizen zu Namen

11. Dezember 2018 | Neuer CFO bei Neuhauser IVF Hartmann

und Schaffhauser Nachrichten
jvo

Jürgen Sigg, der zusammen mit CEO/CFO Claus Martini die Geschäfte der Neuhauser IVF Hartmann führt, verlässt das Unternehmen per Ende Jahr (SN vom 28. 11.). Claus Martini übernimmt zusätzlich die operative Führung für den Bereich Sales & Marketing, IT und ­Digitalization und gibt seine Rolle als CFO ab.

**Hannes Leu neuer CFO**
Neuer CFO und Mitglied der Geschäftsleitung wird Hannes Leu. Leu ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften und besitzt einen Abschluss als diplomierter Wirtschaftsprüfer. Er war CFO der Zürcher Steiner Investment Foundation. Hannes Leu werde sein Amt per 1. März 2019 antreten, teilte der Medizinal­bedarfshersteller gestern mit.
Jürgen Sigg arbeitet seit 15 Jahren für die IVF Hartmann. Er wird im Januar eine Stelle beim Hersteller von medizinischen Kompressionsstrümpfen, Sigvaris, antreten. Seine Aufgabe wird es sein, in St. Gallen die Geschäfte des Traditionshauses zu führen.

#Alt-Scaphusia

10. Dezember 2018 | Todesanzeige

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres Ehrenmitglieds und lieben Farbenbruders

Manfred Trächsel olim Ulan
Dr. phil. II
1929-2018
Lehrer für Geographie und Geologie
an der Kantonsschule Schaffhausen von 1970-1995

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier hat im Familienkreis stattgefunden.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 16. Januar 2018, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Allgemeines

14. Oktober 2018 | Höhere Biersteuer für mehr Prävention

Schaffhauser Nachrichten
Kari Kälin

Der Alkohol- und Bierkonsum sinkt seit Jahren langsam, aber stetig. 14 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind sogar totale Abstinenzler, Tendenz zunehmend. Die Stiftung Sucht Schweiz ist dennoch alarmiert. Billiger Alkohol, schreibt sie in einem gestern publizierten Bericht, sei an jeder Ecke zu haben und omnipräsent im Internet. Zudem trinke jeder Fünfte risikoreich. Das heisst: Man schlägt punktuell völlig über die Stränge oder schluckt chronisch zu viel Alkohol. Unzufrieden ist die Stiftung mit der Politik. Anstatt Werbeeinschränkungen zu beschliessen, würden die Zeichen auf Deregulierung stehen. Das Eidgenössische Parlament hat zum Beispiel entschieden, den Alkoholverkauf auf Autobahnraststätten wieder zu erlauben.
Sucht Schweiz plädiert hingegen für eine höhere Biersteuer. Dass ein halber Liter in Supermärkten zum Teil nur 50 Rappen kostet, stösst der Stiftung bitter auf. «Ein Vollrausch ist so billig wie ein Butterbrot», sagt Sprecherin Monique Portner-Helfer. «Dass tiefe Preise den Konsum befeuern, ist eine Tatsache», ergänzt sie. Sucht Schweiz möchte den zusätzlichen Steuerertrag für die Prävention einsetzen. Wie stark die Steuer steigen soll, lässt die Stiftung offen. «Für jene, die einen problematischen Konsum aufweisen, sollte der Aufschlag spürbar sein», so Portner-Helfer.

**Pro Stange 8 Rappen für den Bund**
Die Biersteuer spült pro Jahr rund 113 Millionen Franken in die Bundeskasse. Seit 2007 gelten neue Bestimmungen: Je mehr eine Brauerei produziert, desto stärker langt der Fiskus zu. Im Durchschnitt beträgt die Steuer knapp 25 Rappen pro Liter. Wer am Stammtisch eine Stange konsumiert, beglückt den Bund mit rund 8 Rappen.
Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauereiverbandes, wehrt sich gegen die Pläne von Sucht Schweiz. «Es herrscht kein alkoholpolitischer Notstand», sagt er. Es werde so wenig getrunken wie noch nie. Zur Frage, ob die Steuer ganz gestrichen werden soll, hat der Verband noch keine konsolidierte Haltung. Einerseits, so Kreber, entrichte niemand gerne Steuern. Mit der ­Abschaffung würden Konsumenten und Brauereien entlastet. Andererseits hätten sich diese mit der Steuer arrangiert. Dass kleine Brauereien weniger stark belastet werden als grosse, hat laut Kreber auch positive Effekte. «Diese Regeln fördern die Biervielfalt. Das bedeutet mehr Konkurrenz und mehr Innovation.»
Die helvetische Bierlandschaft blüht tatsächlich. Die Zahl der steuerpflichtigen Brauereien (ab 400 Liter) betrug Ende letzten Jahres 869. Das sind viermal mehr als vor 10 Jahren. Allerdings sind viele Kleinstbrauereien aktiv. Die 50 professionellen Brauereien produzieren 99,2 Prozent der inländischen Biere.
Mit der Abschaffung der Biersteuer wird sich derweil das Parlament befassen müssen. Nationalrat Claudio Zanetti (SVP, ZH) hält sie für völlig willkürlich, eine vergleichbare Steuer auf Wein existiere nicht. Für die Forderung von Sucht Schweiz zeigt Zanetti kein Verständnis: «Es geht nur darum, eine Geldquelle noch stärker anzuzapfen.» Offenbar vergönne die Stiftung den Arbeitern das preisgünstige Feierabendbier.

**Suchttendenzen in der Schweizer Bevölkerung**
Der Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln ist in der Schweiz in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Dies teilte gestern die Stiftung Sucht Schweiz mit. 25,3 Prozent der Bevölkerung sind Raucher. Sucht Schweiz kritisiert das Fehlen einer «stringenten Tabakpolitik, welche das Zigarettenrauchen mit einem Werbeverbot und einer wirksamen Steuer reduzieren würde». Die am stärksten verbreitete illegale Droge bleibt Cannabis. 7,3 Prozent der Bevölkerung haben sich im Jahr 2016 mindestens einmal einen Joint angezündet. 0,7 Prozent haben mindestens einmal Kokain konsumiert. Heroin nehmen vor allem Langzeitsüchtige.

**Hirndoping macht bei jungen Menschen vermehrt Schule**
Immer mehr junge Menschen greifen ins Medizinkästchen, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern, das Gefühlsleben zu optimieren oder die Erholungszeit des Gehirns zu vermindern. Gemäss Sucht Schweiz haben 3,1 Prozent der 2016 vom Suchtmonitoring befragten 15- bis 24-Jährigen angegeben, in den letzten zwölf Monaten sogenannte Psychostimulanzien eingenommen zu haben. In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen lässt sich zwischen 2011 und 2016 gar ein Anstieg von 1,4 auf 3,3 Prozent ­beobachten.
Die meisten nehmen Energydrinks, Koffeintabletten, Tabak, Alkohol oder Vitamine zu sich, um länger wach zu bleiben und sich besser konzentrieren zu können. Doch nicht bei allen bleibt es dabei. In einer Studie bei 1400 im Schnitt 17jährigen Schülerinnen und Schülern im Kanton Zürich haben 2014 gut 9 Prozent der Befragten ­angegeben, zur kognitiven Leistungssteigerung auch schon zu Medikamenten gegriffen zu haben. Der Schlager unter den verschreibungspflichtigen Muntermachern: Methylphenidat, besser bekannt als Ritalinx.

**Wirkung nicht nachgewiesen**
In der Regel wird das Medikament Kindern und Jugendlichen zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) verschrieben. Es soll sie ruhiger machen. Bei gesunden Menschen bewirkt Ritalinx aber angeblich das ­genaue Gegenteil: höhere Ausdauer und gesteigerte geistige Fähigkeiten. Kein Wunder, wird Ritalinx seit Jahren als Hirndoping missbraucht – obwohl eine tatsächliche Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Am meisten verbreitet ist die Einnahme bei Studierenden. Der Trend stammt aus den USA, wo Ritalinx als Hirndoping für junge Menschen längst salonfähig ist.
Wie oft Kinder und Jugendliche ­Ritalinx oder andere «Cognitive Enhancer» à la Modafinil mit oder ohne ­vorliegende Diagnose tatsächlich einnehmen, lässt sich schwer abschätzen. Es gibt allerdings Anhaltspunkte: 1999 betrug die von Arztpraxen und Apotheken abgegebene Menge an Methylphenidat laut der Arzneimittelbehörde Swissmedic 38 Kilogramm; 2016 waren es mit 344 Kilogramm bereits neunmal mehr. Gleichzeitig stagnierte die Diagnosehäufigkeit von Kindern und Jugend­lichen mit ADHS bei 3 bis 5 Prozent.
Experten gehen deshalb davon aus, dass heute ein Grossteil des Ritalins nicht als Medikament, sondern als Hirndopingmittel verwendet wird – und das, obwohl die Verabreichung von Medikamenten zur Leistungssteigerung an Minderjährige nach geltendem Recht verboten ist. Sie warnen vor den Risiken des medikamentösen Hirndopings. «Zu den Gefahren zählen Abhängigkeit und bei übermässigem Gebrauch ähnliche Probleme wie bei Amphetaminen: Herzrasen, Aggression, Unruhe», sagt Markus Meury von Sucht Schweiz.
Neben Psychostimulanzien werden immer häufiger auch Antidepres­siva sowie Betablocker zur Stimmungsaufhellung und Stressreduktion eingenommen. Rund 2,5 Prozent der Studierenden greifen zu Cannabis, um sich zu beruhigen. Auch Speed, ­Kokain oder Ecstasy sind ein Thema, allerdings nur vereinzelt. «Das sind alles Symptome für den ­gestiegenen Druck auf junge Menschen – und es fängt bereits in der ­Primarschule an», moniert Meury. «Es ist ein Problem, das wir un­­bedingt im Auge behalten sollten.» (Gregory Remez)

#Alt-Scaphusia

1. Oktober 2018 | Todesanzeige

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Otto Burkhart olim Schnipp
Dr. iur.
Generalsekretär
Generation 1945
1928-2018

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier hat im Familienkreis stattgefunden.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 31. Oktober 2018, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Notizen zu Namen

19. April 2018 | GLP zufrieden mit Wahlerfolg

Der Landbote
dt

Zwei ihrer Mitglieder seien am vergangenen Wahlwochenende mit Glanzresultaten gewählt worden, freut sich die GLP Seuzach-Hettlingen-Dägerlen in einer Mitteilung. Gemeint sind einerseits Severin Knecht (27), der den Sprung in den Gemeinderat Dägerlen problemlos geschafft hat und sich gegenüber Mitbewerberin Katharina Cryer klar durchsetzen konnte. Die zweite gewählte GLP-Kandidatin heisst Gabriela Volkart (33). Sie wurde neu ebenfalls deutlich in die Rechnungsprüfungskommission von Seuzach gewählt. Knecht arbeitet als Architekt im gleichnamigen Holzbau- und Schreinereibetrieb. Nebenbei absolviere er an der ETH einen Studiengang der sich mit Architektur, Nachhaltigkeit und Interdisziplinarität befasse, heisst es in der Mitteilung. Die neue Seuzacher Rechnungsprüferin unterrichtet an der Wirtschaftsschule KV Winterthur sowohl Finanzund Rechnungswesen wie auch Wirtschaft und Recht.

Die Kampfwahl im Gemeinderat ist entschieden: Mit klarem Vorsprung gewählt wurde Architekt Severin Knecht (224) vor Sekundarlehrerin Katharina Cryer (116).

Gemeinderat Dägerlen:
Roost Urs 248 Stimmen (gewählt)
Kyburz Markus 240 Stimmen (gewählt)
Held Willy 228 Stimmen (gewählt)
Knecht Severin 224 Stimmen (gewählt)
Epp Michael 212 Stimmen (gewählt)
Cryer Katharina 116 Stimmen (nicht gewählt)

Präsidium Gemeinderat:
Kyburz Markus 212 Stimmen (gewählt)



Severin Knecht und Gabriela Volkart

#Notizen zu Namen

28. März 2018 | Was geschah damals im Dschungel?

Tages-Anzeiger
Philippe Zweifel

Aus seiner Wohnung schaut Rainer Stamm über die beschauliche Landschaft von Stein am Rhein. «Niemand weiss, was damals im Dschungel passiert ist», sagt der pensionierte Spediteur über seinen Bruder Markus. Vor 37 Jahren verschwand der Schaffhauser Lehrer im bolivianischen Urwald. Vielleicht verhungerte er, vielleicht wurde er von einer Schlange erwürgt oder einem Jaguar gefressen. Im Amazonasgebiet gibt es tausend Arten zu sterben.
Kürzlich hat Hollywood die Geschichte von Stamm und seinen Gefährten spektakulär verfilmt. «Jungle» lief in der Schweiz trotz guten internationalen Kritiken nicht im Kino, inzwischen ist der Film auf DVD erhältlich. Darin ist «Harry Potter»-Darsteller Daniel Radcliffe zu sehen, er spielt den israelischen Backpacker Yossi Ghinsberg. Der Film, der Markus Stamm gewidmet ist, beruht auf Ghinsbergs Bestseller «Dem Dschungel entkommen».
«Jungle» schildert in drastischen Szenen, wie die Natur dem Menschen die Grenzen aufzeigt. Allemal krasser ist die Wirklichkeit, die Geschichte von Stamms Verschwinden ist eine von Schuld und Schicksal. «Wenn ich Karl an jenem Morgen in La Paz nicht begegnet wäre», erinnert sich Ghinsberg im Buch, «würde der arme alte Markus immer noch leben.»
Karl, das ist der Österreicher Karl Ruprechter: Ein zwielichtiger Abenteurer, der Ghinsberg im November 1981 von einer Gegend im Dschungel erzählte, wo Gold und Edelsteine zu finden seien. Der Israeli überredete Stamm, den er zuvor auf einer Fähre kennen gelernt hatte, zur Mitreise. Auch Stamms langjähriger Freund, der «Time»-Fotograf Kevin Gale, schloss sich der Gruppe an.

**Ihn trieb der Liebeskummer**
Stamm hatte anfänglich Zweifel, der 28-Jährige wurde auf der Schweizer Botschaft in La Paz vor dem Trip gewarnt. Die Regenzeit stand kurz bevor. Doch wer jung ist und mit dem Rucksack aufbricht, tut dies meistens nicht nur aus Abenteuerlust. Manche suchen die Einsamkeit, andere das Paradies. Kevin Gale wollte ein unentdecktes Indianervolk fotografieren, Yossi Ghinsberg war vom Goldfieber gepackt. Und Markus Stamm versuchte, seine langjährige Freundin zu vergessen. Diese hatte ihn in Südamerika besucht und mitgeteilt, dass sie einen anderen Mann liebe.
Einige Tage später sassen die drei jungen Männer in einem Buschflugzeug, das den Bergflanken der Anden entlang den üppig grünen Boden des oberen Amazonasbeckens ansteuerte, wo ihr Fussmarsch begann. Der Urwald erschien als farbig-faszinierendes Paradies. Doch mit jedem Tag wurde er dichter und undurchdringlicher, als wolle die Natur die Eindringlinge fernhalten. «Der Dschungel führt einen in die Finsternis des eigenen Herzens», raunt Ruprechter in Ghinsbergs Buch.
Zumindest für Ghinsberg trat diese Warnung ein. Mit 21 war er der Jüngste der Gruppe und von einem übermütigen Ehrgeiz getrieben, der dem sanftmütigen Wesen des Schweizers zuwiderlief. Als der Proviant knapp wurde, erschoss Ruprechter einen Affen, und die Gruppe ass ihn mitsamt Gehirn. Stamm verzichtete auf das Fleisch und empörte sich. «Kevin und ich konnten nicht anders, als ihn im Stillen auszu­lachen», schreibt Ghinsberg. Die unausgesprochene Feindseligkeit wuchs – erst recht, als ein Pilz Markus Stamms Füsse befiel und er kaum mehr gehen konnte. Gleichzeitig begannen die Männer an ihrem Führer zu zweifeln, denn nach fünf Tagen hätten sie den sagenumwobenen Indianerstamm längst erreicht haben sollen. Ihr Proviant war ausgegangen, die Schuhe fielen auseinander. Ghinsberg wollte weitermachen, wurde aber von den anderen zur Rückkehr gezwungen. In einem Eingeborenendorf bauten sie ein Floss, um den Tuichi-Fluss zu einem Dschungel-Flugfeld runterzufahren.

**Totenkopf mit Schweizer Béret**
Der Fluss war noch gefährlicher als der Urwald. Das Wasser stieg bedrohlich, mehrere Male drohte das Floss zu kentern. Ruprechter, der nicht schwimmen konnte, weigerte sich weiterzufahren. Stamm, von seinen Freunden entzweit, schloss sich ihm an. Zu Fuss machten sie sich entlang des Fluss-Canyons durch den Dschungel zurück.
Kaum allein, gerieten Ghinsberg und Gale in Wildwasser. Das Floss kenterte, die beiden wurden getrennt. Ghinsberg irrte während 21 Tagen durch den Dschungel. Blutegel saugten sich an ihm fest, Würmer nisteten sich in einer Stirnbeule ein, Pilze befielen seinen ganzen Körper. Einmal wachte er im nächtlichen Dschungel im Angesicht eines Jaguars auf, am anderen Tag rutschte er einen Abhang hinunter und schlitzte sich den Anus auf. Als er, völlig abgemagert, seinen verzweifelten Überlebenskampf schon aufgegeben hatte, war das Dröhnen in seinem Kopf keine Halluzination mehr, sondern der Lärm eines Motorboots. Kevin Gale, der nach einer Woche von eingeborenen Jägern gefunden worden war, hatte trotz minimalen Erfolgschancen eine Suchaktion gestartet.
Zurück in der Zivilisation, wollten sich Ghinsberg und Gale mit ihren Gefährten treffen. Doch von Stamm und Ruprechter fehlte jede Spur. Suchtrupps kamen ohne Hinweise zurück. «Das war der Zeitpunkt, als wir vom Aussendepartement kontaktiert wurden», sagt Rainer Stamm in Schaffhausen. «Markus sei im Amazonasgebiet verschollen, wir sollten uns keine Hoffnungen machen.»
Dass Karl Ruprechter nicht mehr auftauchte, war besonders rätselhaft. Er kannte den bolivianischen Dschungel. Hatte Ruprechter etwas mit Markus Stamms Verschwinden zu tun? Inzwischen war bekannt geworden, dass er als verurteilter politischer Aktivist aus Österreich geflüchtet war. Hatte er im Dschungel seinen Tod vorgetäuscht, um in Peru, wo ein Priester ihn gesichtet haben will, eine neue Identität anzunehmen? Doch eine Suche, die Ghinsberg für die Familie Stamm unternahm, verlief erfolglos. Dann versetzte sie ein in Bolivien aufgefundener Totenkopf mit einem Schweizer Béret in Aufregung. Die Kieferanalyse war allerdings negativ.

