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Heidelberg, du Jugendbronnen

Text

  1. Heidelberg, du Jugendbronnen, Zauberin am Neckarstrand, so ein Flecken sich zu sonnen, gab der Herrgott keinem Land. Schläger klirren, Gläser klingen, alles atmet Frohnatur, selbst im Laub die Vöglein singen: Gaudeamus igitur!
  2. Schäumend tosten hier die Becher und Herrn Otto Heinrich galt’s, der berühmter noch als Zecher, denn als Graf der schönen Pfalz. Nur sein Burgzwerg traf’s noch besser, der ging recte gleich zum Spund und das grösste aller Fässer schlürft’ er aus bis auf den Grund.
  3. Seine Tat, so kühn gelungen, lebt im Lied unsterblich fort, und der Sänger, der’s gesungen, ragt in Erz gegossen dort. Schar um Schar zum Scheffelhaine wogt empor auf Waldespfad und «Altheidelberg, du feine» tönt’s dort oben früh und spat.
  4. Frohe Stadt, zum Unterpfande, dass dein Glück dich nie verlässt, grüsst vom hohen Dachesrande ein verschwieg’nes Storchennest. Hei, wie han’s die lebensfrischen Weiblein hier so gut bestellt, geht der Storch im Neckar fischen, kommt was Lustiges zur Welt.
  5. So gedeiht bei Storch und Kater fröhliche Studentenschaft, brausend klingt der Landesvater stets bei Wein und Gerstensaft. Prosit deinem Sangesmeister, Prosit deinem grossen Zwerg, Scheffels und Perkêos Geister walten über Heidelberg!

Graf Albr. Wickenburg, 1888

Melodie

Heidelberg, du Jugendbronnen (mp3)