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Rota Scaphusiana

Text

  1. Die Jugendzeit im Frühlingskleid lacht frei und schön: Als Fuxe im Pennal, als Bursch’ am Munotball. Zur Tat bereit in Freud und Leid die Welt zu seh’n. Dein Schatz ist dir ja gut, stickt einen Zirkelhut. Ein Ständchen nach dem Budenrauch mit Lebenslust im Bauch: seht wie es in uns gärt bis alles leicht verklärt nach Fackelzug und Weidlingsnacht aus Bierschaum jäh erwacht. Und ist die Welt auch einmal grau, dem Herzen trau: Scaphusia, Scaphusia bleibt Blau-Weiss-Blau.
  2. Der junge Mann, der alles kann, zieht froh hinaus: dies ist mein Mut und Sinn, dort will ich heut’ noch hin. So fängt es an, führt steil bergan: Beruf und Haus. Der «Besen» schenkt als Frau dir Kindermorgentau. Doch bald ergreift dich Alltagshast und Hoffnung weicht der Last. Die Ideale weit, für Freunde bleibt kaum Zeit. Am Nagel hängt das Burschenband wie ein vergess’nes Pfand. Und scheint die Welt auch noch so rau, dem Herzen trau: Scaphusia, Scaphusia glänzt Blau-Weiss-Blau.
  3. Das Haar ergraut, der Herbst erblaut. Nimm Farbe an! Lass Haben, Rang und Schein, schenk dir gelassen ein! Was du geschaut, was du verbaut im Lebensplan: Beweis’ dir nicht was misst, nur werde, der du bist! Die andern mögen anders sein wie selt’ne Sorten Wein: Der Stamm nimmt alle auf. Herz geht beim Bummeln auf. Hallt gar ein Kantus durch den Raum, neckt dich ein ferner Traum. Und treibt die Welt es wüst und flau, dem Herzen trau: Scaphusia, Scaphusia grüsst Blau-Weiss-Blau.
  4. Still folgt dem Fest des Lebens Rest in Pein und Müh’: Der Altherr bald ein Greis, und vieles dreht im Kreis. Was auch «gewest», wir stellen fest: ‘s ist noch so früh zum Danken oder Hohn. Das war es also schon? Beim Wandern bleibt nun mancher aus: jetzt ist das Grab sein Haus. Welch Sinn für Arm und Reich? Zuletzt sind alle gleich. Was war ich Dir? Gib mir die Hand, dein Glas wirf an die Wand! Ja stürzt auch ein der Weltenbau, ich weiss genau: Scaphusia, Scaphusia war Blau-Weiss-Blau.

Festlied zum 150. Stiftungsfest; Proper, 2008