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Der Überfall

Text

  1. Und wieder sprach der Rodenstein: «Hallo, mein wildes Heer! In Tiefschluckhausen fall ich ein und trink den Pfarrer leer! Raus da, raus da aus dem Haus da, Herr Pfarr, dass Gott euch helf, gibt’s nirgends mehr ‘nen Tropfen Wein, des Nachts um halber zwölf?»
  2. Der Pfarr, ein tapfrer Gottesmann, trat streitbar vor das Tor, mit Weihbrunn, Skapulier und Bann die Geister er beschwor: «Naus da, naus aus dem Haus da! Dass euch der Satan helf, kriegt ihr ein’ einz’gen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf!»
  3. Doch fröhlich brummt der Rodenstein: «O Pfarr, ich fang’ dich doch: Ein Geist, der nicht zum Tor kommt rein, probiert’s am Kellerloch! Nein da, nein da zu dem Wein da! Hurra, wir sind schon drin! Sein Keller ist nicht schlecht besetzt, hurra, wir trinken ihn!»
  4. O armes, frommes Pfarrerherz, heut’ hat der Böse Macht! Vergeblich rief er kellerwärts, dass das Gewölbe kracht: «Schwein da, Schwein da bei dem Wein da! Heisst das sich aufgeführt? So lasst mir doch die Kompetenz, die einem Pfarr gebührt!»
  5. Und als die Glocke ein Uhr schlug, das Heer sang dumpf und hohl: «Herr Pfarr, Herr Pfarr, jetzt han wir g’nug, Herr Pfarr, jetzt lebet wohl! Raus jetzt, raus jetzt aus dem Haus jetzt! Herr Pfarr, und bleibt gesund, ‘s fliesst nirgends mehr ein Tropfen Wein aus Krug, aus Hahn und Spund!»
  6. Da flucht der Pfarr: «Ich dank recht sehr! Schwernot! ‘s ist alles hin, so will ich selbst im wilden Heer als Feldkaplan mitzieh’n! Naus jetzt, naus aus dem Haus jetzt, Herr Ritter ich schlag ein! Ist all mein Wein zum Teufel, soll ein and’rer Pfarrherr sein!»