**Den Film zufällig entdeckt**
Er habe den Tod seines Bruders inzwischen akzeptiert, sagt Rainer Stamm. Briefe und Besuche von Ghinsberg und Gale hätten ihn die Tragödie verstehen lassen. Nicht allen gelingt dies. Markus Stamms Mutter, heute 95, ist auch nach fast vier Jahrzehnten überzeugt, dass ihr Sohn irgendwann zurückkommt.
«Kürzlich habe ich seit langem wieder von Markus geträumt», sagt dessen Schwester Cornelia Stamm Hurter. «Mit dem Film kam alles wieder hoch.» Die Schaffhauser SVP-Regierungsrätin stört sich daran, dass die Filmemacher die Familie vorab nicht informiert hatten. Sie entdeckte den Trailer in einem Flugzeug zufällig im Unterhaltungsprogramm.
Enttäuscht sind die Stamms auch von Yossi Ghinsberg, zu dem der Kontakt abgebrochen sei, nachdem sein Buch ein Erfolg geworden war. Schlägt er aus dem Tod von Markus Profit? «Nein», sagt Cornelia Stamm Hurter, «aber er ist sicher ein guter Verkäufer seiner selbst.» Rainer Stamm fügt an: «Es ist etwas irritierend, dass Markus im Buch und vor allem im Film als Angsthase und Schwächling dargestellt wird. Yossi müsste es besser wissen.»
Kevin Gale hat auch keinen Kontakt mehr zu Ghinsberg, der heute Unternehmer und ein gefragter Redner ist. Er ist nicht einverstanden, wie er vom Israeli dargestellt wird. In einem langen Brief an Ghinsberg wirft er ihm vor, die Fakten zu verdrehen: Er, Kevin, habe Markus im Dschungel nicht gemobbt, sondern ihn vor der gefährlichen Flossfahrt bewahren wollen. Ghinsberg solle endlich Verantwortung für sein Tun übernehmen. Wie im Abspann des Films steht, schreibt Gale an einem eigenen Buch, das bald erscheinen soll.
Wollen die zwei Männer Abbitte leisten? Weil Markus Stamm fertiggemacht wurde? Weil er zum Dschungeltrip überredet wurde? Weil sie sich im Moment der Gefahr abgespaltet hatten? Weil sie überlebten?
«Yossi und Kevin trifft keine Schuld», sagt Rainer Stamm. «Markus war alt genug, um seine eigenen Entscheidungen zu treffen.» Er blättert in einem dicken Ordner mit Korrespondenz, Amazonas-Karten und alten Fotos seines Bruders. Letztlich habe ihn eine Reihe von Fehleinschätzungen das Leben gekostet. Wie Markus gestorben ist, wird er allerdings nie erfahren. «Wahrscheinlich», sagt Rainer Stamm, «ist er ertrunken.»


Markus Stamm (Aequo)


Der Lehrer und Backpacker Markus Stamm (Aequo) während seiner Südamerika-Reise.
Foto: Privatarchiv


Survival-Thriller «Jungle» mit Daniel Radcliffe (2. v.l.) in der Rolle des israelischen Backpackers Yossi Ghinsberg.
Foto: PD

#Notizen zu Namen

27. Januar 2018 | Er brach zu einer Reise auf und kam nie wieder

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

Die unzähligen Farne, Moose und Schlingpflanzen sind in leichten Dunst gehüllt. Auf einem der hohen Bäume hüpft ein Tukan von Ast zu Ast. Unter ihm schlagen sich vier Gestalten durch das Dickicht, es fällt wenig Licht auf ihre Gesichter. Das grüne Dach über ihnen lässt nur an wenigen Stellen die Sonne durch. Trotzdem erkennt man, dass ihre Stirn und das Haar mit Schweiss benetzt sind, Dreck klebt an ihren Wangen und dem Kinn. Immer wieder rutscht einer aus. Der Boden ist matschig und aufgeweicht. Es ist Anfang November 1981, im bolivianischen Teil des Amazonas hat die Regenzeit eingesetzt. Diese Szene ist aus dem Film «Jungle», der letztes Jahr in die deutschen Kinos kam und den es nun auch zum Ausleihen in der Schweiz gibt. So ähnlich muss es aber auch gewesen sein, als sich damals die Reisegefährten Yossi Ghinsberg aus Israel, Kevin Gale aus den USA und Markus «Märi» Stamm aus der Schweiz, aus Schaffhausen, durch den Dschungel gequält haben. Geführt wurden sie auf ihrer Expedition von dem Österreicher und vermeintlichen Geologen Karl ­Ruprechter. Mit viel Enthusiasmus waren sie aufgebrochen, doch es endete in der Katastrophe. Der Österreicher und Stamm gelten bis heute als verschollen.

**Ein einnehmendes Wesen**
Der Film basiert auf dem Buch «Amazonas – Vier Männer in der Falle» von Yossi Ghinsberg, das dieser einige Jahre nach seinem Entkommen aus dem Urwald geschrieben hat. Die Hauptrolle, eben die des Yossi Ghinsberg, hat Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe übernommen. Stamm wird von dem Australier Joel Jackson gespielt, rein äusserlich haben sie nicht viel gemeinsam. Es gibt alte Fotos von der Südamerikareise, die Stamm angetreten hat, um seinen Horizont zu erweitern. Eines transportiert wunderbar die Atmosphäre von Aufbruch, aber auch von Gegenwärtigkeit: Irgendwo, vielleicht in der Atacamawüste, sitzt der damals 28-Jährige auf der Ladefläche eines Kleinlasters und spielt auf seiner Flöte. Der Fahrtwind zerzaust sein Haar. Er wirkt konzentriert, in sich gekehrt. Ghinsberg beschreibt Stamm in seinem Buch: «Er hatte ein einnehmendes Wesen, und im Nu waren wir alle miteinander bekannt, sprachen miteinander und scherzten wie er.»

**Giftige Schlangen und Piranhas**
So hat auch Rainer Stamm seinen Bruder gekannt. Er war 33 Jahre alt, als dieser verschwand. Das Auswärtige Amt in Bern hatte die Familie informiert. «Parallel dazu kam auch ein Brief von Kevin Gale, in dem er uns beschrieb, was geschehen war», sagt Stamm, bei dem damals, nach dem Vorfall, alle Fäden zusammenliefen. Er hat die Korrespondenz, auch die mit den Ämtern, bis heute aufbewahrt. Fein säuberlich hat er alles, was mit seinem Bruder zu tun hat, in einem dicken Ordner aufgehoben. Dieser liegt nun vor ihm auf dem Esszimmertisch in seiner Wohnung in Stein am Rhein. Damals hat er sich auch mit einem Geschäftsmann aus La Paz ausgetauscht, der seinen Bruder vor der Reise in den Dschungel noch getroffen hatte. «Der hat ihn gewarnt», sagt Stamm, «der hat ihm gesagt, dass er sich in Lebensgefahr begibt.» In der Regenzeit schwellen im Amazonas die Flüsse an, und so kann selbst ein Rinnsaal plötzlich zu einem reissenden Gewässer werden. Durch die Feuchtigkeit kommt es vermehrt zu Erd­rutschen. «Ganz abgesehen von den giftigen Schlangen, den Krokodilen und den Piranhas», sagt Stamm. Trotzdem muss er sagen: «Mein Bruder wusste genau, worauf er sich einliess.»
Doch Markus Stamm, einst Kaderspieler des EHC Schaffhausen und Primarlehrer in Dörflingen, schien zu dieser Zeit eine persönliche Krise zu durchleben. Seine langjährige Freundin, die ihm noch nach Südamerika nachgereist war, hatte sich frisch von ihm getrennt. «Das hat meinen Bruder sehr getroffen», sagt Stamm. Eigentlich habe er in seinen Briefen immer davon geschrieben, dass er um die Weihnachtszeit wieder nach Hause komme. Doch stattdessen machte er sich mit seinen Begleitern, die er erst kurz kannte, auf in fast unberührtes Land.

**Spannungen in der Gruppe**
Die ersten paar Tage müssen sie auch so erlebt haben, als würden sie einen anderen Planeten betreten: ganze Schwärme bunter Schmetterlinge die sich auf Schlammbänken von abgelagerten Mineralstoffen nähren. Und dann die Geräusche. «Nachts ist der Lärm im Dschungel unglaublich. Es gab Momente, in denen es schien, als wären wir im Zentrum eines Industriegebietes. Karl erklärte uns, dass das nur Insekten und Vögel wären», schreibt Ghinsberg im Buch. Gleichzeitig kündigt sich aber auch rasch das Unheil an. Mehrmals müssen sie Gewässer überqueren: «Der Fluss war tief. Das Wasser reichte mir bis zur Brust. Wir hatten unsere Schuhe um den Hals gehängt. Karl hatte ein paar dicke Äste von den Bäumen geschnitten und zeigte uns, wie wir den Strom durchwaten konnten, indem wir die Stöcke in den steinigen Boden steckten, um uns gegen die Strömung abzustützen.» Unter solchen Extremen nehmen die Spannungen in der Männergruppe rasch zu. Yossi Ghinsberg und Markus Stamm, die von allen am besten befreundet waren, entzweien sich langsam.
Da hilft es auch nicht, dass Stamm mehr und mehr zur Last wird. Seine Füsse, die durch die ständige Feuchtigkeit aufgeweicht sind, sind von einer Art Fusspilz befallen. Im Film lehnt sein Charakter an ­einer Böschung, zieht die Schuhe aus: Die Füsse blutig, übersät mit offenen Wunden. Er hat ständig Schmerzen, und auch sonst geht es ihm nicht gut. Kevin Gale hat später einmal seinem Bruder Rainer Stamm anvertraut: «Der Markus war ein toller, lieber Mensch, aber als er in den Dschungel ging, war er eine ganz andere Person. Er hat gelitten.» Und die Affen taten ihm leid, die die Männer jagen mussten, weil die Vorräte zur Neige gingen. Er weigerte sich, das Fleisch zu essen, was ihn zusätzlich schwächte.

**Die Gefährten trennen sich**
Die Situation spitzt sich zu. Der ständige Regen laugt die Männer aus. Was tun? Weitergehen? Oder umdrehen und den weiten Weg zurückgehen zum letzten Indiodorf? Nach Meinungsverschiedenheiten über die künftige Marschroute trennen sich letztlich die vier an der Stelle, wo das schlammbraune Wasser des Ipurama in den grünen Rio Tuichi fliesst. Der Israeli und der Amerikaner wollen Letzteren mit einem selbst gebauten Floss hinabfahren. So war es auch zu Beginn der Reise schon geplant. Doch unter den gegebenen Umständen erscheint es als ein riskantes Abenteuer. Markus Stamm und der Österreicher, der wohl nicht schwimmen konnte, wollen sich hingegen zu Fuss zum nächsten Dorf durchschlagen.
Die Vorahnung, dass die Wasserfahrt zu riskant sei, bewahrheitet sich schliesslich: Der Amerikaner und der Israeli kentern mit ihrem Floss schon am ersten Tag, wobei der eine von ihnen von den reissenden Wassern so weit fortgespült wird, dass sie sich nicht wiederfinden. Wie durch ein Wunder wird Kevin Gale nach einer Woche von zwei Jägern aufgelesen und in die ­«Zivilisation» zurückgebracht. Er ist es schliesslich, der alle Hebel in Bewegung setzt, dass nach seinen Gefährten gesucht wird.

**Umherirren im Urwald**
Zwei Wochen irrt Yossi Ghinsberg allein durch den Urwald, ernährt sich unter anderem von Beeren und einer Schlange, wie er schreibt: «Ich hob den grünen Körper auf und schälte die Haut ab wie bei einer Banane, wodurch das rosa Fleisch zum Vorschein kam. Die inneren Organe beseitigte ich mit einem kräftigen Druck meiner Finger und hielt nun das reine Fleisch in Händen. Was sollte ich damit tun? Essen oder als Köder benutzen?» Er hat Wahnvorstellungen und dann wieder ganz klare Momente. Sein Körper schmerzt, seine Füsse sind nun auch überall aufgerissen und blutig. Als er gefunden wird, ist er nur noch Haut und Knochen: Kevin Gale fährt mit einem Einheimischen per Kanu den Fluss hoch und entdeckt ihn an einem Ufer.
Doch was ist aus dem Führer Karl Ruprechter geworden und aus Markus Stamm? Sie haben das Dorf nie erreicht. Bis heute gelten sie als verschollen.
Mit seinem heutigen Wissensstand und dem, was er in Filmen und auf Fotos gesehen hat, wundert sich Bruder Rainer Stamm darüber nicht mehr. «Es ist verrückt», sagt er, «das Gebiet ist so unwirtlich.» Ghinsburg, sobald er sich erholt hat, startet zwar noch eine Rettungsaktion, aber ohne Erfolg. Ebenso ergebnislos bleiben alle Nachforschungen bei Indios und Missionaren, die in der Region wohnen.

**Amtlich verschollen**
Nach allem was man zusammengetragen hat, muss als wahrscheinlichste Variante angenommen werden, dass den beiden ein Unglück zugestossen ist. So wurde es auch der Familie von Markus Stamm auf dem Auswärtigen Amt in Bern mitgeteilt. «Die haben uns auch gesagt, aus ihrer Erfahrung heraus: Der lebt nicht mehr», sagt Stamm. Sein Vater habe das akzeptiert und ein Gesuch um die Einleitung des Verschollenenverfahrens gestellt. «Er hat natürlich gelitten, aber er war realistisch», sagt Stamm. Seine Mutter habe sich hingegen damit sehr schwergetan. Sie war der festen Überzeugung, dass ihr Sohn noch lebt. Und damit war sie nicht allein. Auch die Halbschwester von Markus Stamm, die gewählte Regierungsrätin Cornelia Stamm Hurter, hat noch lange gehofft. Sie kann sich noch gut an den «Märi» erinnern: «Er war ein guter Bruder, ein Sunnyboy, mit langem, lockigem Haar.» In Schaffhausen sei er als mehrfacher kantonaler Tennismeister recht bekannt gewesen. Als die Meldung über sein Verschwinden gekommen sei, habe sie gerade in Fribourg ihr Studium aufgenommen. Es sei eine schwierige Zeit für die Familie gewesen.
Da war es wohl auch nicht schön, dass das Geschehen über die Jahre immer wieder neu diskutiert wurde. Weitere Details kamen ans Tageslicht: So soll der Österreicher Karl Ruprechter nur vorgegeben haben, Geologe zu sein. Tatsächlich habe er eine kriminelle Vergangenheit und sei auf der Flucht gewesen. Gleichzeitig kamen Gerüchte auf, er sei gar nicht tot. Es gibt ein Foto, wo ein Mann, scheinbar Ruprechter, gerade auf ein Lastenpferd steigt. Es soll drei Jahre nach seinem Verschwinden aufgenommen worden sein. Doch Rainer Stamm bezweifelt das. Er glaubt nicht, dass Ruprechter noch lebt, genau wie sein Bruder.
Ausserdem bekommt seine Familie Besuch von dem Israeli Yossi Ghinsberg. Er schildert ihnen die Geschehnisse noch einmal. Er scheint ein schlechtes Gewissen zu haben, dass er Markus Stamm zurückgelassen hat. Er plant eine weitere Suchaktion. Daraus wird aber nichts. Dafür schreibt er das Buch, das in Isreal ein Bestseller wurde. Rainer Stamm ist auf Ghinsberg jedoch nicht allzu gut zu sprechen: «Er hat uns nicht informiert, dass er das Buch veröffentlicht, und auch von dem Film ‹Jungle› wussten wir nichts», sagt er. Er habe erst von einem Bekannten erfahren, dass die Geschichte seines Bruders verfilmt werde. Und auch wenn der Film recht spannend sei, würden doch wichtige Szenen fehlen. «Am Ende etwa, wird nicht darauf eingegangen, dass Ghinsberg ohne den Amerikaner Kevin Gale gar nicht mehr leben würde», sagt er. Dieser habe sich ­allen Zweiflern widersetzt, die seine Gefährten bereits für tot erklärt hätten. Das müsse man doch honorieren. In dem Film liege der Fokus zu stark auf Ghinsberg. Dabei seien es doch vier Männer gewesen, die versucht hätten, der Hölle zu entkommen.
Die Mutter von Markus Stamm lebt mit 95 Jahren noch in Schaffhausen. Sie hat bis heute nicht aufgehört, daran zu glauben, dass ihr Sohn noch lebt. Zu Rainer Stamm sagt sie ab und zu: «Irgendwann kommt der schon mal wieder.» Seine letzten Briefe aus Südamerika hat sie jedenfalls alle aufgehoben.


**Fingerspitzengefühl bei der Suche nach Vermissten**

Der Suchdienst der Sektion Konsularischer Schutz im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreitet überall dort ein, wo Personen einen Angehörigen im Ausland vermissen und wenn diese ungefähr wissen, in welchem Land sich die gesuchte Person befindet. Es wird nachgeforscht, ob diese Person bei der diplomatischen Vertretung gemeldet ist, ob sie dort wohnt oder auf der Durchreise war und mit wem sie in Kontakt getreten ist. Koordiniert werden die Nachforschungen von den Schweizer Botschaften und den diversen Konsulaten vor Ort. Für die eigentlichen Nachforschungen zuständig sind die lokalen Polizeibehörden.

