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Schaffhauser Sammlung wird verkauft

Freitag, 1. Dezember 2017

Ein Schaffhauser Bankier hat über Jahrzehnte eine umfassende Sammlung von Zeichnungen von Schaffhauser Malern aus dem 16. Jahrhundert angelegt. Grosse Teile der Kollektion gelangen nun in eine Versteigerung.

Schaffhauser Nachrichten
Zeno Geisseler

Hugo von Ziegler war Schaffhauser durch und durch. Er verbrachte sein ganzes Leben in der Munotstadt, er war in der Scaphusia aktiv (v/o Lord), und er sammelte Schaffhauser Kunst. Als er 1966 im 77. Altersjahr verstarb, hinterliess der Bankier und Kunsthistoriker eine umfassende Sammlung an Schaffhauser Silberware, Münzen und, allem voran, Zeichnungen von Schaffhauser Künstlern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Die Nachkommen von Zieglers haben Teile der Sammlung in den letzten Jahren in den Verkauf gegeben, so 2009 bei Sotheby’s in New York und 2012 beim Buch- und Kunstantiquariat August Laube in Zürich. Übernächste Woche, am 13. Dezember, versteigert das Pariser Auktionshaus Drouot nun das vielleicht umfassendste Konvolut aus der Kollektion Ziegler, insgesamt 75 Lose.
«Ziegler war Kunstsammler, aber seine grösste Passion war Schaffhausen», sagt Benjamin Peronnet vom Auktionshaus Drouot. «Er wollte die Geschichte Schaffhausens nachvollziehen.» Das zeigt sich auch bei seiner Sammlung: «Eines der allerersten Werke, das er erwarb, war eine Zeichnung eines Wappens einer Schaffhauser Familie», erzählt Peronnet.
Das wichtigste Werk, das nun angeboten wird, ist eine Serie von 13 Gouachen des Schaffhauser Malers Daniel Lindtmayer (1552–1606/07), «Christus und die Apostel», Schätzpreis 250 000 bis 350 000 Euro. Ursprünglich waren es sogar 14 Blätter gewesen, jedoch gilt das Blatt mit dem Apostel Judas Thaddäus als verschollen. Die Blätter messen etwa 24 auf 15 Zentimeter, sie sind also etwas kleiner als ein A4-Blatt.
Die Serie, oder Teile davon, war mehrere Male in Schaffhausen ausgestellt gewesen, laut Katalog 1939 und 1952 und zuletzt, laut SN-Archiv, 1997, als alle 13 Blätter gezeigt wurden.
Gouachen von Lindtmayer sind sehr selten. «Es sind nur noch zwei weitere bekannt», sagt Experte Peronnet, «eine befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich, eine weitere im Museum zu Allerheiligen.»
In der Auktion finden sich auch Werke von Tobias Stimmer – jenem Künstler, der das Haus zum Ritter in der Vordergasse bemalte. Von ihm angeboten wird eine Federzeichnung von St. Paul, ziemlich genauso gross wie ein A4-Blatt und mit einem Schätzpreis von 40 000 bis 60 000 Euro.
Es gibt in der Auktion aber auch Werke mit interessantem Schaffhauser Bezug für kleinere Beträge. So etwa Studien zu Glasmalereien für Schaffhauser Familienwappen, zum Beispiel ein Doppelwappen von Hans Caspar Lang (1571–1645) mit den Wappen der von Waldkirchs und von Heidecks (800 bis 1200 Euro). Gar nur 80 bis 100 Euro beträgt der Schätzpreis für ein Buch mit Stimmer-Stichen. Dabei ist das Buch über 400 Jahre alt.
Werden diese Schaffhauser Kunstschätze, allen voran die 13 Lindtmayer-Gouachen, ihren Weg zurück in ihre Heimatstadt finden? Vielleicht sogar in die Sammlung des Museums zu Allerheiligen? Beim Museum gibt man sich – wie immer bei Auktionen – bedeckt. «Wir wissen», sagt Sprecherin Suzanne Mennel nur, «über den Verkauf Bescheid.»




250 000 bis 350 000 Euro: «Christus und die Apostel». 13 Gouachen von Daniel Lindtmayer, 1586. «V. S.» steht für «von Schaffhausen». Die Serie war zuletzt 1997 im Museum zu Allerheiligen ausgestellt worden. Es sind nur noch zwei weitere Gouachen Lindtmayers bekannt. Eine davon befindet sich bereits im «Allerheiligen».
Bilder zvg/Auktionshaus Drouot Paris




15 000 bis 20 000 Euro: Studie von Köpfen von Daniel Lindtmayer, 1595. 1939 und 1998 im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt.




12 000 bis 18 000 Euro: «Schütze» von Daniel Lindtmayer. Studie für eine Glasmalerei, 1572. 30,2 x 21 cm. 1952 in Schaffhausen ausgestellt.

Kategorie: Notizen zu Namen

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