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Altes Städtchen

Text

  1. Mitten zwischen weiten Hügeln liegt ein Städtchen still verträumt, von den Türmen, von den Giebeln, weht der Geist, der es umsäumt. Weht der Geist aus alten Tagen, als noch Mauer, Tor und Turm dieses Städtchen fest umgaben, trotzig gegen Feindes Sturm.
  2. Enge Winkel, enge Gassen, schlafen schon manch hundert Jahr, und ein Brünnlein schwatzt gelassen, wie so schön es damals war, als noch stolze, edle Ritter zogen in die heisse Schlacht, auf dass nie ein Kriegsgewitter Schloss und Stadt zuschanden macht.
  3. Jene Zeiten sind vorüber, Träume sind des Brünnleins Lied, Moos und Unkraut wachsen drüber, dass kein Auge sie mehr sieht. Hast und Eile herrscht im Städtchen, Lärm und Zank der neuen Zeit, doch auch sie ist nur ein Blättchen in dem Buch der Ewigkeit.
  4. Manchmal, wenn zur Geisterstunde still der Mond herniederblickt, wird aus jugendfrischem Munde, jene alte Zeit verjüngt. Und Thurgoviens Burschen singen Lieder von gar manchem Held, ewig mögen sie erklingen durch das Städtchen Frauenfeld!

Paul Müller v/o Urban, 1942