**Hohe Erfolgsquote**
Viele Schweizer, die als vermisst gemeldet werden, können wieder gefunden werden. Das liegt vor allem daran, weil es in der heutigen Zeit mit den modernen Telekommu­- nikationsmitteln im Trend liegt, schnell Vermisstmeldungen aufzugeben, wenn sich eine Person mal ein paar Tage nicht meldet. So können die Behörden aber auch schnell reagieren. Es gibt jedoch auch schwierige Fälle, die nach jahrelangen Nachforschungen zu keinem Erfolg führen. Das Dossier wird dann geschlossen, ohne dass die vermisste Person gefunden werden konnte. Nachforschungen im Ausland erfordern laut dem EDA viel Fingerspitzengefühl auf verschiedenen Gebieten: mit den Angehörigen der vermissten Person, dann mit den Behörden vor Ort, aber auch mit Nichtregierungsorganisationen, die bei der Suche mithelfen. Die Kosten für die Nachforschungen gehen in der Regel zulasten der Angehörigen. Das EDA kann die Gebühren aus humanitären Gründen allerdings reduzieren oder gar erlassen.



Vor 36 Jahren ist der Schaffhauser Markus Stamm, der auf dem Foto zu sehen ist, auf einer Expedition in den bolivianischen Urwald verschollen. Ein Kinofilm befasst sich mit diesem tragischen Ereignis, das die Familie Stamm bis heute verfolgt.
Fotos: Kevin Gale



Der Wind zerzaust sein Haar, während Markus Stamm, der ein begabter Musiker war, Flöte spielt.



Markus Stamm (l.) und Kevin Gale spielen während ihrer Reise Domino.



In der Regenzeit können im Amazonasgebiet selbst Rinnsale zu reissenden Flüssen werden.



Kevin Gale, ein Einheimischer und Yossi Ghinsberg (v. l.) nach dessen Rettung.



Schön, aber gefährlich: Im Urwald lauern viele Gefahren, von Jaguaren bis zu Krokodilen.



«Der Märi hat genau gewusst, auf was er sich da einlässt.» Rainer Stamm, Bruder.

#Notizen zu Namen

16. Januar 2018 | Anliegen der Jungen ernst nehmen

Schaffhauser Bock
Marcel Tresch

An seiner vergangenen Sitzung wählte der Grosse Stadtrat Rainer Schmidig zum neuen Präsidenten. Ein Interview über sein politisches Engagement.

*«Bock»: Herr Schmidig, was bedeutet es für Sie, höchster Stadt-Schaffhauser zu sein und den Grossen Stadtrat zu präsidieren?*
Rainer Schmidig: Die Übernahme dieses Amtes ist für mich eine grosse Ehre, auch wenn ich nicht der Mensch bin, der solche Ämter anstrebt. Dennoch übe ich diese Tätigkeit mit viel Freude aus.

*Hegen Sie weitere politische Ambitionen?*
Keineswegs. In wenigen Tagen werde ich 69 Jahre alt. Ich bin nicht am Aufbauen, sondern eher am Abbauen.

*Das heisst, dass Sie in Kürze von Ihren politischen Ämtern zurücktreten werden?*
Nein. Als gewählter EVP-Politiker werde ich meine Pflichten in beiden Räten erfüllen. Aber ich bin auf den nächsten Wahllisten nicht mehr vertreten.

*Warum ist es für Sie von Vorteil, sowohl im Kantonsrat wie auch im Grossen Stadtrat Schaffhausen vertreten zu sein?*
Die Räte haben unterschiedliche Aufgaben. Das Kantonsparlament ist die gesetzgebende Behörde und der Gros- se Stadtrat kümmert sich um städtische Angelegenheiten. Der Vorteil als Mitglied des Grossen Stadtrates liegt darin, dass bei einem Wissensvorsprung im Kantonsrat bei bestimmten Geschäften vorgängig Einfluss genommen werden kann.

*Wie hoch ist Ihr Aufwand für die Politik?*
Der Zeitaufwand mit den entsprechenden Vorbereitungen ist recht gross. Der langjährigen Tradition entsprechend finden die Sitzungen des Kantonsrates ja tagsüber und diejenigen des Gros- sen Stadtrates am Abend statt. Für meine politische Tätigkeit beläuft sich der Zeitaufwand auf rund zwei Tage pro Woche.

*Die Kontakte zwischen Stadt und Kanton, so wird von aussen behauptet, sind verbesserungswürdig. Wie sieht das Ganze aus Ihrer Sicht aus?*
Die Kommunikation unterein­ander war sicher schon schlechter, hat sich inzwischen aber verbessert. Das ist mit ein Grund dafür, dass ich als EVP-Mitglied für viele überraschend die SVP-Politikerin und Stadt-Schaffhauserin Cornelia Stamm Hurter in die Regierung gewählt habe.

*Was muss aus Ihrer Sicht in den nächsten Monaten unbedingt angepackt werden?*
Im Bereich des öffentlichen Verkehrs gibt es zahlreiche Baustellen, die zu bereinigen sind. Im Weiteren darf die Bautätigkeit, zum Beispiel beim Kammgarnareal oder Stadthausgeviert, nicht aus- ser Acht gelassen werden. Ein zusätzliches Anliegen von mir ist, dass wir als Stadt für private und unternehmerische Ansiedlungen weiterhin interessant bleiben. Uns fehlen nämlich die Familien und damit der Nachwuchs. Um sie nach Schaffhausen zu bringen, müssen wir genügend Arbeitsplätze anbieten können.

*Wie leiten Sie als Präsident den Rat?*
Ich betrachte es als meine Aufgabe, das Parlament so zu leiten, dass, unter Einhaltung der Effizienz, genügend Raum für Diskussionen entsteht. Für mich ist bei den zu erledigenden Geschäften die Schnelligkeit zweitrangig. Beim zu schnellen Reagieren und Entscheiden passiert es oft, dass allfällige Probleme übersehen und nicht angesprochen werden. Da der Präsident eine beschränkte Einflussmöglichkeit hat, ist eine gute Vorbereitung der Sitzungen dringend notwendig.

*Als ehemaliger Kantonsschullehrer sind Sie den Umgang mit der nachfolgenden Generation gewohnt. Wie kann man die Jungen für die Politik interessieren und gewinnen?*
Als alter und abgeklärter Politiker kann man nicht sehr viel ausrichten. Sehr wichtig ist aber, dass man die Jugendlichen in ihren Anliegen ernst nimmt und dass sie dort eingesetzt werden, wo es für sie auch interessant ist. Sie sind für die Politik nicht speziell zu motivieren. Ich stelle immer wieder fest, dass sie am politischen Geschehen grundsätzlich interessiert sind.

*Sie sind seit Jahren überzeugter EVP-Politiker. Wie wichtig ist dabei der Glaube?*
Ohne alles auf irgendeine Religion abstützen zu wollen, sind mir die christlichen Grundwerte sehr wichtig. Ich bin der Überzeugung, dass die positiven Betrachtungswerte durchaus einen Einfluss auf die Politik haben dürfen.

*Worüber reden Sie zu Hause, wenn nicht über die tägliche Politik?*
Die familiäre Situation als Vater von sechs Kindern und Grossvater von 14 Enkelkindern bringt es mit sich, dass die Familie mein absoluter Mittelpunkt ist. Das ist fantastisch schön und erfüllend.

*Was wünschen Sie der Stadt Schaffhausen für die kommenden zwölf Monate?*
Dass wir durch unsere politische Arbeit immer gute und zukunftsweisende Lösungen finden. Die Stadt Schaffhausen ist äusserst lebens- und liebenswert. Dazu gehört aber auch, dass wir stets wertschätzen, was wir haben.


**Rainer Schmidig persönlich**

Geboren
20. Januar 1949

Wohnort
Schaffhausen

Beruf
alt Kantonsschullehrer

Familie
verheiratet, 6 Kinder, 14 Enkel

Hobbys
Schreinern und Gärtnern, Lesen von Krimis (Edgar Wallace, Agatha Christie und Georges Simenon)

Politik
Mitglied Grosser Stadtrat und Kantonsrat seit 2001
Mitglied der EVP seit rund 20 Jahren



Rainer Schmidig sind die christlichen Grundwerte, sowohl in der Familie wie auch in der Politik, sehr wichtig.
Bild: Marcel Tresch

#Notizen zu Namen

9. Januar 2018 | Effizienz ist nicht das Hauptziel des Rates

Schaffhauser Nachrichten
Daniel Jung

Er ist zwar noch nicht gewählt, sollte heute Abend aber zum Präsidenten des Grossen Stadtrates gekürt werden: Rainer Schmidig (EVP) war im letzten Jahr 1. Vizepräsident des Stadtparlaments und kandidiert nun für ein Jahr als höchster Stadtschaffhauser.
Schmidig ist Mathematiker, Physiker und Pädagoge. Insgesamt 41 Jahre lang war er als Lehrer an der Kantonsschule Schaffhausen tätig, zwischen 1990 und 2003 auch als Rektor. «Durch das Rektorat war ich in viele politische Diskussionen involviert», sagt Schmidig. In seine Amtszeit fielen grosse Veränderungen: So wurde die Kantonsschulzeit von fünf auf vier Jahre verkürzt und ein neues Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) eingeführt.
Im Jahr 2000 wurde er dann von der Schaffhauser EVP angefragt, ob er für den Kantonsrat und den Grossen Stadtrat kandidieren möchte. Er antwortete: «Wieso nicht?» Grosse Ambitionen habe er damals nicht gehabt. Trotzdem wurde er – wohl auch wegen seiner Bekanntheit als Rektor – in beide Parlamente gewählt. Seit 2001 ist Schmidig nun auf kantonaler und auf städtischer Ebene politisch tätig – in beiden Parlamenten als einziger Vertreter der Evangelischen Volkspartei (EVP).

**Christliche Grundhaltung**
In der EVP fühlt sich der Mathematiker wohl: «Die Art und Weise, wie man hier politisieren kann, kommt mir entgegen», sagt er. In der kleinen EVP sei er sehr frei, seine Haltungen zu vertreten. Die christlichen Werte der Partei teilt Schmidig. «Die christliche Grundhaltung hilft einem im Leben weiter», ist er überzeugt. Trotzdem bezeichnet sich der Naturwissenschafter als «nicht sehr religiös».
Schmidig gehört im Parlament zur siebenköpfigen Mittefraktion – gemeinsam mit Vertretern der Grünen, CVP und GLP –, der bei Abstimmungen oftmals eine entscheidende Rolle zukommt. «Wir haben ein gewisses Gewicht», sagt Schmidig. In letzter Zeit war die Mitte oft nahe an den Anträgen des Stadtrats – etwa wenn es um Steuersenkungen ging. Das liege auch daran, dass derzeit der Stadtrat ähnlich wie die Mittefraktion ausbalanciert sei, erklärt Schmidig. «Auch der Stadtrat sucht nach Kompromissen, was uns nahe liegt», sagt er.

**Austritt aus der FDP**
1990, bei seiner Wahl zum Kantirektor, war Schmidig noch Mitglied der FDP gewesen. Die freisinnige Partei verliess er Mitte der 90er-Jahre, als die FDP eine Listenverbindung mit der Freiheitspartei (früher Autopartei) einging. «Ausschlaggebend für meinen Austritt war die Haltung der Autopartei zu den Schulen – das hat mir nicht behagt», erklärt er.
Zehn Jahre lang war Schmidig noch als Kantilehrer tätig, nachdem er das Rektorat an seinen Nachfolger Urs Saxer abgegeben hatte. «Ich bin der Meinung, dass Schulleiter-Positionen keine Lebensstellen sein sollen», sagt er. Für eine Schule sei es besser, wenn es in regelmässigen Abständen einen Wechsel in der Führung gebe. «Es ist nicht gut, wenn eine Person über Jahrzehnte etwas prägt», sagt er, «dann laufen sich gewisse Dinge tot.»
Schmidig ist stark in Schaffhausen verwurzelt. «Es ist sehr schön, hier zu wohnen.» Er schätzt die Grösse der Stadt, die es erlaube, einen gewissen Einfluss zu nehmen. «Hier ist es überblickbar, hier gibt es Möglichkeit, bei der Lösung von Problemen mitzu- helfen.» In einem Zeitungsartikel zur Pensionierung schrieb der Berufskollege Giancarlo Copetti über Schmidig: «Schon Zürich ist ihm zu hektisch und zu gross. Das ist kein Defizit, sondern vielmehr eine Stärke – die Stärke, sich zum Lokalen zu bekennen, ohne provinziell zu sein.» (SN vom 18. Januar 2013).
Schaffhausen ist weiterhin auch Mittelpunkt der grossen Familie von Ruth und Rainer Schmidig, die sechs Kinder und aktuell 14 Enkelkinder haben – das jüngste wurde im Dezember geboren. «Wir haben Kinder gerne und geniessen die Familie», sagt Schmidig. Die Konstellation und das Umfeld habe es möglich gemacht, eine grosse Familie zu gründen. «Wir hatten Grossmütter in der Nähe, die mitgeholfen ha- ben – so wie wir es heute auch wieder machen.»

**Bescheidene Ambitionen**
Ein Ratspräsidium kann ein Sprungbrett sein, um ein höheres Amt anzustreben. Der 68jährige Schmidig verbindet mit seinem Präsidialjahr aber keine solchen Erwartungen. «Ich muss nichts mehr beweisen», sagt er. Es sind praktische Gründe, die zur Kandidatur geführt haben. «Wir sind eine eher kleine Fraktion, einige Kollegen haben das Präsidium auch schon übernommen, andere sind erst seit kurzer Zeit mit dabei», sagt Schmidig. Deshalb sei er als Kandidat «relativ naheliegend» gewesen. «Ich habe gefunden: Dann mache ich es halt.», sagt er und lacht.
Nun freut sich Schmidig auf die Aufgabe. «Ich finde es ein schönes Amt und mache das gern», sagt er. Er ist sich bewusst, dass damit einiger Vorbereitungsaufwand verbunden ist. Die repräsentativen Anlässe, zu welchen der Parlamentspräsident eingeladen wird, sieht Schmidig ziemlich neutral: Weder sucht er dies stark, noch empfindet er es als Last.
Die Gestaltungsmöglichkeiten des Ratspräsidenten sind jedoch begrenzt. «Man muss dafür sorgen, dass die Diskussionen gut über die Bühne gehen», sagt Schmidig. Eine rasche Behandlung möglichst vieler Geschäfte sei dabei nicht das wichtigste Kriterium. «Effizienz ist nicht das Hauptziel eines Rates», sagt Schmidig. Stattdessen sei es Aufgabe des Parlaments, Probleme zu erkennen und gute Lösungen zu finden. «Das dauert manchmal etwas länger», sagt er. Deshalb dürfe ein Rats­präsident nicht ungeduldig sein. Die Politik steuern könne ein Präsident aber nicht. «Man soll sich selber ja eher zurück nehmen», sagt er.

**Fokus auf die Kommission**
Trotz seiner Erfahrung im Rat meldete sich Schmidig bisher an den Sitzungen nicht überdurchschnittlich häufig zu Wort. Er konzentriert sich stärker auf die Arbeit in den Kommissionen. «Dort kann man wirklich noch etwas bewegen, dort wird wirklich nach Lösungen gesucht», sagt er. Bei der abschliessenden Debatte im Parlament ändere sich meist nur noch wenig am Geschäft. «Und bloss ein Statement abzugeben, damit es in der Zeitung steht, ist nicht unbedingt meine Art.»


**Zur Person Rainer Schmidig**

Jugend
Rainer Schmidig wurde 1949 in Schaffhausen geboren und ist hier aufgewachsen.

Ausbildung
Schmidig besuchte die Schulen in Schaffhausen und erwarb im Herbst 1968 eine naturwissenschaftliche Matura (Typus C). Danach studierte er an der ETH Zürich Mathematik und Physik. Er schloss sein Studium als dipl. math. ETH im Herbst 1973 ab.

Beruf
Schmidig arbeitete als Assistent an der ETH Zürich und unterrichtete an der Kantonsschule Schaffhausen. Im Jahr 1980 wurde er zum Hauptlehrer für Mathematik und Physik gewählt. Ab 1983 war er Prorektor, von 1990 bis 2003 Rektor der Kantonsschule. Bis 2013 war er als Lehrer dort tätig. Zwischen 2003 und 2015 war er zudem mathematischer Experte der kantonalen Pensionskasse.

Politik
Seit 2001 sitzt Schmidig für die EVP im Schaffhauser Kantonsrat und im Grossen Stadtrat.

Familie
Mit seiner Frau Ruth hat er sechs Kinder grossgezogen. Sie haben 14 Enkelkinder.

#Notizen zu Namen

3. Januar 2018 | Markus Stamm v/o Aequo, das Buch «Back from Tuichi» und der Film «Jungle»

Yossi Ghinsberg, am 25. April 1959 in Tel Aviv geboren, ist ein israelischer Autor und Umweltaktivist.

Anfang November 1981 verlor sich Ghinsberg im bolivianischen Teil des Amazonas und überlebte drei Wochen. Sein Abenteuer schilderte er in seinem 1985 auf Hebräisch erschienenen Buch «Ba-hazarah mi-Tuitsi», das 1993 unter dem Titel «Back from Tuichi» in englischer Sprache erschien. Mit «Laws of the Jungle: Jaguars Don’t Need Self-Help Books» (2008) gelang ihm eine weitere erfolgreiche Darstellung. Sein erstes Buch wurde verfilmt, ab Oktober 2017 in Deutschland in den Kinos gezeigt und ist nun auch als BluRay und als DVD erschienen.
Seine erste Reise brachte ihn nach Lateinamerika, wo er in La Paz mit zwei Freunden die Gelegenheit ergriff, sich einer Exkursion eines Geologen anzuschliessen, um in den sonst für Touristen unerreichbaren Urwald zu gelangen. Der Geologe erwies sich als unkundig; aufgrund falscher Informationen verlor Ghinsberg den Kontakt zu Kevin Wallace, mit dem er sich vom Geologen getrennt hatte. Wallace hatte das Glück, von einer Jägergruppe, die zweimal pro Jahr in der Region auf Jagd ging, gefunden zu werden. Aber Ghinsberg blieb drei Wochen verschollen. Aufgrund der beginnenden Regenzeit hatten die Behörden ein Überleben im Dschungel für ausgeschlossen erklärt und die Suche bald eingestellt. Doch Wallace machte sich mit einer privat bezahlten Mannschaft auf die Suche und fand seinen Freund, der anschliessend für drei Monate ins Krankenhaus musste.
Wallace begann sofort mit der Suche nach dem dritten Freund, Markus Stamm, den er und Ghinsberg in Begleitung des angeblichen Geologen in Sicherheit wähnten. Stamm blieb verschollen, der angebliche Geologe war ein den Behörden bekannter Krimineller aus Österreich, der sich auf der Flucht befand.


