Schrift: | klein | gross | invertiert



Mitteilungen

Eine Flasche Pisner gefällig?

Freitag, 30. Juni 2017

Dänemark überrascht die Welt mit einem ungewöhnlichen Bier. Dänemark sieht sich an vorderster Front bei der Umwandlung von Abfall in Ressourcen. Die neueste Variante heisst «Beercycling» und verlangt den Konsumenten ein bisschen Mut ab.

Neue Zürcher Zeitung
Rudolf Hermann, Stockholm

Nein, es ist kein Druckfehler, die neueste dänische Bier-Kreation heisst tatsächlich so: Pisner. Und ja, wenn sich beim Wortklang eine vielleicht etwas unangenehme Assoziation einstellt, dann ist das durchaus beabsichtigt. Pisner nämlich ist in einem Land, das sich als Pionier betrachtet bei der «zirkulären Wirtschaft», der Wiederverwertung von Abfällen zu neuen Rohstoffen in einem möglichst geschlossenen Kreislauf, die Verwirklichung dieses Prinzips bis in die letzte Konsequenz.

Der Kreislauf des Biers
Aber schön der Reihe nach. Zum Sommeranfang findet jeweils am westlichen Rand des Grossraums Kopenhagen das Roskilde-Festival statt, Dänemarks grösstes Rockfestival, das regelmässig bekannte Namen und über hunderttausend Besucher anzieht. Weil es auch in Dänemark manchmal heiss ist im Sommer, wird viel Bier getrunken (es wird auch getrunken, wenn es nicht so heiss ist). Was die Besucher an Flüssigkeit nicht ausschwitzen, müssen sie auf andere Art wieder loswerden. Im vorletzten Jahr liess die dänische Landwirtschafts- und Lebensmittelbehörde am Festival 54 000 Liter Urin von den Besuchern auffangen, um ihn zu Dünger verwerten zu lassen. Nun gab sie ihn an die interessierte Bevölkerung zurück – in Form von Bier.
Natürlich aber indem der am Roskilde-Festival eingesammelte Dünger-Rohstoff dazu verwendet wurde, dem Wachstum der elf Tonnen Gerste nachzuhelfen, aus denen die Kopenhagener Bio-Boutique-Brauerei Nörrebro Bryghus nun ihr Pisner herstellt. Das neue Bier wurde am Dienstag vor dem Haus Axelborg, dem Sitz der Landwirtschafts- und Lebensmittelbehörde, der Öffentlichkeit vorgestellt.

«Mutiges Marken-Experiment»
Mit der Aktion wolle man eine junge Zielgruppe auf Fragen der Rezyklierung und Weiterverwertung aufmerksam machen, sagte eine Sprecherin der Behörde gegenüber der Internet-Publikation «The Local», die über das Ereignis berichtete. «Wenn du nicht weisst, was Rezyklierung ist, dann kannst du hier ein bisschen davon kosten», hiess es auf einem grossen Banner am Stand vor dem Haus Axelborg, wo am Dienstag während dreier Stunden das Bier gratis an die Passanten verteilt wurde.
Das Amt kaufte Nörrebro Bryghus die gesamte Pisner-Produktion von rund 60 000 Flaschen ab und will das Bier nun mit Grossverteilern unter die Leute bringen – mit der Original-Bezeichnung. «Ein mutiges Marken-Experiment», befand Henrik Vang, der Chef der Brauerei. Das Publikum reagiere gespalten, doch sei es immer gut, zu den Kunden ehrlich zu sein.

Autor: Neue Zürcher Zeitung

Kategorie: Pressespiegel

Kommentare

Noch keine Kommentare. Um diesen Beitrag zu kommentieren, müssen Sie sich zuerst mit Ihrem Benutzernamen anmelden.


Druckansicht

Diesen Beitrag drucken