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Perkêo

Text

  1. Das war der Zwerg Perkeo im Heidelberger Schloss, an Wuchse klein und winzig, an Durste riesengross. Man schalt ihn einen Narren, er dachte: «Liebe Leut, [: wär’t ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut! :]
  2. Und als das Fass, das grosse, mit Wein bestellet war, da ward sein künft’ger Standpunkt dem Zwergen völlig klar. «Fahr wohl!», sprach er, «o Welt, du Katzenjammerthal, was sie auf dir hantieren, ist wurst mir und egal.»
  3. Perkeo stieg zum Keller, er kam nicht mehr herfür und sog bei fünfzehn Jahre am rheinschen Malvasier. War’s drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht, und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht.
  4. Als er zum Fass gestiegen, stand’s wohlgefüllt und schwer, doch als er kam zu sterben, klang’s ausgesaugt und leer. Da sprach er fromm: «Nun preiset, ihr Leut’, des Herren Macht, die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht.»
  5. Perkeo ward begraben. - Um seine Kellergruft beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft. Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht: Weh ihm! als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt!

V. Scheffel, 1846

Noten