**Jungle**

*Filmhandlung*

Survival-Drama mit Daniel Radcliffe um eine Gruppe von Touristen, die im bolivianischen Dschungel verloren gehen. Willkommen in der grünen Hölle!

Im Jahr 1981 erfüllt sich der junge israelische Backpacker Yossi Ghinsberg (Daniel Radcliffe) einen Lebenstraum: Einmal will er den wilden Dschungel sehen. Unberührte Natur, wild, wunderschön – und tödlich. Gemeinsam mit seinem beiden Freunden, dem Lehrer Marcus (Joel Jackson) und dem Fotografen Kevin (Alex Russell), bereist er das lateinamerikanische Hinterland. In Bolivien lernen sie schliesslich den Geologen Karl (Thomas Kretschmann) kennen, der behauptet, er könne sie durch den Amazonas führen.
Tatsächlich ist Karl jedoch ein Betrüger. Mitten im Dschungel zeigt sich seine wahre Natur und die unerfahrene Gruppe muss sich ihrem Schicksal schon bald stellen. Verloren, ohne jede Orientierung sind die Touristen den Gefahren des Urwaldes ausgesetzt. Bald werden sie von einander getrennt. Für Yossi beginnt ein erbarmungsloser Kampf ums Überleben.

Blu-ray
**Jungle**

Regisseur: Greg McLean
Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Holländisch
EAN: 4013549079334
Studio: Splendid Entertainment
Spieldauer: 116 Minuten
Bildformat: HD (1080p), Widescreen (2,39:1)
Tonformat: Englisch: DTS HD 5.1 MA, Deutsch: DTS HD 5.1 MA
Fr. 19.90

Buch
**Yossi Ghinsberg: Dem Dschungel entkommen**

Einband: Taschenbuch
Seiten: 320
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-492-40624-6
Verlag: Piper
Fr. 23.90

#Allgemeines

9. Dezember 2017 | «Wir haben die Zukunftsliste in der Schublade»

Schaffhauser Nachrichten
Jeannette Vogel

**Interview Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei Falken**

*Herr Moersen, was macht das Jahr 2017 für Sie so besonders?*
Es gab zwei Highlights. Zum einen ist das Projekt Gär- und Tanklager jetzt abgeschlossen, wir haben dafür über fünf Millionen Franken investiert. Es gab weder Verzögerungen noch Mehrkosten, das freut mich natürlich sehr. Zum anderen bin ich seit diesem Sommer offiziell pensioniert.

*Sie sagten vor einem Jahr: «Wir bringen die Brauerei technisch auf den neuesten Stand, dann trete ich kürzer.» Haben Sie nun alle Schlüssel abgegeben?
Nein, die behalte ich. In dieser Brauerei steckt viel von meinem Herzblut. Zudem ist unsere Familie ein namhafter Miteigentümer des Unternehmens. Ich habe aber im unternehmerischen Bereich ganz das Zepter an Geschäftsführer Markus Höfler übergeben.

*Mit dem Dosenkompetenzzentrum, auf dem Sie auch für Dritte abfüllen, hat sich Falken seit 2013 ein zweites Standbein aufgebaut. Ein wichtiger Schritt – aber die Anlage soll bereits zu klein sein. Stimmt das?*
Alle kleineren Brauereien mussten im Ausland abfüllen, wir auch. Als wir uns entschlossen, unsere ­eigene Anlage zu bauen, legten wir die Planung für Drittabfüllungen auf sechs Millionen Dosen pro Jahr aus. Doch wir sind flexibel und kommen dem Konsumentenbedürfnis nach. ­Inzwischen füllen wir jährlich rund 16 Millionen Dosen für Dritte ab. Die Anlage hat aber noch Luft nach oben, sie ist also nicht zu klein.

*Die Brauerei Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien der Schweiz. Wird das in absehbarer Zukunft auch so bleiben?*
Es ist ein Blick in die Kristallkugel, aber ja, wir bleiben unabhängig. Wir bezeugen mit den hohen Investitionen der letzten Jahre wie der Dosenabfüllanlage und dem Gär- und Tanklager ganz klar unseren Willen dazu.

*Werfen wir einen weiteren Blick in die Kristallkugel. Wie sieht das (Falken-)Bier der Zukunft aus, und wie schmeckt es?*
Mit der «Hülse» haben wir bereits ein Bier der Zukunft. Ein unfiltriertes, untergäriges Lagerbier. Innovativ und in der Schweiz einmalig ist die wiederverschliessbare Dose. Es ist ein Bier mit Stil und mehr als nur ein Durstlöscher. Ich freue mich darauf, wenn das Prinzip des Verschlusses zum ersten Mal kopiert wird, denn dann weiss ich, wir haben es gut gemacht.

*Die metallgraue «Hülse» mit dem weissen Schriftzug und der Hopfenblüte ist nur schon rein optisch kein typisches Falken-Bier.*
Das stimmt. Zwar richten wir uns auf den Raum Schaffhausen aus, das hat oberste Priorität, mit der «Hülse» wollen wir aber generell Swissness demonstrieren und die ganze Schweiz beliefern. Damit gehen wir ­einen neuen, modernen Weg.

*AI steht für «Artificial Intelligence», also künstliche Intelligenz. So nennt sich ein Bier aus England, ­ an dessen Rezeptur die Biertrinker mitwirken. Anhand der gesammelten Daten ­verändert ein Algorithmus das Rezept – ist das auch bei Falken denkbar?*
Nein. Wir sind eine Traditionsbrauerei. Es ist richtig, am technischen Fortschritt zu arbeiten. Aber wir suchen die Nähe zum Kunden und reden mit ihm und lassen nicht einen Computer entscheiden und den unsere gesamte Arbeit machen.

*Die Zahl der Kleinstbrauereinen steigt. Beispielsweise in Ramsen mit rund 1400 Einwohnern wird das lokale ­Gnädinger Bräu hergestellt, aber vor allem Gässli-Bräu gibt mächtig Gas. Wenn das in allen ­Dörfern und Städten so geht, wird Ihr Stück vom Kuchen ­immer kleiner. Sind Ihnen diese Mikrobrauereien ein Dorn im Auge?*
Grundsätzlich finde ich diese Entwicklung positiv. Wir haben inzwischen rund 800 Brauereien in der Schweiz und zusätzlich ein paar Badewannenbrauer. Dadurch gibt es die verschiedensten Biersorten und neue Geschmackserlebnisse. Das Bier bekommt einen neuen, höheren Stellenwert, den es auch verdient. Andererseits ist es richtig, dass das Kuchenstück für jeden Einzelnen etwas kleiner wird. Grund zur Klage haben wir aber nicht.

*Wer allerdings mit offenen Augen durch Getränke- oder Supermärkte läuft, sieht ein wachsendes Bier- sortiment – freche Namen, neue Geschmacksrichtungen, exotische Herkunftsländer. Wohin soll das noch führen?*
Die Gastronomie verliert, der Detailhandel wächst. Auch die Nähe zur Grenze war schon immer da. Das ist so, jammern hilft nichts. Der Markt ist vielfältig, das kann man auch als Chance sehen.

*Worauf fokussiert sich die Brauerei Falken 2018?*
Wir planen keinen «big bang». Es gibt natürlich eine Zukunftsliste, die können wir bei Bedarf jederzeit aus der Schublade ziehen. Aber erst mal wollen wir das Bestehende weiterentwickeln. Die Arbeit geht uns definitiv nicht aus.

*Die Falken-Generalversammlung ist ein wichtiger Anlass im gesellschaft­lichen Kalender. Ein Eintrittsbillett in Form einer Aktie (Aktienkurs um 13 700 Franken) ist aber schwer aufzutreiben. Wie wird man Falken-Aktionär?*
Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder bei der Bank anklopfen, es gibt immer wieder einzelne Aktien. Oder einem guten Freund eine Aktie abkaufen.


*«Die Schweizer Biere erleben eine Renaissance»*

*Der bisherige Verwaltungsratwurde gestern Abend an ­der Generalversammlung der Traditionsbrauerei Falken für weitere drei Jahre gewählt.*

Über 430 Personen fanden gestern Abend den Weg an die ­ordentliche Generalversammlung der Schaffhauser Brauerei im Schaffhauser Park Casino. Genau um 17.30 Uhr ergriff Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates, das Wort. Er habe ein gewisses Verständnis dafür, dass einige Schaffhauser den Verlockungen der günstigen Preise im nahen Ausland nicht immer widerstehen könnten. Gleichzeitig hielt er fest, dass die Brauerei ihr Geld hauptsächlich in der Region verdient und es auch hier ausgibt. So für das fünf Millionen teure Gär- und Tanklager – es ist seit Juni zu 100 Prozent in Betrieb. Es sei ein «ansprechendes Jahresergebnis» erwirtschaftet worden, so Moersen: «Das erlaubt es, die im Berichtsjahr getätigten Investitionen voll abzuschreiben.
Bevor Falken-CEO Markus Höfler das abgelaufene Braujahr Revue passieren lies, sagte er: «Ob vom Profi- oder Hobbybrauer – Bier gewinnt an Ansehen – es erlebt eine Renaissance.» Die Schweiz hat die grösste Brauereidichte der Welt, rund 4000 verschiedene Biere werden landesweit hergestellt. Falken beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, Bier zu brauen und Dosen abzufüllen, sondern komplettiert das Sortiment mit Spirituosen wie Munot Malt oder Gin82.
Die statutarischen Geschäfte gingen wie gewohnt schlank über die Bühne – es gab weder Diskussionen noch Gegenstimmen. Die bisherigen Verwaltungsräte wurden für die Amtsdauer von drei Jahren wiedergewählt, die BDO AG in St. Gallen erhielt für ein weiteres Jahr das Mandat als Revisionsstelle. «Eine frohe Stimmung und viel Sitzleder» wünschte der Präsident des Verwaltungsrates, dann trat «Christoph Blocher» auf die Bühne. Er bedankte sich dafür, «dass ich auf einen grossen Schluck vorbeikommen darf». Der Zürcher Schauspieler Walter Andreas Müller parodiert seit Jahren Christoph Blocher, aber auch andere Prominente stellte er mit wechselndem Dialekt und verschiedenen Brillen dar.
Nach der Darbietung gab es Festbier, bevor das traditionelle Menü – Ochsenmaulsalat, kalte Platte garniert und reichhaltige Käseplatte – aufgetragen wurde. «Es sind insgesamt 130 Kilo Ochsenmaulsalat. Davon bleibt nie ein Gramm übrig», sagte CEO Markus Höfler.

#Allgemeines

6. Dezember 2017 | Sache … Sächeli

Einen prominenten Gast konnte die Schaffhauser Verbindung Scaphusia letzte Woche auf ihrer Bude im «Falken» begrüssen: Beni Thurnheer. Wie Altherr Michael E. Dreher v/o Aal uns mitteilt, folgte der «Schnurri der Nation» in humorvollen Ausführungen dem A–Z und hatte zu jedem Buchstaben etwas Geistreiches zu sagen. «Einmal mehr ein interessanter intellektueller Teil des Abends, den die Scaphusianer seit über 100 Jahren den I. Akt nennen», schreibt «Aal». «Es folgte der II. Akt, wo die Corona ihrem Ruf als Grosskunde der Brauerei Falken AG gerecht zu werden versuchte. Es gelang!» Ebenfalls zu Gast war Kantonsratspräsident Thomas Hauser (v/o Chräbbs im KTV). Das Bild stammt von Lars Wicki v/o Klimper.


Foto: Lars Wicki

#Notizen zu Namen

1. Dezember 2017 | Schaffhauser Sammlung wird verkauft

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Hugo von Ziegler war Schaffhauser durch und durch. Er verbrachte sein ganzes Leben in der Munotstadt, er war in der Scaphusia aktiv (v/o Lord), und er sammelte Schaffhauser Kunst. Als er 1966 im 77. Altersjahr verstarb, hinterliess der Bankier und Kunsthistoriker eine umfassende Sammlung an Schaffhauser Silberware, Münzen und, allem voran, Zeichnungen von Schaffhauser Künstlern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Die Nachkommen von Zieglers haben Teile der Sammlung in den letzten Jahren in den Verkauf gegeben, so 2009 bei Sotheby’s in New York und 2012 beim Buch- und Kunstantiquariat August Laube in Zürich. Übernächste Woche, am 13. Dezember, versteigert das Pariser Auktionshaus Drouot nun das vielleicht umfassendste Konvolut aus der Kollektion Ziegler, insgesamt 75 Lose.
«Ziegler war Kunstsammler, aber seine grösste Passion war Schaffhausen», sagt Benjamin Peronnet vom Auktionshaus Drouot. «Er wollte die Geschichte Schaffhausens nachvollziehen.» Das zeigt sich auch bei seiner Sammlung: «Eines der allerersten Werke, das er erwarb, war eine Zeichnung eines Wappens einer Schaffhauser Familie», erzählt Peronnet.
Das wichtigste Werk, das nun angeboten wird, ist eine Serie von 13 Gouachen des Schaffhauser Malers Daniel Lindtmayer (1552–1606/07), «Christus und die Apostel», Schätzpreis 250 000 bis 350 000 Euro. Ursprünglich waren es sogar 14 Blätter gewesen, jedoch gilt das Blatt mit dem Apostel Judas Thaddäus als verschollen. Die Blätter messen etwa 24 auf 15 Zentimeter, sie sind also etwas kleiner als ein A4-Blatt.
Die Serie, oder Teile davon, war mehrere Male in Schaffhausen ausgestellt gewesen, laut Katalog 1939 und 1952 und zuletzt, laut SN-Archiv, 1997, als alle 13 Blätter gezeigt wurden.
Gouachen von Lindtmayer sind sehr selten. «Es sind nur noch zwei weitere bekannt», sagt Experte Peronnet, «eine befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich, eine weitere im Museum zu Allerheiligen.»
In der Auktion finden sich auch Werke von Tobias Stimmer – jenem Künstler, der das Haus zum Ritter in der Vordergasse bemalte. Von ihm angeboten wird eine Federzeichnung von St. Paul, ziemlich genauso gross wie ein A4-Blatt und mit einem Schätzpreis von 40 000 bis 60 000 Euro.
Es gibt in der Auktion aber auch Werke mit interessantem Schaffhauser Bezug für kleinere Beträge. So etwa Studien zu Glasmalereien für Schaffhauser Familienwappen, zum Beispiel ein Doppelwappen von Hans Caspar Lang (1571–1645) mit den Wappen der von Waldkirchs und von Heidecks (800 bis 1200 Euro). Gar nur 80 bis 100 Euro beträgt der Schätzpreis für ein Buch mit Stimmer-Stichen. Dabei ist das Buch über 400 Jahre alt.
Werden diese Schaffhauser Kunstschätze, allen voran die 13 Lindtmayer-Gouachen, ihren Weg zurück in ihre Heimatstadt finden? Vielleicht sogar in die Sammlung des Museums zu Allerheiligen? Beim Museum gibt man sich – wie immer bei Auktionen – bedeckt. «Wir wissen», sagt Sprecherin Suzanne Mennel nur, «über den Verkauf Bescheid.»




250 000 bis 350 000 Euro: «Christus und die Apostel». 13 Gouachen von Daniel Lindtmayer, 1586. «V. S.» steht für «von Schaffhausen». Die Serie war zuletzt 1997 im Museum zu Allerheiligen ausgestellt worden. Es sind nur noch zwei weitere Gouachen Lindtmayers bekannt. Eine davon befindet sich bereits im «Allerheiligen».
Bilder zvg/Auktionshaus Drouot Paris



15 000 bis 20 000 Euro: Studie von Köpfen von Daniel Lindtmayer, 1595. 1939 und 1998 im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt.



12 000 bis 18 000 Euro: «Schütze» von Daniel Lindtmayer. Studie für eine Glasmalerei, 1572. 30,2 x 21 cm. 1952 in Schaffhausen ausgestellt.

#Alt-Scaphusia

29. November 2017 | Todesanzeige

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unserer lieben Farbenbrüder

Gerold Kunz v/o Spazzo
dipl. Bau-Ingenieur ETH
Generation 1948
1930-2017

Bernhard Müller v/o Moloch
Konzertmeister
Generation 1945
1928-2017

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an die Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 6. Dezember 2017, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Notizen zu Namen

9. November 2017 | Ein Wissenschaftler, der nicht nur im Hirn Muckis hat

Schaffhauser Nachrichten
Dario Muffler

*Silvio Lorenzetti forscht daran, wie Schweizer Sportler erfolgreicher werden können. Im Sportmekka Magglingen nimmt er bald eine leitende Position ein.*

Von der Statur her ist Silvio Lorenzetti eindeutig kein Marathonläufer. An den breiten Schultern sieht man, dass er Kraftsportler ist. Der akademische Weg bis zur Habilitation lässt sich aber eher mit ­einem Marathon denn mit dem Hochreissen einer Hantel vergleichen. Ausdauer hat er also ebenfalls: Seine Habilitation verfasste er auf dem Gebiet des Krafttrainings. Vor Kurzem hielt der Staaner an der ETH Zürich seine Antrittsvorlesung als Privatdozent. Das Thema kommt nicht von ungefähr: Sein Einstieg in das Gebiet der Biomechanik, der Wissenschaft, die sich mit Bewegungsabläufen und Funktionen des Bewegungsapparats ­befasst, kam über seine eigenen Erfahrungen aus dem Kraftsportbereich. Im Powerlifting, einem Dreikampf der Schwerathletik, gewann er sogar einmal den Schweizer-Meister-Titel. «Das Training war für mich immer schon ein Ausgleich zur Schreibtischarbeit», sagt der 43-Jährige, der vor allem wegen seines zweiten grossen Hobbys, der Jagd, bekannt ist. Nun aber befasst er sich neben seinem regelmässigen Training im Fitnesscenter vor allem theoretisch mit Krafttraining. «Es sind relativ einfache Bewegungen, die gut ­geeignet sind, um sie mit dem Computer zu modellieren», sagt er.
Silvio Lorenzetti hält keine ausschweifenden Monologe, eher antwortet er kurz und präzis. Doch er sei einer, der auch mal fünf gerade sein lasse. Wichtig ist ihm auch der Bezug zu Menschen. Das war der Grund, weshalb er sich von seinen akademischen Wurzeln in der Astrophysik löste. «Dort hat mir dieser ­Bezug gefehlt», erklärt er. «In der Biomechanik geht es am Ende des Tages um den Menschen.»
Künftig werden die Menschen, genauer gesagt die Sportler, mit denen er zu tun haben wird, vor allem Leistungssportler sein. Als Leiter des Ressorts Leistungssport an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen wird ihm die Koordination der verschiedenen Unterdisziplinen der Sportwissenschaft unterliegen.
Die Zusammenarbeit mit Spitzensportlern ist kein Neuland für ihn. Bereits an der ETH arbeitete er etwa mit Swiss-Ski, dem nationalen Skiverband. «Das Ziel war, den Start von Ski-Crossern zu analysieren, um ihn zu ver- bessern», erzählt er. Auch im Schwimm- und im Laufsport engagierte er sich schon. Apropos laufen: Wohin sein Marathon führe in den nächsten zehn Jahren? «Ich weiss es nicht, weil ich mich auf das Hier und Jetzt fokussiere», sagt Silvio Lorenzetti. An Visionen mangelt es ihm dennoch nicht.

