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Wenn ich einmal der Herrgott wär!

Text

  1. Wenn ich einmal der Herrgott wär, mein Erstes wäre das: Ich nähme meine Allmacht her und schüf ein grosses Fass, ein Fass, so gross als wie die Welt, ein Meer göss ich hinein [: von einem Belt zum andern Belt von Rüdesheimer Wein! :]
  2. Wenn ich einmal der Herrgott wär, mein Zweites wäre das: Ich nähme meine Allmacht her und schüf ein grosses Glas, ein Glas, so hoch als wie der Mond und wie die Erde rund, dass auch des Trinkens sich’s verlohnt, setzt ich es an den Mund!
  3. Wenn ich einmal der Herrgot wär, mein Drittes wäre das: Ich nähme mein Allmacht her, tränk’ täglich so ein Mass. O welche Wonne wäre nun in solchem Zug und Druck, da könnte man sich gütlich tun an einem tücht’gen Schluck!
  4. Und hätt’ ich nach so manchem Tag das Fass so rein gefegt, dass sich bei noch so derbem Schlag kein Tröpfchen mehr drin regt, dann würf ich auf die Beine mich und fing laut an zu schrei’n: «Lass mich, o Gott, ich bitte dich, noch einmal Herrgott sein!»

Ed. Amthor, 1841