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«Wir haben die Zukunftsliste in der Schublade»

Samstag, 9. Dezember 2017

Offiziell pensioniert und immer noch für die Brauerei tätig – Falken-Präsident Philipp Moersen erzählt, wie er die Zukunft des Schaffhauser Unternehmens sieht und warum für ihn künstliche Intelligenz in der Brauerei ­undenkbar ist.

Schaffhauser Nachrichten
Jeannette Vogel

Interview Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates der Brauerei Falken

Herr Moersen, was macht das Jahr 2017 für Sie so besonders?
Es gab zwei Highlights. Zum einen ist das Projekt Gär- und Tanklager jetzt abgeschlossen, wir haben dafür über fünf Millionen Franken investiert. Es gab weder Verzögerungen noch Mehrkosten, das freut mich natürlich sehr. Zum anderen bin ich seit diesem Sommer offiziell pensioniert.

*Sie sagten vor einem Jahr: «Wir bringen die Brauerei technisch auf den neuesten Stand, dann trete ich kürzer.» Haben Sie nun alle Schlüssel abgegeben?
Nein, die behalte ich. In dieser Brauerei steckt viel von meinem Herzblut. Zudem ist unsere Familie ein namhafter Miteigentümer des Unternehmens. Ich habe aber im unternehmerischen Bereich ganz das Zepter an Geschäftsführer Markus Höfler übergeben.

Mit dem Dosenkompetenzzentrum, auf dem Sie auch für Dritte abfüllen, hat sich Falken seit 2013 ein zweites Standbein aufgebaut. Ein wichtiger Schritt – aber die Anlage soll bereits zu klein sein. Stimmt das?
Alle kleineren Brauereien mussten im Ausland abfüllen, wir auch. Als wir uns entschlossen, unsere ­eigene Anlage zu bauen, legten wir die Planung für Drittabfüllungen auf sechs Millionen Dosen pro Jahr aus. Doch wir sind flexibel und kommen dem Konsumentenbedürfnis nach. ­Inzwischen füllen wir jährlich rund 16 Millionen Dosen für Dritte ab. Die Anlage hat aber noch Luft nach oben, sie ist also nicht zu klein.

Die Brauerei Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien der Schweiz. Wird das in absehbarer Zukunft auch so bleiben?
Es ist ein Blick in die Kristallkugel, aber ja, wir bleiben unabhängig. Wir bezeugen mit den hohen Investitionen der letzten Jahre wie der Dosenabfüllanlage und dem Gär- und Tanklager ganz klar unseren Willen dazu.

Werfen wir einen weiteren Blick in die Kristallkugel. Wie sieht das (Falken-)Bier der Zukunft aus, und wie schmeckt es?
Mit der «Hülse» haben wir bereits ein Bier der Zukunft. Ein unfiltriertes, untergäriges Lagerbier. Innovativ und in der Schweiz einmalig ist die wiederverschliessbare Dose. Es ist ein Bier mit Stil und mehr als nur ein Durstlöscher. Ich freue mich darauf, wenn das Prinzip des Verschlusses zum ersten Mal kopiert wird, denn dann weiss ich, wir haben es gut gemacht.

Die metallgraue «Hülse» mit dem weissen Schriftzug und der Hopfenblüte ist nur schon rein optisch kein typisches Falken-Bier.
Das stimmt. Zwar richten wir uns auf den Raum Schaffhausen aus, das hat oberste Priorität, mit der «Hülse» wollen wir aber generell Swissness demonstrieren und die ganze Schweiz beliefern. Damit gehen wir ­einen neuen, modernen Weg.

AI steht für «Artificial Intelligence», also künstliche Intelligenz. So nennt sich ein Bier aus England, ­ an dessen Rezeptur die Biertrinker mitwirken. Anhand der gesammelten Daten ­verändert ein Algorithmus das Rezept – ist das auch bei Falken denkbar?
Nein. Wir sind eine Traditionsbrauerei. Es ist richtig, am technischen Fortschritt zu arbeiten. Aber wir suchen die Nähe zum Kunden und reden mit ihm und lassen nicht einen Computer entscheiden und den unsere gesamte Arbeit machen.