**Zur Person**

Alter
43

Zivilstand
verheiratet, eine Tochter

Wohnort
Stein am Rhein

Hobbys
Jagd, Krafttraining

Aktuelle Lektüre
­­Commissaire-Maigret-Bücher von Georges Simenon



In seiner Zeit an der Kantonsschule Schaffhausen verbrachte Silvio Lorenzetti viel Zeit im Restaurant Falken.Bild Dario Muffler

#Allgemeines

8. September 2017 | Einmal Note sechs für Kanti-Lehrer

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

Eine aussergewöhnliche Show dürfe die SN bei ihrem Besuch nicht erwarten. Das stellt Mathematiklehrer Giancarlo Copetti zu Beginn seiner Mathestunde in der Klasse 3ma der Kantonsschule Schaffhausen an diesem Dienstagmorgen zunächst klar. «Ich habe nichts Besonderes geplant», sagt er gut gelaunt. Tatsächlich verteilt Copetti ein paar Arbeitsblätter an seine Schüler und schaltet den Beamer ein – mehr nicht. Copetti ist ein Lehrer, der auf ein erprobtes Konzept setzt: erklären, üben, üben, falls nötig gerne noch einmal erklären und erneut üben!
Seit fast 40 Jahren unterrichtet er an der Kantonsschule, lange war er auch Fachvorstand. Vielleicht gerade deshalb ist es für ihn nun eine besondere Freude, dass die Fachschaft Mathematik für ihren Unterricht gestern mit dem Mint-Preis 2017 der ETH Zürich ausgezeichnet wurde. «Mint» setzt sich aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zusammen. Da stellt sich die Frage: Was machen die Mathematiklehrer an der Kanti besser als andere?

**Normalparabel und Co.**
Copetti übt mit seinen Schülern heute die Ableitung der quadratischen Funktion. «Die Steigung ist hier negativ», sagt er und deutet mit dem Kugelschreiber auf einen Punkt auf der Normalparabel, die er an die Zimmerwand projiziert hat. Die Schüler – vor ihnen liegen die Formelsammlung und der Taschenrechner – folgen konzentriert seinen Ausführungen. Mit giftgrünem Markierstift streicht ein Mädchen Formeln auf ihrem Arbeitsblatt an. «Es ist schon spannend», wird Svenja Felix nach dem Unterricht sagen, «vor allem, wenn es gut erklärt wird.» Die 17-Jährige löst ganz gerne Gleichungen. Aber noch lieber hat sie dann doch das Fach Spanisch. Schliesslich ist sie auch im musischsprachlichen Zweig.
Wer an der Kanti die künftigen Mathematiker und Ingenieure kennenlernen möchte, muss auf die vierte Schulstunde warten: Dann unterrichtet Ueli Manz Schüler aus den Klassen 4na und 4nb im Kurs «Anwendungen der Mathematik». Hier werden Fragen gelöst wie: Wie viele verschiedene Anordnungsmöglichkeiten für die 34 Buchstaben des Satzes «Betrachten wir zum Beispiel diesen Satz» gibt es? Die Lösung ist eine 29stellige Zahl. Die Schüler legen voller Tatendrang los.

**Grübeln, bis es dampft**
Man kann fast schon sehen, wie von ihren Köpfen der Dampf aufsteigt, ähnlich einem Computer, der heissläuft. Ein paar tippen eilig auf ihren Taschenrechnern Zahlen ein, andere diskutieren, wieder andere grübeln, die Wange auf die Faust ­gestützt, der Blick ins Leere. Letztere Strategie verfolgt auch der Schüler Gabriel Sonderegger. Mathematik ist eines seiner Lieblings­fächer. «Wobei mich Geometrie nicht so interessiert», sagt er, «mir liegt mehr die Problemlösung.» Solch knifflige Aufgaben zum Beispiel mag er gern. Später will er einmal Ingenieur werden. Den Unterricht an der Kanti findet er super. Und auch die einzige junge Frau in der Runde, Anna Sulzer, kommt gern zu den Mathestunden. Im Mai 2018 stehen die Maturaprüfungen an, doch davor hat sie keine Angst: «Wir werden gut vorbereitet.» Sie will Maschinenbau an der ETH Zürich studieren.

**Der Dialog ist wichtig**
Doch was ist es denn nun, was den Unterricht an der Kanti so gut macht? «Das ist schwer zu sagen», sagt Fachvorstand Michael Barot und zuckt mit den Schultern. Mit Kollegen sitzt er in einer Runde. Sie seien nun mal ein ­gutes Team. Förderlich sei bestimmt auch, dass manche aus der Forschung oder der Industrie kämen. «Uns eint der Idealismus», sagt er, «wir sind überzeugte Lehrer und sehr kommunikativ.» Gerade Letzteres entspricht wohl kaum der gängigen Vorstellung von einem Mathematiklehrer. «Aber wir unterlaufen locker alle Klischees», sagt daraufhin Copetti, um noch hinzuzufügen: «Niemand will bei uns nach einem Lehrbuch unterrichten.» Natürlich gebe es Vorgaben, aber jeder erarbeite andere Unterrichtsmaterialien. Und dann tausche man sich darüber aus. Der Dialog sei das Wertvolle.
Diverse Rückmeldungen geben ihrer Methode recht: Kanti-Schüler würden an der ETH Zürich mit ihren Grundlagen überdurchschnittlich oft auffallen.


**Fachvorstand**

*Auszeichnung erhalten: «Sie sind die Fahnenträger eines inspirierenden Mathematikunterrichts»*

Da haben sich die Mitglieder Fachschaft Mathematik der Kantonsschule aber ordentlich gefreut: Gestern Nachmittag wurde ihnen an der ETH Zürich feierlich der Mint-Preis 2017 überreicht. Die Fachschaft wurde für ihre Leistungen im Unterricht der Fächer Mathematik, ­Informatik, Naturwissenschaft und Technik ausgezeichnet. Neben einer Goldplatinmedaille gab es auch ein Gemälde im Wert von rund 10 000 Franken: Falls es im Fachschaftsraum aufgehängt wird, werden künftig die Gesichter der berühmten Mathematiker Jakob I. Bernoulli und Leonhard Euler auf die Lehrer herabschauen.

Die Laudatio hielt der Professor für Informationstechnologie und Ausbildung, Juraj Hromkovic. Die Fachschaft bestehe aus herausragenden Einzelpersönlichkeiten. Zusammen seien sie die Fahnenträger eines inspirierenden Mathematikunterrichts. Besonders hervorgehoben wurde der Beitrag von Mathematiklehrer Giancarlo Copetti. Er setze jedes Jahr die ETH unter Druck, erklärte Hromkovic. «Wie? Er zündet in seiner Klasse so viel Begeisterung für die exakte Wissenschaft, dass wir hier an der ETH schwitzen, um den hohen Erwartungen seiner Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.» Hromkovic übte aber auch schweizweit Kritik: «In der Schweiz kann man alles erleben. Einen begeisterungsfähigen sowie einen frustrierenden Mathematikunterricht.» Einige Lehrpersonen hätten nun einmal noch nicht verstanden, wie ein erfolgreicher Mathematikunterricht aussehe. Wieder zu den Preisträgern gewandt: «Diese Fachschaft zeigt, wie man voneinander lernen und sich ständig verbessern kann.»(mcg)



Mathematik kann durchaus auch Spass machen: Zusammen mit ihrem Mathematiklehrer Giancarlo Copetti beschäftigen sich diese beiden Schülerinnen im Unterricht mit der Infinitesimalrechnung.
Bilder Maria Gerhard



Freuen sich alle über die Auszeichnung der ETH: (v. l.) Ueli Manz, Fachvorstand Michael Barot, Giancarlo Copetti, Daniel Baumgartner, Brigitta Steinmann und David Stotz. Auf dem Foto fehlen Georg Keller, Michael Gerike, David Maletinsky und Urs Fitze.

#Allgemeines

30. August 2017 | ETH zeichnet Kanti Schaffhausen aus

Schaffhauser Nachrichten
zge

Grosse Ehre für die Kantonsschule Schaffhausen: Die ETH Zürich zeichnet die Schule für «ausgezeichnete und aussergewöhn- liche Leistungen im Unterricht der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik)» aus. Der Preis geht an die Fachschaft Mathematik. «Wir beobachten die Kanti Schaffhausen schon länger», sagt Prof. Dr. Juraj Hromkovic von der ETH. «Die Fachschaft Mathematik leistet wirklich Aussergewöhnliches.» Es sei beeindruckend, wie es die Fachschaft schaffe, Jugendliche für die Mathematik zu begeistern. Dies zeige sich auch an den Leistungen der ETH-Studierenden aus Schaffhausen.

Neben der Kantonsschule Schaffhausen wird auch die Kantonsschule Glarus ausgezeichnet. Am 7. September gibt es eine feierliche Übergabe an der ETH in Zürich.

#Notizen zu Namen

15. August 2017 | «Mit Wehrli-Wösch weisch, wat häsch!»

Schaffhauser Nachrichten
Michael E. Dreher

Dieser Slogan warb jahrzehntelang für das renommierte Textilgeschäft Wehrli an der Ecke Vordergasse 77 und Rathausbogen, wo heute die Buchhandlung Thalia ihr Schaffhauser Domizil hat. Das etwas sentimentale Lied: «Die alten Strassen noch, die alten Häuser noch, die alten Freunde aber sind nicht mehr …», könnte für Schaffhausen lauten «… die alten Geschäfte aber sind nicht mehr.» Der Wandel ist offensichtlich und tief greifend. Der Arme-Leute-Laden Migros, bis 1956 am Fronwagplatz 25 domiziliert, ist längst zum Universalanbieter auf höchster Qualitäts-(und Luxus-)Stufe geworden; Baumärkte, Supermärkte, Gigamärkte sowie der Wegfall vieler Zollschranken haben den Detailhandel in Verbindung mit dem Internet in einer Weise umgekrempelt, wie sich das nur sehr weitsichtige Unternehmer mit USA-Bezug – Trendsetter – vorstellen konnten. Einige Schaffhauser Traditionsfirmen wie etwa die Konditoreien Rohr und Reber, die ehemalige Bäckerei Aschinger an der Oberstadt oder die Zuckerbäckerei Ermatinger sind zwar noch am alten Ort, wenn auch in anderen Händen. Immerhin wird der «Falken» – Stammhaus der Brauerei – nach wie vor und erfolgreich an der Vorstadt 5 geführt, der Zeit zum Trotz.
Auch die angesehene Firma Wehrli gehörte zu den Schaffhauser Spezialgeschäften, die bis in die frühen 1960er-Jahre für ihre Inserate ein bienen- wabenförmiges Logo verwendeten. In jeder «Wabe» waren die andern Spezialgeschäfte eingetragen, wie Sauter (Radio TV), Stierlin (Eisenwaren), Wehrli (Textil), Reinfried (Teppiche), Hablützel (Leder), Bodmer (Spielwaren), Rauch (Mode), Werner (Pelze) und so weiter. Jedes Inserat eines Spezialgeschäfts warb so gleichzeitig für alle andern. So hatten die Schaffhauser Detaillisten schon vor Jahrzehnten mit diesem Werbeauftritt eine Art von Corporate Identity, lange bevor dieser Begriff etabliert war oder an der Hochschule St. Gallen gelehrt wurde.
Ein wegweisender Entscheid für die Zukunft der Altstadtgeschäfte war 1969 die Gründung der Pro City. Paul Pflügl (Tabak Forster) und Eugen Wehrli hatten massgebend zur Formierung dieser Vereinigung für eine lebendige Altstadt beigetragen. Aus dem ehemaligen Detaillistenverband entwickelte sich eine jahrzehntelange und bis heute erfolgreiche Zusammenarbeit, welche auch die Warenhäuser einbezieht.
Zu diesen engagierten Exponenten des in der traditionellen Form untergegangenen Schaffhauser Detailhandels gehörte viele Jahre der Unternehmer Eugen Wehrli, ein Geschäftsherr und Gentleman alter Schule.
Er ist am 1. Juni kurz vor seinem 98. Geburtstag gestorben. Ich kannte ihn seit meinem fünften Lebensjahr, als er mich aus dem Lift in seinem Geschäftshaus befreite, wohin sich das aufgeweckte Kind zwecks Erprobung des mechanischen Aufstiegs begeben hatte, jedoch den Lift nicht mehr unter Kontrolle brachte. Das Geschrei im Schacht war weitherum hörbar, die Befreiung aus dem Lift wurde als Lebensrettung empfunden.

**Freundschaften fürs Leben**
Eugen Wehrli besuchte die Kantonsschule, wo er 1936 der Traditionsverbindung Scaphusia beigetreten war. Man kann füglich sagen, dass er in diesem Lebensbund jahrzehntelange Freundschaften fand. Er pflegte diese auch mit jüngeren Jahrgängen, weshalb er trotz seines hohen Alters nicht vereinsamte. Da sein Elternhaus an der Vordergasse «Zum gelben Horn» heisst, wurde ihm – etwas schlicht – der Vulgo «Hörnli» verliehen. Mit diesem Verbindungsnamen hatte er in Schaffhausen auch weit über die Scaphusia hinaus Verkehrsgeltung.
Obwohl meine Mama Dauerkundin bei Wehrli-Wösch war, kannte ich ihn zunächst nur von flüchtigen Ladenkontakten. Nach meinem Beitritt zur Scaphusia sah ich ihn 1962 erstmals in unseren Farben Blau-Weiss-Blau. Ich fragte angenehm überrascht, ob er auch in der Scaphusia sei, was ja eigentlich zu sehen war. Er antwortete: «Ja, offensichtlich, und von heute an bin ich für dich der Hörnli.» So bot ein Alter Herr und der Erste aus der Welt der etablierten Erwachsenen einem Fuxen das Du an, was damals alles andere als selbstverständlich war.
Aus dieser Geste wurde eine lebenslange Verbundenheit. Wenn ich autofrei in Schaffhausen war, kamen wir immer mal wieder in seiner Wohnung im «Kronenhof» bei einer Flasche Weissem zusammen und diskutierten die Welt von gestern mit den damaligen Exponenten des Raums Schaffhausen. Trotz seiner Zugehörigkeit zur reiferen Jugend war er geistig hervorragend präsent und erzählte interessante Geschichten über seine Zeitgenossen aus Handel und Politik, die längst die Fähre über den Jordan bestiegen hatten. Und wie immer beim Verfassen von Nekrologen tauchen auch jetzt die vielen hervorragenden Persönlichkeiten aus Scaphusia, FDP und Schaffhauser Wirtschaft vor dem geistigen Auge auf, die für uns als Scaphusianer und Studenten wie auch danach mit Rat und Tat da waren, wenn wir ein Anliegen hatten – heute Verpflichtung, es ihnen gleichzutun.
So verbleiben viele gute Erinnerungen an Eugen Wehrli, Freund Hörnli, und das ist, was zählt. Am 4. Juli wurde ihm in voll besetzter St.-Anna-Kapelle mit dem «Gaudeamus igitur» die letzte Ehre erwiesen. Fiducit!


#Notizen zu Namen

12. August 2017 | Natürliche Autorität machte ihn zur Vaterfigur

Schaffhauser Nachrichten

**Nachruf Alt Stadtpräsident Felix Schwank**

Mit Felix Schwank verliert unsere Stadt eine markante Persönlichkeit, die sich während einer langen politischen Laufbahn mit Herzblut für Schaffhausen eingesetzt und auch nach dem Rücktritt aus der aktiven Politik bis ins hohe Alter weiterhin rege am Geschehen unserer Stadt ­Anteil genommen hat.
Felix Schwank war in Romanshorn aufgewachsen und hatte dort die Schulen besucht, bis sein Vater Ende der 30er-Jahre als Postverwalter nach Schaffhausen gewählt wurde. Nach der 1942 bestandenen Maturität leistete ­Felix Schwank längere Zeit Militärdienst. Gegen Kriegsende nahm er an der Universität Zürich das Studium der Rechtswissenschaften auf, welches er im Herbst 1949 mit dem Doktorat abschloss. Nach dem Rücktritt von Verhörrichter Wilhelm Votsch wurde er im Herbst 1951 zum wohl jüngsten Verhörrichter in der Geschichte der Schaffhauser Justiz gewählt. Wenige Jahre später wurde er bereits Staatsanwalt.
Im Jahre 1951 heiratete Felix Schwank Ruth Suter. Ihrer Ehe entsprossen zwei Kinder. Die Wahl zum Stadtschulrat 1956, den er 1959 ein Jahr lang präsidierte, war für den jungen Familienvater ein erster Schritt in die Politik. 1960 wurde der damals erst 38-Jährige in den Schaffhauser Stadtrat gewählt, wo er schnell mit Walther Bringolf zu harmonieren begann. Nach acht Jahren Stadtrat wählten ihn die Schaffhauser – den Schaffhauserinnen war ­damals ja das Wählen und Abstimmen noch verwehrt – zu ihrem Stadtpräsidenten.
20 Jahre blieb Felix Schwank im Amt, unbestritten, wenn auch nicht immer von allen gleichermassen geliebt. Felix Schwank setzte mit einer neuen Bauordnung und der verkehrsfreien Innenstadt wichtige Akzente in der Stadtentwicklung Schaffhausens. Ferner förderte er kulturelle Institutionen wie das Museum zu Allerheiligen, das Stadttheater, Bibliotheken und das Stadtarchiv.

