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Schäumig!

Dienstag, 25. Juli 2017

In Schaffhausen schafft Braumeister Zdzislaw Koltun den Spagat zwischen Tradition und Innovation.

Coopzeitung Nr. 30
Martin Zimmerli

Shame on you, Journalist, schäme dich, du mit deinen Klischees! Zum Beispiel dem Klischee eines Braumeisters: um die sechzig, Rauschebart, hochgekrempelte Hemds-ärmel, Lederschurz, Body-Mass-Index 30+. Und dann kommt Zdzislaw Koltun daher, 37 Jahre jung, gestylter Dreitagebart, T-Shirt, Jeans und Figur eines Langstreckenläufers. Mit den überkommenen Vorstellungen konfrontiert, lächelt er schelmisch: «Ich kenne sie, es ist nicht das erste Mal.»
Geboren im polnischen Teil Oberschlesiens (daher der vermeintlich zungenbrecherische Vorname – dabei muss man für die korrekte Aussprache lediglich die beiden ersten Buchstaben weglassen und das W durch ein V ersetzen), aufgewachsen in Bayern, Lehre als Bierbrauer, Bundeswehr und Wanderjahre durch mehrere Länder und Getränkebereiche, kam Koltun 2013 zur Brauerei Falken in Schaffhausen. «Die Firma befand sich gerade in einem Generationenwechsel», erzählt er, der bald darauf vom Zweiten zum Ersten Braumeister aufstieg, im Organigramm «Leiter Produktion & Technik, Mitglied der Geschäftsleitung» genannt. Doch aus Titeln macht sich der Chefbrauer nicht viel. «Wenn es darauf ankommt, machen bei uns alle alles», sagt er, das sei der Betriebsphilosophie geschuldet. Da greife auch der CEO mal zum Wasserschlauch und spritze den Boden sauber.
«Ein Schluck Heimat» lautet der Werbeslogan der 1799 gegründeten Brauerei Falken. Sie hat 56 Angestellte, und die tun alles, um den Spagat zwischen Tradition und Innovation zu meistern. Was wiederum nicht zuletzt der Job des Braumeisters ist. «Wir müssen unsere traditionellen Kunden pflegen», sagt Koltun, «müssen aber mit Neukreationen auch den Nagel der Zeit treffen.» Dafür stellt er sich schon mal einen Tag lang in einen Laden oder setzt sich in eine Bar, beobachtet die Kundschaft und spricht sie auf ihr Kaufverhalten an. Und er degustiert sich durch die Angebote der Konkurrenz – «auch um meine Sensorik zu schärfen», wie er augenzwinkernd erklärt.

Selbstständigkeit als oberstes Ziel
Und die Resultate seiner Feldforschung? «Statt 0,5-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss machen wir heute solche mit 0,33 Litern.» Das entspreche dem aktuellen Trinkverhalten, vorab im Bereich der Spezialbiere wie Eidgenoss, Stammhaus oder Schwarzer Falke. Dann entwickelte Koltun mit seinen Leuten ein Biermischgetränk mit Äpfeln, das vor allem bei der Damenwelt gut ankommen soll. Und der neuste Coup ist ein Bier mit dem Namen «Hülse», ein geschmacklich austariertes Lagerbier. Noch trendiger und innovativer als das Bier selber sind dessen Verpackungen: einerseits die 100-prozentig wiederverschliess- und recycelbare Halbliterdose, andererseits die 0,33-Liter-Flasche, beide in edlem Mattschwarz, gestylt mit Studenten der Hochschule Luzern. Dazu gehört ein edler Trinkbecher im selben Look.
Solcherlei Innovationen sind es, die der Brauerei Falken AG ihre Selbstständigkeit sichern sollen. Im Moment spricht nichts gegen das Gelingen dieses Vorhabens: Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien des Landes.




Braumeister Zdzislaw Koltun mit einem Teil des Falken-Sortiments

Autor: Coopzeitung

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