Schrift: | klein | gross | invertiert



Mitteilungen

Ausgezeichnete Missverständnisse

Samstag, 10. Juni 2017

Scaphusia-Preis im Schreibwettbewerb an der Kantonsschule verliehen.

Schaffhauser Nachrichten
Martin Edlin

Das Missverständnis war vorgegeben… Und zwar als Thema für einen Schreibwettbewerb, den die vor 16 Jahren dank eines Legats eines Altherrn der Verbindung Scaphusia ins Leben gerufene Stiftung Scaphusia-Preis für Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule ausgeschrieben hatte. Unmissverständlich dagegen die Vorgaben: Die Texte – Kurzgeschichte, Dialog oder Sketch – mussten auf zwei bis vier Seiten Platz finden, ausserhalb des Unterrichts entstehen und vollumfänglich von den Jugendlichen selbst verfasst werden. Sechzehn Arbeiten wurden eingereicht, und eine fünfköpfige Jury (Kanti-Deutschlehrerin Susanne Bernhard Gross, SN-Feuilletonredaktorin Edith Fritschi, Übersetzer, Lektor und Literat Norbert Hauser, Schriftsetzer, Schriftsteller und Autor Reinhard Nowak und Deutschlehrer und Prorektor Detlef Roth) erkor die drei Gewinner, die gestern an einer kleinen Feier ein Preisgeld von tausend, sechshundert und dreihundert Franken in Empfang nehmen durften.
Um es mit den Worten von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner vorwegzunehmen: Erfreulich, dass sich Schülerinnen und Schüler aller Kanti-Klassen und aller -Profile am Schreibwettbewerb beteiligten und mit ihren Texten, allein schon was die Titel anbelangt, viel Originalität erkennen liessen. Den drei prämierten Arbeiten – sie wurden an der Feier von Reinhard Nowak vorgelesen – darf jedoch noch mehr zugesprochen werden: Sie verraten literarisches Talent, das sich – bei aller Unterschiedlichkeit – sowohl in den subtil genutzten Möglichkeiten der Sprache, in den ersonnenen Handlungen als auch in der Umsetzung des Themas «Missverständnis» zeigte. So schrieb Nils Kessler (Klasse 3sa) unter dem Titel «Weltenbrand» eine mit dem zweiten Preis bedachte fantastischsurreale Geschichte voller humoriger Szenen über den chronologischen Ablauf eines Grossbrandes… Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt» hätte als musikalischer Vorspann dazu dienen können.
Den dritten Preis erschrieb sich Pas­cale Pfeiffer (Klasse 1sa) mit der Kurzgeschichte «Ein einfacher Abend», eine wie mit kleinen, detailverliebten Pinselstrichen gemalte Erzählung von einem Mädchen, das mitten in der Grossstadt – der genaue Ort entpuppt sich als Missverständnis zwischen seinen Eltern – von seinem Vater abgeholt werden sollte. Die atmosphärische Dichte des Textes ist berührend.
Schliesslich die Wettbewerbsgewinnerin Louise Roos (Klasse 2sb): Sie erzählt in «Eine eigene Zeile für die Null» vom Umgang der Familie mit der neunzigjährigen demenzkranken Oma. «Ein sehr, sehr einfühlsamer Text» (so Norbert Hauser in seiner Laudatio), der den scheiternden Brückenschlag – in Form eines altersgerechten Handys – zwischen einer die Welt nicht mehr verstehenden Frau und der sie deshalb missverstehenden Mitmenschen ausleuchtet, in der Intensität packend und beklemmend zugleich.




Für ihre Texte erhielten Nils Kessler, Pascale Pfeiffer und Louise Roos (v. l. n. r.) von Stiftungsratspräsident Alexander Wanner die Scaphusia-Preise.
Bild Selwyn Hoffmann

Autor: Schaffhauser Nachrichten

Kategorie: Pressespiegel

Kommentare

Noch keine Kommentare. Um diesen Beitrag zu kommentieren, müssen Sie sich zuerst mit Ihrem Benutzernamen anmelden.


Druckansicht

Diesen Beitrag drucken