**Hartnäckig, aber respektvoll**
Durch seine klaren Vorstellungen und seinen Willen, zu gestalten statt zu verwalten, prägte er die Stadt während zweier Jahrzehnte. Mit besonderer Hingabe widmete er sich der Förderung von Kunst und Kultur und im Besonderen der Förderung neuer künstlerischer Richtungen. Durch seine natürliche Autorität wie auch durch seine persönliche Ausstrahlung war Felix Schwank zu einer Vaterfigur, zu einem Stadtvater, geworden. Seine Amtszeit ging deshalb auch als «Ära Schwank» in die Geschichte ein. Felix Schwank gehörte nicht zu jenen Politikern, die unauffällig im Strom schwimmen. Er vertrat stets seine eigene Meinung, fand aber auch immer Ansatzpunkte zu vermitteln. Er konnte ein recht unbequemer und hartnäckiger Gesprächspartner sein; doch gaben seine Standpunkte immer wieder zu Diskussionen Anlass, die stets respektvoll und auf demokratische Weise geführt wurden. Die demokratische Ausmarchung von Kontroversen lag ihm sehr am Herzen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, darf mit Anerkennung festgestellt werden, dass Felix Schwank in einer Zeit des raschen Wandels ganz wesentlich zur Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Stadt beigetragen hat.
Nach seinem Rücktritt aus der Politik wollte er eigentlich loslassen, sich seinen vielen sonstigen Interessen widmen, lesen, schreiben, jedenfalls nicht mehr politisieren. Aber so einfach war das nicht, er konnte nicht aus seiner Haut. So wies er in regelmässigen Abständen immer wieder darauf hin, wenn er politische Kurzsichtigkeit oder einfältige Entscheide ortete. «Unverstand» ärgerte ihn. Er war überzeugt, dass, wer die Gegenwart verstehen und gestalten wolle, auch Sinn für Kontinuität haben müsse. Diese historische Verantwortung wurde in seinen Augen von den Politikern und den «ewigen Umorganisierern» oft zu wenig ernst genommen. Dabei, so argumentierte er, dürfe der «Blick in den Rückspiegel», in die Vergangenheit nicht fehlen! In den 1990er-Jahren schrieb er mehrere Bücher, die Erinnerungen zum Inhalt haben. Auch in den «Schaffhauser Nachrichten» erschienen immer wieder Reminiszenzen aus seinem Leben, aus seiner vielseitigen Tätigkeit, in denen seine Ehefrau Ruth eine wichtige Rolle spielte. Für vergangene Ereignisse konnte er sich stets auf seine Tagebuchnotizen verlassen, die er sorgsam aufbewahrte.
Felix Schwank hatte gesundheitlich auch im hohen Alter kaum Probleme, auch im Geist war er jung geblieben. Nur sein Gehör machte ihm zu schaffen. Es war traurig, als er, naturverbunden, wie er stets war, eines Tages sagen musste, «auf einmal hörte ich im Wald die Vögel nicht mehr, plötzlich war es totenstill». Trotzdem wusste er auch damit umzugehen und verfolgte bis in die letzten Tage seines Lebens das Geschehen nah und fern.
Schaffhausen verliert mit Felix Schwank eine bedeutende Persönlichkeit. Der Stadtrat gedenkt seiner in grosser Dankbarkeit und entbietet den Angehörigen sein aufrichtiges Beileid.

Peter Neukomm, Stadtpräsident


**Felix Schwank: Geprägt vom weiten Horizont des Sees**

Felix Schwank zog 1936 von Romanshorn nach Schaffhausen um, wo sein Vater eine Stelle als Postverwalter antrat. Im 1994 erschienenen Buch «Sonnenohr» schildert er im ersten Kapitel diesen Umzug. Eintritt in die Lateinklasse der Realschule, nach einem Jahr Übertritt in die Kantonsschule. Schule empfand der junge Felix oft als Freiheitsberaubung. Zurechtfinden in der neuen Umgebung der Stadt war für den Seebuben nicht einfach. «Ich vermisste den weiten Horizont See, seine Farbe, seinen Duft.» Der Rhein war ein Teilersatz. Rauschen wie ein See konnte der Rhein am Moserdamm, wo die Weite aber vom Cholfirst begrenzt wird. Ich konnte ihn gut verstehen. Mit dem Bürgerort Altnau verbinde auch ich die Weite des Sees.
Weitblick und Orientierung fand mein Vater in der Kultur, der Natur, mit der Familie auf Bergwanderungen. Gesetzte Ziele halfen, Kräfte zu mobilisieren. Schon früh wurde mir klar, dass er keine halben Sachen mochte. So etwa, wenn ich bei Diktatverbesserungen flickte oder Tintenkleckse im Reinheft hinterliess.
Für makellose Reinschrift bewunderte ich später die Stadtrats-Hüttenbucheinträge von alt Stadtschreiber Hans Müller. Die Stadtratshütte ob Lieblosen war ein Ort, wo ich meinen Vater im Kreise anderer Stadtratsfamilien, fernab der Politik und doch politiknah, erfahren konnte. Die Hütte bot Raum zu Begegnungen quer zu politischen Bindungen. Prägend waren auch die Auftritte des Herrn Präsidenten, Walther Bringolf, an diesem Ort. Seine Erzählungen faszinierten die Runde und im späteren Jugendalter auch mich. Ich erahnte, dass Weitblick und Politik keine Gegensätze sein müssen. Visionen für die Zukunft dieser Stadt können verbinden. Das taten sie, begünstigt durch den wirtschaftlichen Boom der 60er-Jahre. Es war eine Zeit, wo führungsstarke Exekutiven gefragt waren.
Mein Vater trug in sich die Flamme der Freiheit, neben seiner Abneigung für halbe Sachen. Diese Flamme offenbarte er uns Kindern beim Geschichtenerzählen. Eine weitere Öffentlichkeit spürte sie in seinen Reden, Texten und seinen Büchern. Die Forderung «Macht aus dem Staat Gurkensalat» der autonomen Jugendbewegung der 1980er-Jahre konnte ihn, den Konzilianten, auf die Palme bringen. «Ihr wisst nicht, was ihr tut, mit solchen Forderungen zu sympathisieren», redete er mir mit Nachdruck ins Gewissen. Weder er noch ich ahnten 1980, dass ein Staat, der Leistungen im Rechtsrahmen wirksam erbringt, einmal «von oben» bedroht sein könnte: durch Laisserfaire in Finanzmärkten, durch supranational organisierte Raubritterzüge auf Vermögen und Steuereinnahmen.

**Deals waren nicht seine Sache**
Die Flamme der Freiheit hat in der Politik keinen leichten Stand, auch in einer Kleinstadt nicht. Um sie und seine Handlungsfreiheit zu schützen, wirkte mein Vater oft unnahbar, ja stur. Als arrogant hatte ich ihn nie erlebt. Kompromisse ja, aber bitte keine Deals nach dem Prinzip «Gibst du mir die Wurst, lösch ich dir den Durst». Er wusste, dass es bei Letzteren immer Dritte gibt, welche einen Preis bezahlen. Er hatte in schwierigen Kantonsschul- und Studienjahren nach dem Tod seiner Mutter selbst erfahren, was es bedeutet, einen solchen Preis zu bezahlen. Über Verletzungen der Seele spricht ein Politiker selten. Mein Vater suchte nach der Pensionierung dazu den Weg der Annäherung über die Bücher mit biografischer Strickleiter «Verdunkelte Tante» und «Sonnenohr». Und er freute sich über Besuche und Gespräche mit Freunden auf der Terrasse an der Randenstrasse. Mit ihm ist ein Freund der Stadt und ein Kind seiner Zeit von uns gegangen.

Othmar Schwank, Rüdlingen



Felix Schwank (1922–2017).
Bild B. + E. Bührer

#Alt-Scaphusia

8. August 2017 | Felix Schwank olim Fit

Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, unsere EMEM und AHAH vom Hinschied unseres lieben Farbenbruders

Felix Schwank olim Fit
Dr. iur.
Generation 1940
1922-2017

in Kenntnis zu setzen. Wir werden das Andenken an den Verstorbenen in Ehren bewahren.

Die Trauerfeier findet am 17. August 2017 um 14 Uhr im Münster zu Allerheiligen in Schaffhausen statt.

Die studentische Totenehrung wird am Mittwoch, 23. August 2017, um 20.00 Uhr im Verbindungslokal stattfinden.

#Allgemeines

25. Juli 2017 | Schäumig!

Coopzeitung Nr. 30
Martin Zimmerli

Shame on you, Journalist, schäme dich, du mit deinen Klischees! Zum Beispiel dem Klischee eines Braumeisters: um die sechzig, Rauschebart, hochgekrempelte Hemds-ärmel, Lederschurz, Body-Mass-Index 30+. Und dann kommt Zdzislaw Koltun daher, 37 Jahre jung, gestylter Dreitagebart, T-Shirt, Jeans und Figur eines Langstreckenläufers. Mit den überkommenen Vorstellungen konfrontiert, lächelt er schelmisch: «Ich kenne sie, es ist nicht das erste Mal.»
Geboren im polnischen Teil Oberschlesiens (daher der vermeintlich zungenbrecherische Vorname – dabei muss man für die korrekte Aussprache lediglich die beiden ersten Buchstaben weglassen und das W durch ein V ersetzen), aufgewachsen in Bayern, Lehre als Bierbrauer, Bundeswehr und Wanderjahre durch mehrere Länder und Getränkebereiche, kam Koltun 2013 zur Brauerei Falken in Schaffhausen. «Die Firma befand sich gerade in einem Generationenwechsel», erzählt er, der bald darauf vom Zweiten zum Ersten Braumeister aufstieg, im Organigramm «Leiter Produktion & Technik, Mitglied der Geschäftsleitung» genannt. Doch aus Titeln macht sich der Chefbrauer nicht viel. «Wenn es darauf ankommt, machen bei uns alle alles», sagt er, das sei der Betriebsphilosophie geschuldet. Da greife auch der CEO mal zum Wasserschlauch und spritze den Boden sauber.
«Ein Schluck Heimat» lautet der Werbeslogan der 1799 gegründeten Brauerei Falken. Sie hat 56 Angestellte, und die tun alles, um den Spagat zwischen Tradition und Innovation zu meistern. Was wiederum nicht zuletzt der Job des Braumeisters ist. «Wir müssen unsere traditionellen Kunden pflegen», sagt Koltun, «müssen aber mit Neukreationen auch den Nagel der Zeit treffen.» Dafür stellt er sich schon mal einen Tag lang in einen Laden oder setzt sich in eine Bar, beobachtet die Kundschaft und spricht sie auf ihr Kaufverhalten an. Und er degustiert sich durch die Angebote der Konkurrenz – «auch um meine Sensorik zu schärfen», wie er augenzwinkernd erklärt.

**Selbstständigkeit als oberstes Ziel**
Und die Resultate seiner Feldforschung? «Statt 0,5-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss machen wir heute solche mit 0,33 Litern.» Das entspreche dem aktuellen Trinkverhalten, vorab im Bereich der Spezialbiere wie Eidgenoss, Stammhaus oder Schwarzer Falke. Dann entwickelte Koltun mit seinen Leuten ein Biermischgetränk mit Äpfeln, das vor allem bei der Damenwelt gut ankommen soll. Und der neuste Coup ist ein Bier mit dem Namen «Hülse», ein geschmacklich austariertes Lagerbier. Noch trendiger und innovativer als das Bier selber sind dessen Verpackungen: einerseits die 100-prozentig wiederverschliess- und recycelbare Halbliterdose, andererseits die 0,33-Liter-Flasche, beide in edlem Mattschwarz, gestylt mit Studenten der Hochschule Luzern. Dazu gehört ein edler Trinkbecher im selben Look.
Solcherlei Innovationen sind es, die der Brauerei Falken AG ihre Selbstständigkeit sichern sollen. Im Moment spricht nichts gegen das Gelingen dieses Vorhabens: Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien des Landes.



Braumeister Zdzislaw Koltun mit einem Teil des Falken-Sortiments

#Notizen zu Namen

6. Juli 2017 | «Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld …»

Schaffhauser Nachrichten
Martin Schweizer

Die Terrasse hoch oben an der Lahnhalde ist reich bepflanzt. Rosen blühen, bei klarer Sicht sieht man weit über die Stadt hinaus bis zu den Alpen. Wenn es nicht gerade Katzen hagelt, empfängt der Gastgeber seine Besucher gewöhnlich in einer schattigen Sitzecke. Kein Wein heute, nur Wasser, es ist heiss. Felix Schwank steht kurz vor seinem 95. Geburtstag, der vom Tod seines Freundes und ehemaligen Stadtratskollegen Jörg Aellig überschattet wird.
Alles dreht sich an diesem Nachmittag um Jörg. Viel geredet wird nicht. Der ehemalige Stadtpräsident hat die Nachricht eben erfahren und ist, entgegen seiner Gepflogenheit, einsilbig. Und bestürzt, seine Miene verrät es, obschon man in den letzten Tagen mit dem Schlimmsten rechnen musste. Felix Schwank hatte seinen Freund und Weggefährten noch vor wenigen Tagen im Kantonsspital besucht. Er schien wieder «zwäg» und fast wie in alten Zeiten etwas aufmüpfig, sicher durfte man aber nicht sein.

**Stille im Wald**
Schwank und Aellig pflegten auch nach ihrem Abschied aus der aktiven Politik einen vergleichsweise engen Kontakt; sie tauschten sich aus, schrieben einander Briefe, aus den Ferien Ansichtskarten. Verabredeten sich zu einem Essen oder telefonierten, was allerdings je länger, je schwieriger wurde. Das Gehör. Schon vor Jahren sagte Felix Schwank: «Weisst du, auf einmal hörte ich im Wald die Vögel nicht mehr» – plötzlich war es totenstill. Traurig. Längst hat sich Schwank zwar arrangiert, bewundernswert klaglos. Doch inzwischen funktioniert sein Gehör überhaupt nicht mehr. Gespräche mit Felix Schwank sind, mit oder ohne Stöpselchen in den Ohren, lautmalerische Seiltänze, an ein klassisches Interview ist nicht mehr zu denken. Trotzdem, trotz der Beschwernis: Was der Meister mit seinen 95 Lenzen denkt und sagt, über Politisches, über Privates, ist und bleibt interessant. Und stockt das Gespräch, schaut man sich für einen Augenblick stumm und vielleicht etwas betreten an – um dann lachend die Anspannung zu lösen und nochmals von vorn zu beginnen.

**Die Patriarchen**
Alles auf Anfang! Heute gibt es allerdings nichts zu lachen, wir verabreden uns auf einen andern Tag. Zu Jörg Aellig und dessen Amtszeit sagt Schwank nur noch, bevor er den Gast in das Bähnchen entlässt, das an der Hanglage zu seiner Wohnung heraufund hinunterzuckelt: «Vor der jeweiligen Arbeit im Stadthaus gab es unter uns oft heftige Auseinandersetzungen. Aber am Ende war alles gut, Jörg und ich waren als Team stark und wussten, es konnte sich einer auf den andern verlassen.»
Ein Understatement, natürlich, denn das Duo Aellig/Schwank schrieb Lokalgeschichte. War in vieler Beziehung aussergewöhnlich und entscheidend für die relativ harmonische Entwicklung der Stadt. Beide ernteten in ihrer langjährigen gemeinsamen Tätigkeit gewiss nicht immer Beifall, die Herren waren auch unbequem, konnten «anecken» und mit ihrem «patriarchalisch oder autoritär wirkenden Stil den Unwillen auf sich ziehen», wie die «Schaffhauser Nachrichten» 1988, am Ende der legendären Ära, notierten.

**«Ich bin kein Greis»**
Felix Schwank, der gross gewachsene Mann mit immer noch intaktem Gedächtnis, gehört zur raffinierteren Sorte – zu jenen ausgefuchsten Politikern, die auf unbequeme Fragen gar nicht erst eingehen. Darum darf man keine Entgegnung auf den angeblichen «patriarchalischen Stil» erwarten. Stattdessen schaut der Chef ins Grüne und erklärt übergangslos, wieso er den Stock bei unserer Begrüssung nicht benutzt habe. Der Einsatz des eigentlich vernünftigen Hilfsmittels wäre seiner Meinung nach durchaus nötig, weil er, Schwank, vor Kurzem im Wohnzimmer unglücklich «gstügelet», lies: gestürzt, sei. Er vergesse den Stock aber häufig, offenbar weil er sich «unterschwellig» einrede: «Ich bin doch kein Greis!»
Ist er nicht, ein Greis, aber mit 95 doch in einem biblischen Alter. Test anderntags bei einem erneuten Anlauf zu einer kreativen Plauderei auf der Terrasse, mit einem Zitat der Hauptperson: «Es gibt kein Leben ohne Politik, es sei denn, man drücke sich davor oder verstehe Politik falsch, nämlich als das, was Sache der andern ist, der Politiker. In einer Demokratie ist jeder Politiker, jeder erwachsene Mensch als Bürgerin oder Bürger in Pflicht genommen.» Prompt jetzt die Antwort: Das mit der Politik könne «jeder halten, wie er wolle». Er, Schwank, habe es hingegen immer vorgezogen, «selbst zu politisieren statt mit mir politisieren zu lassen». Zusatzfrage: Gilt das auch für die lokale Politik – mit ihrer oft beschränkten Wirkung? Das «Beschränkte », bitte schön, will der Senior «überhört» haben, auch in der kleinsten Gemeinde sei «gute Politik» gefragt, die durchaus Wirkung entfalte.
Einverstanden, nächste Frage: Hat Felix Schwank noch Kontakt zu aktiven Politikern, zu freisinnigen Parteifreunden? Da er an Parteiversammlungen kein Wort mehr verstehe, habe er sich «dispensiert». Den Jahresbeitrag bezahle er, Mitglied der FDP seit 1950, aber nach wie vor, und zwar pünktlich. Etwas unvermittelt fügt Schwank hinzu, er habe ein gutes Verhältnis zu seinem jungen Kollegen Neukomm, wörtlich: «Wir können miteinander über alles reden, graue Eminenz bin ich aber nicht.» Die ehemaligen Vorgänger des Stadtpräsidenten, Hess, Wenger, Feurer, schätzt er genauso. Öffentlich äussert sich Felix Schwank aber nicht – nicht mehr – zur städtischen oder kantonalen Politik. So viel lässt sich aber immerhin sagen: Er mag es durchaus, mit den Mannen «seiner Wahl» hin und wieder Tacheles zu reden. Meistens geschieht das per Briefpost.