Die Zahl der Kleinstbrauereinen steigt. Beispielsweise in Ramsen mit rund 1400 Einwohnern wird das lokale ­Gnädinger Bräu hergestellt, aber vor allem Gässli-Bräu gibt mächtig Gas. Wenn das in allen ­Dörfern und Städten so geht, wird Ihr Stück vom Kuchen ­immer kleiner. Sind Ihnen diese Mikrobrauereien ein Dorn im Auge?
Grundsätzlich finde ich diese Entwicklung positiv. Wir haben inzwischen rund 800 Brauereien in der Schweiz und zusätzlich ein paar Badewannenbrauer. Dadurch gibt es die verschiedensten Biersorten und neue Geschmackserlebnisse. Das Bier bekommt einen neuen, höheren Stellenwert, den es auch verdient. Andererseits ist es richtig, dass das Kuchenstück für jeden Einzelnen etwas kleiner wird. Grund zur Klage haben wir aber nicht.

Wer allerdings mit offenen Augen durch Getränke- oder Supermärkte läuft, sieht ein wachsendes Bier- sortiment – freche Namen, neue Geschmacksrichtungen, exotische Herkunftsländer. Wohin soll das noch führen?
Die Gastronomie verliert, der Detailhandel wächst. Auch die Nähe zur Grenze war schon immer da. Das ist so, jammern hilft nichts. Der Markt ist vielfältig, das kann man auch als Chance sehen.

Worauf fokussiert sich die Brauerei Falken 2018?
Wir planen keinen «big bang». Es gibt natürlich eine Zukunftsliste, die können wir bei Bedarf jederzeit aus der Schublade ziehen. Aber erst mal wollen wir das Bestehende weiterentwickeln. Die Arbeit geht uns definitiv nicht aus.

Die Falken-Generalversammlung ist ein wichtiger Anlass im gesellschaft­lichen Kalender. Ein Eintrittsbillett in Form einer Aktie (Aktienkurs um 13 700 Franken) ist aber schwer aufzutreiben. Wie wird man Falken-Aktionär?
Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder bei der Bank anklopfen, es gibt immer wieder einzelne Aktien. Oder einem guten Freund eine Aktie abkaufen.



«Die Schweizer Biere erleben eine Renaissance»

Der bisherige Verwaltungsratwurde gestern Abend an ­der Generalversammlung der Traditionsbrauerei Falken für weitere drei Jahre gewählt.

Über 430 Personen fanden gestern Abend den Weg an die ­ordentliche Generalversammlung der Schaffhauser Brauerei im Schaffhauser Park Casino. Genau um 17.30 Uhr ergriff Philipp Moersen, Präsident des Verwaltungsrates, das Wort. Er habe ein gewisses Verständnis dafür, dass einige Schaffhauser den Verlockungen der günstigen Preise im nahen Ausland nicht immer widerstehen könnten. Gleichzeitig hielt er fest, dass die Brauerei ihr Geld hauptsächlich in der Region verdient und es auch hier ausgibt. So für das fünf Millionen teure Gär- und Tanklager – es ist seit Juni zu 100 Prozent in Betrieb. Es sei ein «ansprechendes Jahresergebnis» erwirtschaftet worden, so Moersen: «Das erlaubt es, die im Berichtsjahr getätigten Investitionen voll abzuschreiben.
Bevor Falken-CEO Markus Höfler das abgelaufene Braujahr Revue passieren lies, sagte er: «Ob vom Profi- oder Hobbybrauer – Bier gewinnt an Ansehen – es erlebt eine Renaissance.» Die Schweiz hat die grösste Brauereidichte der Welt, rund 4000 verschiedene Biere werden landesweit hergestellt. Falken beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, Bier zu brauen und Dosen abzufüllen, sondern komplettiert das Sortiment mit Spirituosen wie Munot Malt oder Gin82.
Die statutarischen Geschäfte gingen wie gewohnt schlank über die Bühne – es gab weder Diskussionen noch Gegenstimmen. Die bisherigen Verwaltungsräte wurden für die Amtsdauer von drei Jahren wiedergewählt, die BDO AG in St. Gallen erhielt für ein weiteres Jahr das Mandat als Revisionsstelle. «Eine frohe Stimmung und viel Sitzleder» wünschte der Präsident des Verwaltungsrates, dann trat «Christoph Blocher» auf die Bühne. Er bedankte sich dafür, «dass ich auf einen grossen Schluck vorbeikommen darf». Der Zürcher Schauspieler Walter Andreas Müller parodiert seit Jahren Christoph Blocher, aber auch andere Prominente stellte er mit wechselndem Dialekt und verschiedenen Brillen dar.
Nach der Darbietung gab es Festbier, bevor das traditionelle Menü – Ochsenmaulsalat, kalte Platte garniert und reichhaltige Käseplatte – aufgetragen wurde. «Es sind insgesamt 130 Kilo Ochsenmaulsalat. Davon bleibt nie ein Gramm übrig», sagte CEO Markus Höfler.

Kategorie: Pressespiegel

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