**Ruth im Mittelpunkt**
Themawechsel: Seit sechs Jahren, nach dem Tod seiner geliebten und in der Öffentlichkeit hoch geschätzten Ehefrau Ruth, lebt Felix Schwank allein in einer relativ grossen Wohnung. Fühlt er sich einsam? Kurze Pause. Dann holt er aus, spricht lange und berührend über Ruth: «Ich hätte bei Weitem nicht das leisten können, was zu leisten war, ohne meine Frau … Mir blieb wenig Zeit für das Familiäre. Da war Ruth der Mittelpunkt. Sie hatte auch die Gabe, mit allen Leuten zurechtzukommen, sei es der Lord of Westminster oder jemand vom Gartenverein.» Es gebe immer wieder Momente, «wo ich die Nähe meiner Frau noch heute stark spüre». Im Übrigen seien da auch sein Bruder, seine Kinder Marianne, Othmar. Die Enkel, Besuche von Freunden und Bekannten, kurzum: «Nein, allein gelassen bin ich nicht!»
Schön. Man glaubt es ihm ganz einfach, fragt sich insgeheim aber dennoch: Darf man einem Politiker eigentlich alles abnehmen? Stimmt es, dass neulich in der Dämmerung ein Fuchs über die Terrasse schlich? Wie kam der Schlaumeier da rauf? «Weiss nicht.» Und wie steht es mit der Behauptung, er, Schwank, könne gut kochen? «Ich, gut kochen? Das ist ein Missverständnis. Mein Problem ist, dass ich das essen muss, was aus meiner Pfanne kommt!» Dagegen der Haushalt: waschen, bügeln, staubsaugen, übersteige seine Möglichkeiten, sagt Schwank und nennt mit grossem Respekt Frau Richter, eine geduldige und liebenswürdige Frau, die seit Jahrzehnten mit der Familie Schwank befreundet ist und, einmal in der Woche, noch immer an der Lahnhalde zum Rechten sieht.

**Die Feder weggelegt**
Felix Schwank werkelt auch im hohen Alter oft und ausdauernd auf der Terrasse in seinem üppig wuchernden Garten. Schneidet Rosen, wässert, läuft mit dem Spaten herum. Nach getaner Arbeit setzt er sich gern in einen Sessel, liest die Zeitung, schreibt. Schwank ist ja auch Schriftsteller. Drei inzwischen vergriffene Bücher sind weit herum bekannt, das «Sonnenohr», die «Verdunkelte Tante», «Der Prophet und die Rauchwürste». Daneben erschienen mehr als 200 vergnügliche und nachdenkliche Erzählungen in den «Schaffhauser Nachrichten». Und im Bibliothekszimmer bewahrt er seine Tagebücher auf, die hier auszugsweise einmal publiziert wurden. Berühmt schliesslich seine kalligrafischen, schwungvoll mit dem Füllfederhalter verfassten Briefe. Aber schreiben, für die Zeitung, wie früher? Nein, da habe er «die Feder weggelegt». Die digitale Welt, meint er, «ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Sie ist zwar da und für die Zukunft wichtig. Doch weil ich zu ihr keinen Zugang habe, ist mein Weltbild inzwischen einseitig und offensichtlich fehlerhaft.» Manche Leute, mahnt er, blieben da heutzutage zurück und könnten unter der neuen Technik «den Boden unter den Füssen verlieren».
Felix Schwank liest dafür viel, sehr viel, und das täglich, neben Zeitungen und Zeitschriften Buch um Buch, Historisches, Biografien, Belletristik. Vor dem Einschlafen im Bett noch einen Krimi, Donna Leon, Agatha Christie. Schweizer Literatur? «Dürrenmatt ist mir näher als Frisch, über allen steht bei mir aber Gottfried Keller.» Allein die Gedichte, «hohe Kunst der Lyrik», zum Beispiel das «Abendlied»:

«Doch noch wandl’ ich
auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden
Gestirn gesellt …»

Anno Domini habe er in Zürich «als Pendler studiert», die Stadt aber «lieb gewonnen» über Kurt Guggenheims «Alles in Allem». Den Enkeln sage er jeweils, das «grossartigste Buch» sei die Bibel. «Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott …» Was gibt es «Bewegenderes als die ersten Sätze aus dem Johannes-Evangelium»?.

**Ein liberaler Geist**
Zurück zum Homo politicus. Es würde interessieren, wie sein Verhältnis zu Walther Bringolf war. Von 1961 bis 1968, also während Bringolfs Präsidialzeit, leitete der nachmalige Stadtpräsident Schwank das städtische Finanz- und Schulreferat. Kann er sich an die Anfänge, an die Sechzigerjahre erinnern? «Ja, klar. Die Zeit möchte ich nicht missen, Bringolf war ein grosser Schaffer und, wo er Vertrauen gefasst hatte, ein guter Kollege », sagt Schwank. Und um ihn, um Felix Schwank, geht es bei einer sehr träfen Würdigung von Norbert Neininger, dem ehemaligen Verleger und Chefredaktor dieser Zeitung, der mit einem Grusswort schon vor fünf Jahren etwas vom politischen Charakter des Jubilars vorweggenommen hat. Er bezeichnete Schwank als «zutiefst liberalen Geist, freisinnig im Denken und Handeln». Und als unvergleichliche Persönlichkeit mit «vorbildlichem Stil» und grossen Verdiensten für die Stadt.
Felix also doch ein Mann ohne Fehl und Tadel? Hat er, in all den zum Teil turbulenten Jahren, alles comme il faut gemacht, politisch, privat? «Was Norbert Neininger seinerzeit über mich geschrieben hat, ehrt mich», sagt der Geehrte, aber auch und selbstkritisch: «Wer tätig ist, macht Fehler. Davor war auch ich nicht gefeit. Die meisten Fehler lassen sich korrigieren. Nur muss man es tun.» Und was, überhaupt, ist letztlich wichtig, wesentlich im Leben? Antwort eines schon ziemlich Abgeklärten: «Je höher man steigt, desto wichtiger wird es zu wissen, dass es einen Höchsten gibt.»
Es kommt in den besten Familien vor, dass der Vater am Küchentisch immer die gleichen Heldentaten auftischt, Militär vorneweg. Das soll bei unserem Gespräch nicht passieren, weshalb wir gleich selber aus dem Repertoire von Felix Schwank schöpfen, der über die angebliche Weisheit des Alters einmal sinnierte: «Dass man von Altersweisheit spricht, hat damit zu tun, dass der Mensch Zeit braucht, um weise zu werden … Das Sehen muss zum Schauen werden, wie beim Sonnenuntergang, der ja auch mehr ist als ein naturwissenschaftliches Phänomen. Weisheit gedeiht am ehesten in der Beschaulichkeit. Man ist den letzten Dingen nahe, auf die der Weise zugeht und über die man eigentlich nicht mehr reden kann.»
Ein schöner Sommerabend kündigt sich auf der Terrasse an – zeitgleich mit den von Felix Schwank nochmals mit vernehmlicher Stimme vorgetragenen Zeilen aus Gottfried Kellers «Abendlied», das wir alle kennen und gleichwohl immer wieder innig mithören und mitfühlen:

«Trinkt, o Augen,
was die Wimper hält,
Von dem goldnen
Überfluss der Welt!»

Punkt. Und dann gilt’s: Herzliche Gratulation, lieber Felix, zum 95. Geburtstag! Kräftiger Händedruck. Und zum Abschied doch noch einen Rosé. Wir erheben das Glas, auch im Gedenken an unseren gemeinsamen verstorbenen Freund.


**Weiter Horizont und kulturelles Engagement**

*Von wenigen Freunden und Weggefährten wollten wir zum 95. Geburtstag von Felix Schwank wissen, möglichst kurz und bündig, wie sie die Amtszeit des Stadtpräsidenten a. D., ausser Dienst, heute beurteilen.*

Viele sind’s. Viele Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt reihen sich heute Donnerstag unter die Gratulanten. 95 Jahre. Und noch in beneidenswert guter Verfassung, geistig, körperlich. Fast drei Jahrzehnte und noch unter Walther Bringolf sass der Jubilar im Stadthaus. Hat engagiert und mit starker öffentlicher Präsenz politisiert, Weichen gestellt. Vorausschauend, zum Wohl der Stadt. Im historischen Lexikon der Schweiz steht dazu: «Felix Schwank setzte unter anderem mit einer neuen Bauordnung und der verkehrsfreien Innenstadt wichtige Akzente bei der Stadtentwicklung und förderte kulturelle Institutionen und Initiativen. In den 1990er-Jahren schrieb er mehrere Bücher, die Erinnerungen und Anekdoten zum Inhalt haben. »
In die Freude über den heutigen Tag mischt sich Dankbarkeit für die erbrachten Leistungen – und wohl auch ein bisschen Nostalgie. Sehnsucht nach der «guten alten Zeit» erwärmt das Herz, auch wenn früher nicht immer alles so rosig war, wie man sich dies rückblickend vorstellen mag. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen.
Dabei, nicht ganz überraschend, wird der Mann mit der Fliege mit Elogen geradezu eingedeckt. Fast nur eitel Sonnenschein.

**Peter Neukomm**, zum Beispiel. Er ortet Gemeinsamkeiten, beide hätten sie einen ähnlichen beruflichen Werdegang, «Felix Schwank ist auch studierter Jurist und wirkte vor seiner politischen Karriere als Stadtrat wie ich als Verhörrichter und Staatsanwalt». Die wirklich schöne Pointe aber folgt noch: «Felix Schwank ist auf den Tag genau 40 Jahre vor mir – ebenfalls im Sternzeichen Krebs – geboren.» Dann Neukomms Lobeshymne: «Für sein langjähriges, erfolgreiches Wirken als Stadtratsmitglied ab 1961 und als Stadtpräsident von 1969 bis 1988 bringe ich ihm grossen Respekt und Wertschätzung entgegen. Unter seiner Ägide wurde die Altstadt 1972 als eine der ersten Schweizer Innenstädte autofrei. Zudem war auch ihm das kulturelle Engagement der öffentlichen Hand sehr wichtig, weil er wusste, dass dies die Qualität einer Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort spürbar positiv beeinflussen kann.» Und weiter: Ihm, Felix Schwank, sei es wesentlich zu verdanken, dass «mit den Hallen für Neue Kunst über mehrere Jahrzehnte eine der weltweit wichtigsten Sammlung zeitgenössischer Kunst in Schaffhausen ausgestellt werden konnte, denn er hatte deren grosses Potenzial schon früh erkannt».

**Kurt Amsler**, ehemals Regierungsrat und danach Direktor der Kantonalbank, lernte Felix Schwank in jungen Jahren durch die Verbindung Scaphusia kennen. Er beeindruckte ihn «durch seine Eloquenz», wirkte damals auf den jungen Amsler aber «etwas abgehoben ». Längst vorbei. Schon während ihrer politischen Tätigkeit in der Stadt und im Kanton sind sich nähergekommen. Heute, im Alter, «fühlen wir uns», so Amsler, «freundschaftlich verbunden », auch dank der Nachbarschaft an der Lahnhalde. Felix glänze immer noch «durch vielfältige Interessen und durch sein beeindruckendes Wissen», kurz und gut: «Die Altersmilde hat uns beide eingeholt, und wir freuen uns auf jede Begegnung.»

Von einer bereichernden Zusammenarbeit spricht **Tina Grütter**, Konservatorin von 1986 bis 2001 im «Allerheiligen ». Felix Schwank war für sie als Stadtpräsident und Museumsreferent die «ideale Persönlichkeit, mit seinem kulturellen Wissen und seiner Intelligenz die Bedeutung des Museums zu erkennen und öffentlich zu vertreten». Kamen irgendwelche Parlamentarier, vom Gemeinderat bis zum Bundesrat, nach Schaffhausen, so veranlasste er, dass sie durch das Museum geführt wurden. Schwank war sehr interessiert und neugierig. Manchmal, erinnert sich Grütter, tauchte er kurz vor der Eröffnung einer Ausstellung unvermittelt im Wechselsaal auf und konnte sich auch kritische Bemerkungen nicht verkneifen, etwa im Stil von: «Mue da gschpässig Bild unbedingt a dere Wand hange?»

Kunst und Kultur standen in jenen Jahren auch für **Arthur Ulmer** im Vordergrund. Zuständig damals in der städtischen Verwaltung für das Personal und hoch motiviert in Bezug auf Kulturbelange wie das Internationale Bachfest und das Stadttheater, erlebte er dabei Felix Schwank als einen äusserst «grosszügigen und zukunftsorientierten Chef von absoluter Zuverlässigkeit ».

**Charles Gysel** wiederum, ein im besten Sinne politisches Urgestein, meint überschwänglich: «Ich habe Felix als Stadtpräsidenten und als Kantonsrat erlebt. Wenn er im Kantonsrat das Wort ergriff, referierte er messerscharf und grundsätzlich. Er war eine sehr belesene Persönlichkeit, was er mit Zitaten immer wieder untermauerte. Und man hat ihm gern zugehört. Wenn er das Wort verlangte, hatte er auch etwas zu sagen, brillant in der Wortwahl und rhetorisch hervorragend. Politisch Andersdenkenden sagte er, was Sache sei – aus seiner Sicht natürlich –, aber stets die Contenance wahrend.» Und, so der Wilchinger und ehemalige Bankdirektor: «Mit Felix Schwank habe ich mich auch in der Förderung von Kunst und Kultur verstanden, zum Beispiel in Bezug auf die Hallen. Bei persönlichen Begegnungen, bei einem Glas Wein, war er zudem ein spannender und witziger Unterhalter.».

Ähnlich erinnert sich **Marcel Wenger**. Felix Schwank habe Schaffhausen in der Kultur und im Rahmen der Schweizer Städte wie kaum jemand zuvor «strategisch bewusst positioniert». Das war laut Wenger «nie einfach in einem Kanton, der auf die Beherrschung der Landschaft durch die Stadt im ‹ancien régime› völlig überreagiert hat und auch heute noch zu viele Gelegenheiten wahrnimmt, die Stadt nicht als urbane Realität, sondern als Konkurrenz zum Kanton zu verstehen». Für Schwank waren dagegen «Augenhöhe und gelebter Föderalismus wichtige Eckpfeiler seines Stadtverständnisses ». Nicht immer habe das einstige Stadtoberhaupt darauf eine positive Rückmeldung erhalten, dabei zeigten «die Irrtümer bei der Zusammenlegung der Polizei oder die massiv gestiegenen Kosten für die Stadt nach der Fusion der Tiefbauämter, wie wichtig eine urbane Hauptstadtkultur in der Politik für Schaffhausen ist».

**Thomas Feurer**, wie Wenger ehemals Stadtpräsident, sagt, gefühlvoll wie eh und je: «So weit wie die Aussicht von seiner Terrasse ist der Horizont des Jubilars. Treffen mit Felix Schwank sind deshalb auch heute noch eindrücklich und ein grosses Vergnügen. In meiner Jugendzeit war er mein langjähriger Stadtpräsident, hoch geachtet, ein wenig gefürchtet und nicht immer auf meiner Linie.» Aber, so Feurer: «Ich bin dankbar, dass ich als einer seiner Nachfolger durch ihn verstanden habe, was dieses Amt ausmacht: Respekt vor den Menschen, Respekt vor der Natur und Respekt vor allen schöpferischen Kräften. Respekt macht mehr Eindruck als Lärm und bringt auch unterschiedliche Anliegen zusammen.».

Das Schlussbouquet kommt von **Martin Schläpfer**, Redaktor der SN zwischen 1977 und 1985 und in der Redaktion unter anderem für die städtische Politik verantwortlich. Schläpfer bringt die damalige zum Teil heisse politische Phase so auf den Punkt: «Als Nachfolger des monumentalen Walther Bringolf gelang es Felix Schwank, den Ruf der renommierten Kulturstadt Schaffhausen noch zu mehren. Im Nachgang zur 68er-Bewegung hielt er die an die Macht drängelnden jungen Linken erstaunlich gut in Schach – dank rhetorischer Schärfe, grosser Menschenkenntnis und feinem Gespür für neue gesellschaftliche Strömungen. Zusammen mit Baureferent Jörg Aellig, seinem kongenialen Mitstreiter, nutzte er die Aufbruchstimmung jener Jahre mit Entschlossenheit und setzte städtebauliche Akzente, die weit über die engen Grenzen Schaffhausens beachtet wurden.» (-zer)


**Zur Person**
*Felix Schwank, alt Stadtpräsident*

Felix Schwank, Dr. iur., von Altnau. Matura in Schaffhausen. Nach Studien an der Universität Zürich unter anderem Verhörrichter, Staatsanwalt, dann Stadtschulrat. Von 1961 bis 1968 städtischer Finanz- und Schulreferent, 1967 bis 1989 Kantonsrat, 1969 bis 1988 Schaffhauser Stadtpräsident. Mitglied der FDP. Buchautor, Zeitungskolumnist. Stiftungsrat der Carl Oechslin-Stiftung.



Jubilar Felix Schwank in seinem geliebten Rosengarten.
Bild B. + E. Bührer



Magistraten beim Kunstgenuss: Felix Schwank und sein Vorgänger Walther Bringolf.
Bild B. + E. Bührer



Ein historisch einmaliges Gruppenbild, entstanden an der diesjährigen Generalversammlung der Kraftwerk Schaffhausen AG vom 16. März 2017 im Park Casino: Da der Stadtpräsident von Amtes wegen VR-Präsident ist, sind traditionell immer auch die ehemaligen Stadtpräsidenten eingeladen. Felix Schwank war nach vielen Jahren wieder einmal dabei. Zufälligerweise kamen neben dem amtierenden auch alle übrigen ehemaligen Stadtpräsidenten, sodass die Gruppe komplett war. Von links nach rechts: Peter Neukomm, Max Hess, Marcel Wenger, Felix Schwank, Thomas Feurer.
Bild zvg

#Notizen zu Namen

6. Juli 2017 | Selbstbewusst hinaus in die Welt

Schaffhauser Nachrichten
Maria Gerhard

Ein Abend, an den die über 130 jungen Frauen und Männer wohl noch lange denken werden: Feierlich wurden ihnen in der Kirche St. Johann in Schaffhausen ihre Zeugnisse für die bestandene Matura und Fachmatura übergeben. Dafür hatten sich zahlreich Eltern, Geschwister, Grosseltern und Freunde eingefunden, fast alle Bänke waren voll besetzt. «Ihr habt einen Meilenstein erreicht!», rief Regierungsrat und Erziehungsdirektor Christian Amsler der Menge von der Bühne aus zu. Die Welt stünde den jungen Menschen nun offen. Allerdings gelte es in Zukunft, noch einige Prü­fungen zu meistern, doch: «Was Sie ­gelernt haben, gehört Ihnen ganz ­allein, dass kann Ihnen niemand mehr weg-­nehmen.» Als selbstbewusste Schaffhauser sollen laut Amsler die Absolventen auftreten. Gleichzeitig ermutigte er sie auch, politische Verantwortung zu übernehmen. «Ob in diesem oder einem anderen Kanton oder für die ­gesamte Schweiz.»
Die eigentliche Maturarede in diesem Jahr hielt jedoch der Radiojournalist Alexander Blunschi, der selbst im Jahr 2000 an der Kantonsschule seine Matura gemacht hatte. Um den jungen Frauen und Männern zu vermitteln, was das damals für Zeiten waren, erklärte er gut gelaunt und unter einigen Lachern: «Wir waren 22 in der Klasse, und nur einer hatte ein Handy, auf dem man gerade mal 50 Nummern speichern konnte.» Facebook habe es noch nicht gegeben; wenn man Tratsch und Klatsch habe austauschen wollen, sei man ans Lindli gegangen. «Und die Kennenlern-App Tinder hiess bei uns noch Kammgarn.» Anschliessend gab er ­ihnen einen guten Ratschlag mit auf den Weg: «Natürlich müsst ihr auch Geld verdienen, aber sucht euch etwas, das ihr gerne macht.» Und sollte sich die Arbeit als nicht erfüllend erweisen, sollten die jungen Menschen auch nicht davor zurückscheuen weiterzugehen: «Denn ihr seid für euer Glück verantwortlich, und das Einzige, was ihr nicht werden sollt, ist verbittert und zynisch.» Ausserdem riet er ihnen eindringlich, den Kontakt untereinander nicht zu verlieren.

**Gelungenes Musikprogramm**
Für das feierliche Rahmenprogramm hatte die Kantonsschule anscheinend alles aufgeboten: Ob das Trompetenensemble, das Streicher­ensemble, das Vokalensemble oder die Jazz-Workshop-Band – sie alle zeigten ihr Können auf gelungene Weise. Doch vor allem der Kammerchor mit fast hundert Sängerinnen und Sängern begeisterte mit «Circle of Life» und «We are the World». Was die Zukunft nun für viele Absolventen der Kanti bringen wird, zeichnete sich wohl mit der Wahl des letzten Liedes ab: Beim Studentenlied «Gaudeamus igitur» («Lasst uns also fröhlich sein») durften schliesslich alle Kirchenbesucher mitsingen.


**Abschluss 2017**
**Die erfolgreichen Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen**

**Musisch-neusprachliches Gymnasium**

Klasse 4ma
*Klassenlehrerin: Suzanne Koradi*

Julian Alvarez, Lohn; Kritsada Aree, Stetten; Frederik Duer, Stetten; Selina Frauenfelder, Flurlingen; Giulia Geier, Thayngen; Corinne Gutknecht, Opfertshofen; Carole Häner, Flurlingen; Johanna Junger, Stein am Rhein; Sereina Landolt, Uhwiesen; Valerie Lenhard, Thayngen; Christian Locher, Schaffhausen; Emanuel Mauch, Flurlingen; Sara Mihic, Schaffhausen; Nevin Oeztürk, Schaffhausen; Debora Riesen, Schaffhausen; Lara Schäffeler, Stein am Rhein; Gianna Schmid, Schaffhausen; Leonie Schmitz, Stein am Rhein; Tiziana Schreiber, Feuerthalen; Gloria Stoll, Osterfingen; Nadja Stübi, Neuhausen am Rheinfall; Simona Volpe, Schaffhausen.

Klasse 4mb
*Klassenlehrer: Roger Staub*

Luise Egestorff, Neuhausen am Rheinfall; Marine Eggli, Schleitheim; Anna Ehlebracht, Dachsen; Linda Gasser, Hallau; Melina Gasser, Wilchingen; Monika Grabski, Beringen; Charles Graham, Schaffhausen; Joachim Jirat, Neuhausen am Rheinfall; Valerie Keller, Beringen; Zora Lanz, Hallau; Leon Marti, Schaffhausen; Robert Matic, Beringen; Irma Omlin, Schaffhausen; Tina Ott, Schaffhausen; Helen Rosenast, Schaffhausen; Seraina Schmed, Schaffhausen; Lina Schurter, Gächlingen; Lieneke Smolders, Schaffhausen; Nino Storrer, Schaffhausen; Jana Weidmann, Schaffhausen; Camille Zbinden, Trasadingen.

**Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium**

Klasse 4na
*Klassenlehrer: Dr. Wolfgang Behschnitt*

Saro Aellig, Dörflingen; Jonas Brütsch, Uhwiesen; Linda Bültemann, Schaffhausen; Corinne Eichholzer, Schaffhausen; Jelena Krizic, Schaffhausen; Nadja Meister, Schaffhausen; Yannis Möckli, Schlatt; Noah Nolè, Neuhausen am Rheinfall; Philip Novak, Stetten; Selina Passafaro, Thayngen; Dennis Sala, Schaffhausen; Johannes Schäfer, Schaffhausen; Jeremy Schenkel, Stein am Rhein; Raphael Schweri, Schlatt; Simon Stamm, Thayngen; Jakob Suter, Bargen; Oliver Vogt, Neuhausen am Rheinfall; Lars Waldvogel, Stein am Rhein; Jonas Wolter, Schaffhausen.

Klasse 4nb
*Klassenlehrer: Peter Rüegg*

Manuel Adassery, Schaffhausen; Selina Aeschlimann, Beringen; Dominik Bohl, Schaffhausen; Muhammed Dogan, Schaffhausen; Nadine Engeler, Schaffhausen; Dominic Fehr, Buchberg; Bogdan Gadzhylov, Schaffhausen; Birger Gross, Beringen; Elias Huber, Beggingen; Valentin Huber, Löhningen; Kevin Illi, Schaffhausen; Gian Klingler, Hallau; Michael Koch, Schaffhausen; Roman Mattoscio, Schaffhausen; Marco Schlatter, Schaffhausen; Anna Schmitt, Hallau; Rafael Sonderegger, Schaffhausen; Frederic Su, Gailingen; Daniel Walter, Beringen; Michael Wanner, Hemmental.

**Sprachlich-altsprachliches Gymnasium**

Klasse 4sa
*Klassenlehrerin: Silvia Nogradi*

Claudio De Rosa, Schaffhausen; Diego Di Santo, Thayngen; Tim Hetzer, Schaffhausen; Theresa Illmer, Schaffhausen; Jennifer Kaninke, Löhningen; Helen Kuhn, Schaffhausen; Seraina Letta, Schaffhausen; Mischa Pfeiffer, Schaffhausen; Yannick Schmuki, Schaffhausen; Lynette Weber, Schaffhausen; Björn Wegberg, Langwiesen; Noemi Zähner, Neuhausen am Rheinfall.

Klasse 4sb
*Klassenlehrerin: Alessandra Palumbo*

Dolker Angotsang, Schaffhausen; Kesang Angotsang, Schaffhausen; Stella Bettini, Beringen; Megan Blandford, Stetten; Giulia Bollinger, Feuerthalen, Ronja Bollinger, Beringen; Chiara Cesaretti, Neuhausen am Rheinfall; Nadine de Breet, Feuer- thalen; Michael Erni, Wilchingen; Dean Gasser, Schaffhausen; Arbijosa Kukleci, Neuhausen am Rheinfall; Pia Leu, Schaffhausen; Dhanya Maliakal, Schaffhausen; Fabienne Ritzmann, Schaffhausen; Linus-Bertil Schmid, Schaffhausen; Annina Stoll, Flur­lingen; Maurice Storrer, Lohn; Lorenz Strologo, Schaffhausen; Maurus Van der Haegen, Schaffhausen; Marc Wanner, Schaffhausen.

**Fachmaturität mit Praxisjahr**

Klasse 4fma
*Klassenlehrer: Boris Bänziger*

Anja Burri, Löhningen; Alina Fürpass, Lohn; Prisca Gasser, Hallau; Jasmin Holderegger, Wilchingen; Teodora Koscica, Schaffhausen; Angela Liberato, Beringen; Vincent Ruppli, Schaffhausen; Jasmin Scherrer, Osterfingen; Vanessa Schlatter, Schaffhausen; Sara Stamm, Schleitheim; Laila Tahiri, Schaffhausen; Lin Zimmermann, Dachsen.

**Fachmaturität Pädagogik**

Klasse 4fmp
*Klassenlehrer: Boris Bänziger*

Leandra De Nardo, Löhningen; Sarah Graf, Ramsen; Emma Krattiger, Beringen; Stella Miori, Neunkirch; Olivia Morath, Schaffhausen; Perla Paradiso, Schaffhausen; Larissa Schmocker, Thayngen; Thi Khanh Ly Tran, Schaffhausen; Nicole Welz, Thayngen.

Legende



Der Anerkennungspreis der Verbindung Munot für die beste Maturaprüfung wurde Linus-Bertil Schmid von Richard Ronner überreicht.
Bild Selwyn Hoffmann

#Notizen zu Namen

5. Juli 2017 | Grenzsteine erzählen Geschichten

Zürcher Oberländer
Ursula Binggeli, sfd

Es gab einmal eine Zeit, da nahm man in gewissen Gegenden beim Setzen eines neuen Grenzsteins stets die Jungmannschaft mit aufs Feld. Die Schaufeln flogen, das Loch wurde tiefer und tiefer – und kurz bevor der grosse Grenzstein hineingestellt wurde, deponierte man darin ein geheimes, kleines Objekt aus Ton, Keramik oder Glas, den sogenannten Zeugenstein.
Diesem war eine wichtige Aufgabe zugedacht: Er sollte später bei Grenzstreitigkeiten die ursprüngliche Platzierung des Marchsteins markieren. Dann wurde noch ein Bub an beiden Beinen gepackt und ohne viel Federlesen kopfvoran für kurze Zeit ins Loch gehängt; wieder draussen, gab es einen zünftigen “Chlapf hinter d Ohre”. Das Prozedere sollte dafür sorgen, dass der Bub die Lage des Marchsteins sein Leben lang nicht vergass und dieses Wissen in die Zukunft tragen konnte.

**Vergessenes Dasein**
“Grenzsteine erzählen Geschichten”, sagt Christian Birchmeier. Dass sich manche von ihnen historisch belegen lassen, fasziniert ihn immer wieder von Neuem. Der 65-jährige Geograf und Militärhistoriker verbringt jede Woche mehrere Stunden im Staatsarchiv Schaffhausen und widmet sich dort mit Akribie der Erforschung der alten March- und Zeugensteine in seinem Heimat- und Wohnkanton.
Ein paar Grenzsteine sind heute in Lokalmuseen zu besichtigen. Das älteste noch erhaltene Exemplar befindet sich im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen – es datiert von 1535. Andere sind zum Ausflugsziel für historisch Interessierte geworden, so etwa der “Schwarze Stein”, der am weitesten nördlich gelegene Grenzstein der Schweiz: Über ihn haben die Schaffhauser einst vom Gericht mit Verbannung belegte Personen aus dem Land gejagt.
“Ein Grossteil der Steine befindet sich aber verstreut und versteckt in der Landschaft und fristet ein einsames, vergessenes Dasein”, sagt Christian Birchmeier. Gerade kürzlich hat er wieder einen von ihnen gefunden, auf dem Randen, dem Höhenzug im Norden des Kantons – stark überwuchert, die Jahreszahl jedoch noch erkennbar: 1643.

**Schachtel um Schachtel**
Weitere Entdeckungsreisen im Freien sind im Moment nicht angesagt, weil Christian Birchmeier zuerst in monatelanger Arbeit die unzähligen Schachteln durchforsten will, die ihm der Staatsarchivar bereitgestellt hat: Vergilbte Gemeinderechnungen, mit aufwendigen Siegeln versehene March- und Bannbeschriebe, abgefasst in zum Teil nur schwer entzifferbarer Handschrift.
In allen von ihnen können sich Hinweise auf Grenzsteine finden; meistens handelt es sich dann um minutiöse Beschreibungen. Weil Grenzsteinsetzungen stets eine Sache der Obrigkeit waren, wurden sie entsprechend dokumentiert.
Akten durchsehen, Listen anfertigen, Kategorien anlegen, Überblick schaffen – so umschreibt Christian Birchmeier sein Vorgehen. Systematisch, geduldig, neugierig. “Jede Schachtel ist für mich wie eine Wundertüte: Ich öffne die Schleife, die sie zusammenhält, hebe den Deckel und gucke gespannt hinein.”
In den stillen Stunden im altehrwürdigen Lesesaal des Staatsarchivs blättert Christian Birchmeier langsam Seite um Seite um, “immer voll Ehrfurcht vor der Arbeit der damaligen Feldmesser”, und freut sich, wenn er – wie etwa in einem Bannbeschrieb von 1656, dem Jahr, in dem Schaffhausen einem süddeutschen Grafen das Klettgau abkaufte – aufs Mal Angaben zu vielen neu gesetzten Marchsteinen finden kann, “alle genauestens kartografiert”.
Zwar interessiert sich Christian Birchmeier dabei primär für Hinweise auf Zeugensteine, aber er kann sich auch ob anderer Funde begeistern. Unvergesslich bleibt etwa der Moment, als er in einer Schachtel mit Plänen und Bannbeschrieben auf Holzmodelle von Grenzsteinen aus dem Jahr 1657 stiess, jedes etwa 15 cm hoch. “Ein Highlight.”
Aber mehrheitlich gleiche seine Forschungstätigkeit dem berühmten Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, sagt er. Und fügt an: “Setzen Sie Ihren Bericht doch unter den Titel: Freizeitbeschäftigungen eines pensionierten Schulmeisters.”

**Ziel: ein Buch**
Christian Birchmeier ist seit 40 Jahren als Lehrer tätig, zuerst an der Kantons-, danach an der Berufsschule. Seit 25 Jahren nehme er keine Arbeit mehr mit nach Hause, sagt er. “Da habe ich konsequent Grenzen setzen müssen; nur so habe ich mir genügend Freiraum für alles andere schaffen können.”
Nun freut er sich auf den Sommer – Ende Schuljahr 16/17 geht er in Rente und wird noch mehr Zeit haben, seine vielfältigen Interessen und Aktivitäten zu pflegen: die Philatelie, den Aufbau und Unterhalt von Archiven wie demjenigen des Männerchors Stein am Rhein, den Hüttenwartjob in der SAC-Hütte Hasenbuck auf dem Randen, das Verfassen lokalhistorischer Zeitungsartikel – und natürlich die Grenz- und Zeugensteinforschung.
Anders als im Nachbarkanton Zürich, wo Grenzsteine von Amtes wegen inventarisiert werden, und anders als im nahen Deutschland, wo sie als Kleindenkmäler gelten und entsprechend öffentliche Zuwendung geniessen, kümmere sich in Schaffhausen niemand gross um sie, sagt Christian Birchmeier. “Nun mache das halt ich – auf eigene Faust. Soviel ich weiss, bin ich der Einzige im Kanton.” Seine Erkenntnisse will er, wenn die letzte Archivschachtel durchgesehen und die anschliessende Feldarbeit dann ebenfalls abgeschlossen ist, in einem Buch festhalten.

**Grenzbetrachtungen**
Woher rührt sein grosses Interesse am Thema Grenzmarkierungen? Als Geograf sei ihm diese Materie halt vertraut, sagt Christian Birchmeier. Und sicher spiele es eine Rolle, dass er in Schaffhausen gross geworden sei und schon früh erfahren habe, dass eine Grenze die Welt in hüben und drüben teile.
Prägend waren später dann die zwei Jahre, in denen er als Angehöriger der neutralen Überwachungskommission für den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea Teil der ältesten friedensstiftenden Mission der Schweizer Armee war. “Ich war ein junger Mann damals, und in Korea zu erleben, was eine hermetisch geschlossene Grenze bedeutet, hat mich zutiefst beeindruckt.”
Manchmal kommt Christian Birchmeier ob all dem ins Philosophieren. Er ist überzeugt, dass es Grenzen braucht, zwischen Ländern, zwischen Menschen. Anders sei ein gutes Zusammenleben nicht denkbar – da ist er sich ganz sicher. “Aber die Grenzen müssen durchlässig sein.”
So ist er denn an einem schönen Sommertag gerne mit seinem Weidling auf dem Rhein unterwegs, der die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz bildet, und lässt sich von der Strömung genüsslich zwischen den beiden Ländern hin und her treiben.



Christian Birchmeier verbringt jede Woche mehrere Stunden im Staatsarchiv Schaffhausen
Bild: Keystone